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12. September 2013

Geschrumpfter Jumbojet

Ihr Aussehen polarisiert: Die D.H.104–7XC Dove wird einer der Stars der Hüttener Flugtage sein.

  1. Mit einem ganz eigenen Charme: die De Havilland, die in Hütten zu bewundern sein wird Foto:  Julian Herzog

RICKENBACH-HÜTTEN. Ist diese Maschine nun schön – oder doch eher das Gegenteil? Dass ihre Optik polarisiert, liegt wohl daran, dass die De Havilland D.H.104 – 7XC Dove vielen Betrachtern wie eine zu heiß gewaschene Boeing 747 erscheint. Die Besucher des Flugtags in Hütten am Wochenende können sich ein eigenes Bild machen. Die 1963 gebaute Dove wird eines der Highlights sein.

Ähnlich wie beim amerikanischen Airliner sitzt das Cockpit des englischen Oldtimers in einer buckelförmigen Ausbuchtung auf dem Rumpf. Dort haben sowohl in der Dove als auch im Jumbo-Jet je zwei Piloten das Kommando. Nur folgen im US-Großraumjet bis zu 400 Passagiere in der Kabine dahinter, während es in dem Propeller-Airliner gerade mal neun Gäste sind. Auffällig sind auch die ovalen Fenster: Keine kleinen Bullaugen wie in Airbus und Co, sondern üppige Panoramascheiben, die an einen Zeppelin erinnern.

Dass dieses Flugzeug einst auch gekrönte Häupter faszinierte, wundert nicht: Queen Elizabeth von England gönnte sich in den Fünfzigern gleich zwei Dove für ihren Flugzeugpark. Auch der jordanische König besaß eine Maschine dieses Typs. Zwar taugt der Flieger wegen seiner geringen Reichweite nicht für längere Strecken, und mit maximal neun Sitzplätzen darf auch die Entourage der Monarchin nicht wirklich majestätisch sein. Dafür ist die Maschine aber selbst mit kurzen Runways auf winzigen Flugplätzen zufrieden. Und wenn es sein muss, startet und landet sie sogar auf einer holprigen Graspiste.

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Die Reichweite beträgt 1400 Kilometer

Der Erstflug einer "Taube" fand kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im September 1945 statt. Ihre Konstruktion war das Ergebnis einer Ausschreibung, die eine britische Kommission bereits zwei Jahre zuvor auf den Weg gebracht hatte: Ein ziviles Kurzstrecken-Zubringerflugzeug mit Kolbenmotoren wurde von der britischen Luftfahrtindustrie für die Zeit nach dem Krieg gefordert. Der einheimische Hersteller deHavilland traf mit dem fortschrittlichen Konzept der Dove genau ins Schwarze, zumal ihr Vorgänger ein vergleichsweise antiquierter Doppeldecker ohne Einziehfahrwerk war.

Dennoch hat der Veteran ziemlich kurze Start- und Landestrecken: 700 Meter Runway reichen bereits aus. Rund 1400 Kilometer schafft die Maschine nonstop. Die Dove fliegt mit etwa 260 Stundenkilometer Reisegeschwindigkeit. Und gerade dieses gemächliche Dahingleiten in relativ geringer Höhe bietet eine ungeheure Faszination: Beim Blick auf die langsam hinweg ziehende Landschaft kommt zumindest bei betagten Gästen an Bord ein Déjà-vu-Gefühl auf: Ja, genau so waren Flugreisen damals in den Fünfzigern.

Das einzige Komfort-Manko bei dieser nostalgischen Art des Lufttransports wird höchstens durch eine freundliche Erinnerung vor dem Einsteigen deutlich: Wer ein dringendes Bedürfnis verspürt, sollte noch schnell das Airport-WC aufsuchen. Denn an Bord der Dove erleben Passagiere zwar eine stilvolle Zeitreise, für ein stilles Örtchen blieb allerdings kein Platz mehr übrig.

Informationen zum Flugtag finden Sie im Internet unter http://www.flugtag-huetten.de

Autor: Jürgen Schelling