"Das kann ich ertragen, wenn ich ein Leben rette"

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Fr, 30. Januar 2015

Riegel

DREI FRAGEN AN: Sonja Saad hat Knochenmark gespendet.

RIEGEL. Im Herbst 2010 hat Sonja Saad aus Riegel das Leben eines 52-Jährigen Mannes, der an Krebs erkrankt war, gerettet: Sie hat Knochenmark gespendet – insgesamt eineinhalb Liter. BZ-Redakteur Patrik Müller sprach mit der 39-Jährigen.

BZ: Frau Saad, wie wurden Sie eigentlich Knochenmarkspenderin?
Saad: Eine Kollegin hat mich auf die Idee gebracht. Ich war damals noch nicht selbstständig, wir saßen im Büro und sie sprach mich an: Guck mal, ich habe mich typisieren lassen, vielleicht hast du ja auch Lust. Sie hat mir Info-Material in die Hand gedrückt. Die Vorstellung, dass ich mit meinen Stammzellen oder meinem Knochenmark ein Leben retten kann, fand ich sehr positiv. Ich habe mir bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS das Registrierungsset nach Hause bestellt, mit dem Wattestäbchen einen Abstrich von meiner Wangenschleimhaut gemacht und das Paket zurückgeschickt. Ein paar Monate später kam dann schon Post.
BZ: Wie lief die Spende ab?
Saad: Ich wurde untersucht. Erst vom Hausarzt, dann in der Uniklinik. Danach wusste ich: Ich bin richtig gesund. Und schließlich war klar: Von fünf Spendern, die in Frage kommen, bin ich am besten geeignet – und dass sie mein Knochenmark brauchen, nicht meine Stammzellen. Am 17. November 2010 wurde ich dann in die Uniklinik aufgenommen und einen Tag später operiert. Ich lag eine Stunde in Vollnarkose da, sie haben mir eineinhalb Liter Knochenmark entnommen. Ich wusste gar nicht, dass ich soviel habe. Als ich aufgewacht bin, haben mir die Ärzte gratuliert. Es war ein wenig schmerzhaft, eine OP eben – aber ich habe es nie bereut. Ich dachte: Das kann ich gut ertragen, wenn ich ein Leben rette.
BZ: Wissen Sie, wem Sie geholfen haben?
Saad: Ich weiß, dass er männlich ist, 52 Jahre alt und dass er in Frankreich lebt – und dass es ihm gut geht. Wie er heißt, werde ich nie erfahren, die Franzosen haben da andere Gesetze. Ich habe ihm relativ schnell nach der Spende über die DKMS einen Brief geschrieben, aus dem die alles entfernt haben, was auf mich hindeuten würde. Ich schrieb, dass ich ihm alles Gute und viel Kraft wünsche. Einige Zeit später kam dann die Antwort, auf Englisch und Französisch. Er hat geschrieben, dass es ihm gut geht – und dass er die Frau geheiratet hat, die ihm durch die schwere Zeit geholfen hat.

Sonja Saad ist 39 und stammt aus Nordrhein-Westfalen. Sie lebt seit 14 Jahren mit ihrer Familie in Riegel und arbeitet als Mediatorin und Beraterin.