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20. August 2009 16:14 Uhr

Originalfundstücke kehren zurück

Großer Tag für das Riegeler Museum

"Heute ist ein großer Tag für uns", sagt der Geschichtsvereinsvorsitzende Peter Ziegler. Die Besonderheit des Tages für das Archäologische Museum in Riegel war, dass Originalfundstücke aus dem Mithräum in Riegel in die Heimat zurückkamen.

  1. Peter Ziegler Hartmut Kaiser und Bernhard Cämmerer mit dem Rest eines Tonkelches. Foto: Michael Haberer

RIEGEL. "Heute ist ein großer Tag für uns", sagt der Geschichtsvereinsvorsitzende Peter Ziegler. Die Besonderheit des Tages für das Archäologische Museum in Riegel war, dass Originalfundstücke aus dem Mithräum in Riegel in die Heimat zurückkamen. Bernhard Cämmerer, früher Konservator am Badischen Landesmuseum und Mitglied des Grabungsteams in den 70er Jahren, hat einige Fundstücke für die Ausstellung in den Riegeler Vitrinen zusammengestellt. Diese sollen das Ergebnis der Ausgrabungen beispielhaft darstellen.

Zusammen mit dem Leiter des Zentralen Fundarchivs in Rastatt, Hartmut Kaiser, brachte Cämmerer die Ausstellungsstücke nach Riegel. Die Gemeinde hat mit dem Land einen Leihvertrag, der es ermöglicht, Fundstücke aus den Depots des Archäologischen Landesmuseums im Museum in der Alten Schule zu zeigen. Das Ensemble wurde von Cämmerer zwar schon vor einem Jahr zusammengestellt. Kaiser betonte dazu, es gelte grundsätzlich das Prinzip Gründlichkeit vor Schnelligkeit. So können vom Fund über die Reinigung, Katalogisierung und Rekonstruktion einige Jahre vergehen, bevor ein Fundstück für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

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Die Ausstellungsstücke stammen weitgehend aus einem Kultgeschirr-Depot, das im Mithrastempel an der Üsenbergstraße gefunden wurde. Das Heiligtum stand wohl im 2. Jahrhundert an diesem Platz. Das Geschirr lag bei der Ausgrabungen gut erhalten an einem Ort, so dass gemutmaßt wurde, ein Wandregal im Tempel sei hier umgefallen. Dieses virtuelle Regal heißt wegen des Finders "Cämmererscher Schrank", erklärte Kaiser der kleinen Runde im Museum scherzhaft. Allerdings glaubt Cämmerer selbst nicht an einen Schrank oder ein Regal. Eher an einen Sack, in dem das Geschirr wahrscheinlich in einer Ecke aufbewahrt wurde. Das hat zum guten Zustand der Fundstücke beigetragen. Ein anderer Grund ist der Kaiserstühler Löß, der eine Art Naturkonservierung darstellt und so den Archäologen immer wieder reiche und teils sensationelle Funde beschert.

Allerdings können Geschichte und Natur nicht alle Wünsche der Archäologen wahr werden lassen. Cämmerer erinnert sich, dass sein ganzes Bestreben dahin ging, das Mithras-Kultbild über dem Altar zu finden. Doch dies war dem Grabungsteam nicht vergönnt. Angenommen wird, dass es von Christen zerstört wurde wie in anderen Tempeln, oder dass es die Mithras gläubigen Römer rechtzeitig verschwinden ließen. Es könnte auch aus Holz gewesen sein und war damit anders als das Keramik-Geschirr wie auch die metallenen Fibeln und das gefundene Kultschwert nicht gegen den Verfall gefeit. Die Gewalt der Christen mussten die Kultgegenstände der "Ungläubigen" erfahren, weil sie die Symbole einer der verschiedenen anderen Erlösungsreligionen zurzeit der Römischen Kaiser waren. Das Mithräum stand für die Vorstellung, dass der aus dem Felsen geborene Gott Mithras den Urstier tötet und aus seinem Fleisch und Blut alles Leben erschafft. Mithras kämpft gegen das Böse, das diese Schöpfung bedroht. Im Tempel kamen die Gläubigen zusammen, um im Kultmahl die Gemeinschaft mit der Gottheit zu zelebrieren. Nach einem Leben in Wahrheit, Reinheit und Gerechtigkeit glaubten die Mithras-Gläubigen durch eine Entrückung der Seele zum Sternenhimmel ihre Vollendung zu finden. Deshalb dürfte die Decke des Tonnengewölbes im Riegeler Mithras-Tempel als Sternenhimmel ausgemalt gewesen sein.

Autor: Michael Haberer