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13. Oktober 2011

Im Stil der alten Römer

Riegel bereitet sich auf seine 1250-Jahr-Feier vor, blickt aber noch weiter in der Geschichte zurück.

  1. Bernhard Cämmerer, früher Konservator am Badischen Landesmuseum und Mitglied des Grabungsteams in den 70er Jahren, und Barbara Doraciak mit den Ausstellungsstücken im Riegeler Rathaus. Foto: Michael haberer

RIEGEL. Riegel feiert im kommenden Jahr, dass der Ort erstmals vor 1250 Jahren schriftlich erwähnt wurde. Höhepunkt des Jubiläums wird ein dreitägiges Fest Mitte Juli sein. Der Sonntag davon (15. Juli) ist einer Epoche vorbehalten, die weit vor der mittelalterlichen Ersterwähnung liegt: dem Riegel der Römerzeit. Damit dieser "römische Familientag" auch ganz antik wirkt, sollen die Riegeler in römischer Kleidung erscheinen. Beispiele dafür sind im Rathaus zu begutachten.

Römische Kleidung – für das einfache Volk heißt das: die Tunika. Die Oberhäupter der Gemeinde erscheinen in weißen Togen, was damals ein Zeichen für Rang und Status war. Ein ganzer Senat wird sich zeigen und mit Schriftrollen in der Hand an die römische Republik erinnern.

Für die Bevölkerung hat die Gemeinde eine Aktion gestartet, damit die Riegeler günstig an den Stoff für die Tuniken kommen. Die Gemeinde kauft den Stoff ein. Um den Bedarf zu kennen wurde eine Umfrage gestartet. Bislang haben 88 Riegeler im Rathaus Stoff in beige, rot oder blau bestellt. Das reicht erst einmal, um den Stoff zu ordern. Doch laut Bürgermeister Markus Jablonski nimmt die Gemeinde weiterhin Bestellungen an.

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Um den Stoff zur Tunika werden zu lassen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder selber nähen oder nähen lassen. Anschauungsmaterial findet sich im ersten Obergeschoss des Rathauses, wo Tuniken ausgestellt sind. Möglicherweise wird Bernhard Cämmerer auch eine Einführung geben. Dies könnte sich am 20. Oktober entscheiden, wenn die verschiedenen Arbeitskreise für das Jubiläum im Rathaus zusammenkommen, um das Festjahr und die Vorarbeit zu koordinieren. Cämmerer war früher Konservator am Badischen Landesmuseum und gehörte in den 70er Jahren dem Grabungsteam an, das den Mithras-Tempel freilegte. Cämmerer ist Experte für römische Bekleidung sowie Ehrenmitglied und Berater des Riegeler Geschichtsvereins. Nach der Jahreswende sollte es auch Anschauungsmaterial im Internet geben.

Seit einigen Jahren läuft ein internationales Forschungsprojekt zur antiken Kleidung. Die Ergebnisse werden in zwei Ausstellungen unter dem Titel "Dresscode im Alten Rom. Kleidung und Identität in der Antike" zu sehen sein: Von März 2012 an in Mannheim in den Reiss-Engelhorn-Museen und im Anschluss im Naturhistorischen Museum in Wien.

Wer nicht selbst schneidern möchte, kann sich an Barbara Doraciak, Zugführerin des Fanfarenzugs und Änderungsschneiderin, wenden. Im Rathaus geht man davon aus, dass eine fertige Tunika mit Kordel auf höchstens 30 Euro kommt. Stoff und Kordeln liegen bei 15 Euro für Erwachsene und etwa zehn für Kinder.

Für die Schuhe möchte man kein extra Programm auflegen. Cämmerer denkt, es käme zu teuer, wenn sich die römischen Riegeler mit historischen Sandalen ausstatten sollten. Die gebräuchlichen Sandalen von heute tun’s auch. Cämmerer sähe es gerne, wenn sich noch ein Friseur finden ließe, der für römische Haarschnitte sorgen könnte.

Die größere Herausforderung für Schneider und Träger stellten laut Cämmerer die Togen für die hohen Herren. Sie sind in ihrer Größe und mit ihren Falten Ausdruck jener antiken Gewandkultur, die sich laut Cämmerer so sehr von der heutigen unterscheidet: Man umgab sich mit Stoff, der bis zu sechs Mal weiter war als nötig. Alles wurde durch Fibeln und Gurte zusammengehalten. Auch hierfür soll es noch eine Einführung geben.

Autor: Michael Haberer