Integrationsarbeit

Wie sich zwei Flüchtlinge ein Leben in Deutschland aufbauen

Helmut Hassler

Von Helmut Hassler

Sa, 22. Oktober 2016 um 10:49 Uhr

Riegel

Zwei junge Männer aus Syrien erhalten mit Hilfe des Riegeler Helferkreises und regionaler Handwerksfirmen Ausbildungen. Zusätzlich fahren sie viermal die Woche zum Deutschunterricht nach Freiburg.

"Gestern habe ich Wand- und Deckenleuchten im Treppenhaus montiert und heute habe ich Netzwerkkabel in einem Leerrohr in einem Neubau eingezogen und Netzwerkdosen in das Mauerwerk gesenkt", erzählt Hesham Arnaooti. Der Flüchtling aus Syrien lebt seit einem Jahr im Container am Gemeindegarten in Riegel und ist seit dem ersten Oktober Auszubildender als Elektroniker bei der Firma Elektro Krumm in Malterdingen.

Auch Kashim Shhadt, ein 22-jähriger Palästinenser aus Syrien, der seit zwei Jahren in Riegel in einer Einliegerwohnung lebt, hat bei der Firma Andreas Bühler, Heizungs- und Sanitärtechnik in Bahlingen einen Ausbildungsplatz bekommen. Er wird dort in dreieinhalb Jahren zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ausgebildet.

Vor dem Ausbildungsstart mussten zahlreiche Hürden bewältigt werden

Unterstützt wurden die beiden Flüchtlinge von Sonja Saad vom Helferkreis für Flüchtlinge des Bereit-Büros in Riegel, der sich um 70 Flüchtlinge kümmert. Saad ist dort zuständig für Arbeit, Ausbildung und Praktika, sie hat die Kontakte geknüpft und berichtet von zahlreichen Hürden, die es dabei zu bewältigen gab.

Nach einem vorherigen Praktikum war Bernd Krumm von Hesham schon überzeugt: "Ich habe selten so einen interessierten und engagierten Auszubildenden erlebt, der bei allen Mitarbeitern sofort beliebt war." Hesham besucht die Berufsschule, die Gewerbliche und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerische Schulen Emmendingen, wo er mit seinen 38 Jahren der älteste in der Klasse ist und dort von den Mitschülern unterstützt wird.

Hesham hofft, dass er seine Familie nach Deutschland nachholen kann

Viermal die Woche fährt er abends mit dem Zug nach Freiburg, wo er in einem Kurs intensiv die deutsche Sprache lernt. "Jetzt beginnt mein Leben", sagt er und hofft dabei, dass er bald die Aufenthaltserlaubnis bekommt und dann seine Frau und seine zwei Kinder, die noch in der Türkei leben, nach Deutschland holen und eine Wohnung beziehen kann.

Auch Kasim Shhadt ist bei seinem Praktikum im Oktober 2015 bei Andreas Bühler, der seit Anfang des Jahres den Betrieb von seinem Vater Heinz übernommen hat, sofort positiv aufgefallen. "Er ist sehr fleißig, aufmerksam und an allem interessiert und wollte gleich überall mit anpacken", sagt Andreas Bühler.

Kasim Shhadt geht viermal die Woche zum Deutschunterricht

Im Gespräch mit der Handwerkskammer Freiburg und Sonja Saad wurden die Einzelheiten besprochen und die geeignete Ausbildung ausgesucht. Er wird ab Dezember die Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg besuchen, für den Deutschunterricht besucht er derzeit viermal die Woche abends den Sprachkurs B2, den ersten Teil B1 hat er bereits erfolgreich abgeschlossen.

"Ich freue mich, dass ich die bei den Lehrstellen vermitteln konnte", sagt Sonja Saad vom Helferkreis. Sie engagiere sich für Flüchtlinge aus zwei Gründen: "Zum einen bin ich interessiert an den Menschen und ich kann etwas zum Frieden beitragen, weil ich denke, wenn die Flüchtlinge konkret sehen, wie wir leben, dann können Vorurteile und Ängste abgebaut werden." Das Gleiche gelte auch "für uns, wenn wir sehen, wie die Flüchtlinge leben und wir mit ihnen ins Gespräch kommen".

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