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08. Dezember 2017

Modernes in mittelalterlichem Gewand

Norman Hothum stellt in den "Kunstwelten im Engel" in Riegel aus und lässt sich bei der Arbeit über die Schulter schauen .

  1. Norman Hothum im Atelier Foto: Christiane Franz

RIEGEL. Der Maler und Kalligraph Norman Hothum präsentiert in Cordula Böhles Atelier und Galerie "Kunstwelten im Engel" unter dem Titel "Illustration und Kalligraphie" seine neuesten Werke: Illustrationen für ein Buch, an dem er aktuell arbeitet, oder mittelalterlich anmutende Buchseiten in zeittypischer Kalligraphie.

Was auf den ersten Blick ganz mittelalterlich aussieht, ist ein verwobenes Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart. Denn Norman Hothum verwendet in seiner Kunst zwar die alte Schrift- und Bildersprache, stellt aber Bezüge zu heute her. So finden sich in seinen Illustrationen Landschaften, Gebäude oder Flora und Fauna aus dem Kaiserstuhl oder seiner ursprünglichen Heimat, dem Mittelrheintal.

Oft sitzt ihm der Schalk im Nacken und in der mittelalterlich-allegorischen Bildsprache versteckt sich ganz Modernes. So hat Norman Hothum beispielsweise einen Liebhaber klassischer 2CV-"Enten" einmal mit doppelten Pferdeköpfen und einem Entenkopf als Helmzierde charakterisiert.

Beim Besuch in seinem Atelier malt Hothum mit kräftigen Pinselstrichen den Himmel seines neuesten Bildes, einer Darstellung der vier Jahreszeiten, die auf dem Blatt im Querformat vom Winter über den Frühling und Sommer in den Herbst ineinander übergehen. Noch umreißen die Bleistiftlinien die einzelnen Szenen. Schwertlilie, Holunder, Reben, Obstbäume gestalten die Landschaft, in die eine Stadt ähnlich Endingen eingebettet liegt. "Ich könnte es mir als Illustration für ein Märchenbuch vorstellen", erklärt der Künstler. "Es ist ein Gemisch aus eigenen Anschauungen mit Phantasie umgesetzt."

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Oft sind es Auftragsarbeiten, die Norman Hothum als mittelalterliche Buchseiten gestaltet. Poesie oder Kochrezepten, Familienaufstellungen oder auch verfassten Texten der Auftraggeber verpasst Hothum ein mittelalterliches Aussehen, wobei die Sprache trotz alter Schriftweise im heutigen Deutsch lesbar bleibt.

Aber er hat auch andere Auftraggeber. Zum Beispiel hatte er vor einigen Jahren bei einer Dokumentation zu Gutenberg für das ZDF den Part, den Prozess der mittelalterlichen und damit mühsamen Buchherstellung darzustellen.

Eine besondere Herausforderung war es, für den Museumsfilm eines Klosters Schritt für Schritt die Herstellung einer Buchseite vorzuführen. "Ich habe die gleiche Seite, die vor sechs Jahrhunderten in diesem Kloster gefertigt wurde, neunmal in neun verschiedenen Schritten erstellt", erzählt Hothum schmunzelnd. Der erste Schritt zeigte die Vorbereitung von Pergament und Farben. Dann folgten Linierung, Kalligraphie, Skizzierung, Vergoldung, Basisfarbauftrag und die zweimalige Schattierung. Am Ende setzte Norman Hothum mit weißen Lichtern Akzente.

"Die größte Herausforderung war, dass ich für jeden einzelnen Schritt zweieinhalb Minuten bis zur Fertigstellung übrig lassen musste: um vor laufender Kamera den Arbeitsgang zu Ende zu bringen", erinnert sich der Künstler. "Es hat riesigen Spaß gemacht, es geschah aber auch unter Zeitdruck."

Info: Der Künstler Norman Hothum und die Werke seiner Ausstellung "Illustration und Kalligraphie" sind noch bis Freitag, 22. Dezember (Verlängerung möglich), mittwochs bis sonntags, von 15 bis 18 Uhr, in den "Kunstwelten im Engel", Hauptstraße 6 in Riegel zu sehen und anzutreffen.

Autor: Christiane Franz