Quer durchs Mittelalter

Roland Vitt

Von Roland Vitt

Mo, 15. April 2013

Riegel

Musikverein Riegel begeistert seine mehr als 450 Zuhörer mit einer musikalischen Zeitreise.

RIEGEL. 55 Musikerinnen und Musiker sowie 30 Jungmusiker vom Musikverein Riegel boten am Samstagabend in der "Römerhalle" mehr als 450 begeisterten Zuhörern ein echtes Hörerlebnis. Klänge aus dem Mittelalter standen auf dem Programm. Zehn Titel hatten Jungmusiker und Hauptorchester im Programm. Vor allem die Komposition "The White Tower", ein Stück in drei Sätzen von Otto M. Schwarz, im zweiten Konzertteil war für die Musikerinnen und Musiker eine absolute Herausforderung, die sie aber mit Bravour meisterten.

Dem Musikvereinsvorsitzenden Hardy Tiemer stand die Freude über den guten Konzertbesuch ins Gesicht geschrieben, als er Bürgermeister Markus Jablonski, Gemeinderäte, Pfarrer Rémi Purzeau und eine ganze Reihe Ehrengäste begrüßte. Da der Dirigent des Jugendorchesters, Fridolin Huber, wegen eines Praktikums für mindestens sechs Monate nicht zur Verfügung stehe, habe man Karola Weinmann als Dirigentin der Jungmusiker gewonnen. Sie feierte am Samstagabend eine gelungene Konzertpremiere in Riegel. Zum Auftakt spielte das Jugendorchester "For Honor, for Country", ehe es bei der Komposition "Eiger" in die gefährliche Welt der Alpen ging. Die Zugabe leitete schließlich auf das Thema Mittelalter über. Im Verlauf des Abends sollten noch mehrere mittelalterliche Epochen musikalisch aufleben.

Ein unüberhörbarer Gong ertönte, dann hörte man lachende Ritter, die sich zum Einzug bereit machten. Mit Fahnen und Fackeln zogen die Musikerinnen und Musiker, angeführt von einem Ritter und seiner Edeldame unter Trommelwirbel in die Halle ein. Dann herrschte erst einmal absolute Stimme. Alles wartete auf die Dirigentin Katja Wössner, die dann auch aus der Burg kam. Mit "Die Kreuzzüge", einer Komposition von Erick Debs, stimmten die Musiker auf einen vielversprechenden Konzertabend ein.

Moderator Daniel Kietz lieferte den Zuhörern Informationen rund um die jeweiligen Titel. Das Mittelalter sei keine Zeit der ruhigen Töne gewesen, und deshalb biete man an diesem Abend auch wenige ruhige Töne. Kietz versprach einen unterhaltsamen Abend für jüngere und ältere Besucher gleichermaßen. Die Zuhörer erlebten ein Konzert mit vielen musikalischen Glanzpunkten.

Vielfältige Informationen und eine Räuberjagd

Bei Hector Berlioz’ Werk "Le Corsaire", geschrieben 1844 vom damals 41-jährigen Komponisten, könnte man meinen, er habe darin seine ganz eigene Krise zum Ausdruck gebracht: Trompeten und Baritone spielen zum Beispiel teilweise dieselbe Melodie – nur um einen Takt versetzt, laute Passagen wechseln sich rasant mit leisen ab – das Orchester schien an mancher Stelle zerrissen zu sein. Mit einem Gedicht über den Ritter Lanzelot leitete Daniel Kietz auf das wohl bekannteste Motiv des Mittelalters über: "Die Ritter der Tafelrunde", diesmal in einem Werk von Scott Richards. Dann machte das Orchester einen Zeitsprung in das Reich des Dschingis Khan, der um 1200 lebte und die mongolischen Stämme vereinte. In der Musik glaubte man die Mongolen auf ihren Pferden durch die mongolischen Weiten galoppieren zu hören. Nach diesem Titel hatten sich Musiker wie Zuhörerschaft erst einmal eine Pause verdient.

Dramatische Musik um Räuberbanden gab es nach der Pause. Allzu leicht vergesse man heute, dass es Zeiten gab, in denen das Leben ungleich schwerer war. Das galt vor allem für das Mittelalter, Leibeigenschaft, keine Rente und im Wald lauerten Räuber – allein oder in Banden. Im Titel "The White Tower" mit seinen drei Sätzen "Der Plan", "Der Überfall" und "Auf der Flucht" beschreibt Otto M. Schwarz, wie ein Räuber auskundschaftet, dass im Dorf beim Bankier ein riesiger Schatz zu holen wäre. Die Räuber treffen sich und hecken einen Plan aus. Aufgrund der Größe des Raubs müssen sich mehrere Räuberbanden zusammenschließen. Riegels Musikerinnen und Musiker setzten all dies musikalisch um – und nicht nur das. Auch sie wollten bei der "Räuber-Treibjagd" mit dabei sein. Während sie spielten, fingen sie mit Pistolen zu schießen und mit Säbeln zu rasseln an. Am Ende wurden die Räuber mit Hilfe der französischen Armee gefangen genommen. Erzähler der Geschichte war "Räuber" Lothar Staiblin.

Zum Abschluss des Programms wartete das Musikstück "Napoleon", doch zuvor brachte Kietz den Zuhörern Napoleons Höhenflug und Fall näher. Für die Musikerinnen und Musiker war damit aber noch lange nicht Schluss, denn das begeisterte Publikum erklatschte sich noch mehrere Zugaben, bei denen die Solisten Jonas Höhnig (E-Bass), Christian Wössner und Rainer Borchert (Trompete), Rudolf Huber (Tenorhorn), Otto Huber (Vibraphon), Axel Ringswald (Alt-Saxophon) und Sandra Ruf (Klarinette) auf sich aufmerksam machten.