Vom großen Triptychon bis zur kleinen Glasfigur

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Fr, 02. Februar 2018

Riegel

Die Kunsthalle Messmer in Riegel zeigt ab Samstag 120 Werke des deutschen Künstlers Otmar Alt / Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der "Neuen Figuration".

RIEGEL. Die Kunsthalle Messmer öffnet am Samstag mit einer neuen Ausstellung. Gezeigt werden Werke des deutschen Künstlers Otmar Alt. "Otmar Alt – Lebenswege: Malerei. Grafik. Skulptur" hat Jürgen Messmer die Ausstellung betitelt, in der 120 Werke Alts – vom großen Triptychon bis zur kleinen Glasfigur – zu sehen sind. "Alt möchte, dass seine Kunst möglichst breit in die Bevölkerung geht", erklärt Messmer am Donnerstag bei einem Pressetermin zur neuen Ausstellung.

Um die Verbindung von farbenfroher und fantasievoller Bildsprache, künstlerischer Bandbreite und breiter Zielgruppe deutlich zu machen, hat Jürgen Messmer sich etwas einfallen lassen: Er spielt vor der Presse auf einer von Alt gestalteten Drehorgel. Sie stammt aus dem Orgel-Museum in Waldkirch, für das Alt auch eine große Orgel kreiert hat. Breitenwirkung und farbenfrohe optimistische Bildsprache können in der Kunstszene aber auch Nachteile sein. "So bunt?!", habe er reagiert, als er Alts Werke zum ersten Mal gesehen habe, sagt Messmer. Alts Stil passe nicht ganz zu Messmers Faible für das Konkret-Konstruktive. "Alt ist in der Kunstgeschichte nicht ganz etabliert. Nicht selten wird seinen Werken eine naive Kindlichkeit vorgeworfen", sagt Messmers Mitarbeiterin Katharina Sagel. Vom Zweifel als höchstem Gut westlicher Intellektualität ist in Alts Werken wenig zu sehen. "Er hat seine Schicksalsschläge in bunten Bildern verarbeitet", so Messmer.

Der 77-jährige Otmar Alt ist in Wernigerode im Harz als Sohn eines Kirchenmusikers geboren. Als Meisterschüler bei Hermann Bachmann von 1964 bis 1966 beginnt er seine Karriere als Künstler. Es entstehen zunächst viele informelle Arbeiten, die ab 1965 figurative Züge annehmen. Alt entwickelt seinen individuellen, unverkennbaren Stil: Leuchtende Farbflächen, die wie Puzzles miteinander verwoben sind und unterschiedliche Motive zeigen. Otmar Alt gelingt es, sich neben Horst Antes, HAP Grieshaber oder Wilhelm Lot als einer der wichtigsten Vertreter der "Neuen Figuration" international zu etablieren. Seine "Positiv-Negativ-Formen", wie sie der Künstler selbst nennt, ermöglichen eine unkomplizierte Annäherung.

Otmar Alts Oeuvre ist unerschöpflich. Nahezu jede Technik und jedes gestaltbare Material nutzt Alt, um seine universelle Kreativität in allen Gattungen der Kunst auszuleben. Seit den 70er Jahren schafft Alt plastische Werke für den öffentlichen Raum. Gleich am Eingang zur Kunsthalle Messmer ist seine Skulptur "Große Gartenblume" zu sehen. Alt kreiert auch Gebrauchsobjekte wie Gläser, Geschirr, Möbel oder Kinderspielzeug. Auf diese Weise versucht er, viele Menschen mit seiner Kunst zu erreichen. Der Künstler fertigte außerdem Illustrationen zu zahlreichen biblischen Erzählungen an, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind. Diese Bilder illustrieren die "Otmar Alt Bibel", eine eigene Fassung des Neuen und Alten Testaments, ergänzt durch Deutungen des Theologen Klaus Altepost sowie durch eigene Reflexionen des Künstlers. Diese "Otmar Alt Bibel" überreichte der Künstler 2017 persönlich dem Papst in Rom.

Die neue Ausstellung zeigt Werke von Otmar Alt aus der Zeit der frühen 60er Jahre bis hin zu aktuellen Arbeiten. Extra für diese Ausstellung hat Alt auch einige Bilder als Hommage an André Evard gemalt.

Ausstellung "Otmar Alt – Lebenswege: Malerei. Grafik. Skulptur"; Samstag, 3. Februar, bis Sonntag, 27. Mai, in der Kunsthalle Messmer in Riegel. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Feste Führungen werden an jedem zweiten Mittwoch im Monat angeboten. Individuelle Führungen sind nach Voranmeldung möglich.

Weitere Infos auch unter http://www.kunsthallemessmer.de