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04. Juli 2014

Was Raketen antreibt

Ingenieure im Ruhestand wollen jungen Leuten im Museum Riegel Mathe und Physik nahebringen.

  1. Rüdiger Dollhopf erklärt den Schülern der Riegeler Michaelschule beim Besuch im Museum, wie die ausgestellte Raketentechnik funktioniert hat. Foto: Michael Haberer

RIEGEL. Das Archäologische Museum ist zum "Museum Riegel" geworden. Das Fehlen der Archäologie im Namen hat einen Grund. Den sehen die Besucher in den ausgestellten Triebwerken. Denn im Museum werden nicht nur die Hinterlassenschaften der Römer gezeigt. Es geht auch um Raketen. Um bei der modernen Technik am Ball zu bleiben, lässt sich das Netzwerk von Ingenieuren im Ruhestand, die sich um das Museum gebildet hat, immer wieder etwas Neues einfallen.

Im Museum steht ein neues, nicht ganz hüfthohes Gehäuse aus Aluminium und Karbon. Es ist an Rüdiger Dollhopf, den Schülern der Michaelschule die Geschichte dieses schlichten Ausstellungsstückes nahe zu bringen. Die Schüler waren am Montag im Rahmen der Projekttage im Museum. Gut 20 Schulklassen kommen jährlich in das Museum Riegel, sagt der Geschichtsvereinsvorsitzende Peter Ziegeler.

Was er da zeige, sei das Triebwerk einer Pilz-Rakete, sagt Dollhopf. Den Namen hat sie von deutschen Raketenpionier Wolfgang Pilz. Das Triebwerk hat Flugzeugingenieur Heinz Heller, der auch am Airbus mitgearbeitet hat und inzwischen auch Mitglied im Geschichtsverein Riegel ist, nach Originalplänen nachgebaut. Das Triebwerk mache aus, dass es so einfach ist, wie es aussieht, erklärt Dollhopf. Ein Kopf aus Aluminium sorgt über Einspritzlöcher dafür, dass die beiden Schub-Komponenten der Flüssigstoffrakete zusammenkommen. Nach dem Kontakt geht es ab. Die entstehenden Gase entweichen nach hinten. Eine Verengung des Gehäuses aus Karbon sorgt für zusätzlichen Schub. In einer Sekunde wäre die Rakete von Riegel bis Endingen geflogen, meint Dollhopf. Obwohl das Triebwerk so schlicht aussieht, habe es die Technik der europäischen Raketen bis in die ersten Typen der Ariane hinein geprägt, erklärt Dollhopf den Schülern.

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Und was macht ein Stück europäischer Rakete in einem Museum in Riegel? Eine Antwort darauf ist Dollhopf selbst. Er hat dazu die Kontakte hergestellt. Denn sein Vater gehörte zu den deutschen Raketenforschern, die nach der Nazi-Zeit von den Franzosen für ihre Zwecke angeheuert wurden und im "Ingenieurbüro Emmendingen" gearbeitet haben. Ein Ableger des Büros war die "Arche" in Riegel. Hier haben also auch Raketenforscher, die später an den Vorläufern der Ariane mitarbeitet sollten, getüftelt. Darauf ist der pensionierte Kernphysiker Wolfgang Trost gekommen. Dollhopf organisierte ein Treffen der Nachfahren jener Raketenforscher und in Riegel nutzte man die Vorlage und bestückte das Museum mit moderner Technik. Ausstellungstücke geben nun einen Einblick in die Antriebstechnik von Düsenflugzeugen und Raketen. Das Triebwerk Viking einer Ariane ist zur Zeit nicht in Riegel zu sehen. Der Leihgeber, das Luft- und Raumfahrtzentrum Lampoldshausen, stellt es gerade selbst aus. Also hat Heller ein Triebwerk nachgebaut. Ziel sei es, bei den Schülern Interesse für den Ingenieursberuf zu wecken, sagt Dollhopf. Das deutsche Ingenieurwesen brauche Nachwuchs. Deshalb sollten die Schüler von den Chancen mit Physik und Mathematik erfahren.

Autor: Michael Haberer