Rathauschef muss Tausendsassa sein

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Do, 07. Dezember 2017

Ringsheim

Am Dienstagabend hat Pascal Weber seinen Amtseid als neuer Bürgermeister von Ringsheim abgelegt / Schon am Vormittag im Amt.

RINGSHEIM. "So ein Bürgermeister ist ein Tausendsassa. Er kann Pizza und Eis essen, so viel er will, die Welt retten, an der Schule Hausaufgaben verbieten und vor allem bauen, bauen, bauen …". Diese Stellenbeschreibung gaben die Kinder in der Seelbacher Grundschulbetreuung dem Ex-Hauptamtsleiter im Seelbacher Rathaus per Videobotschaft mit auf den Weg nach Ringsheim. Seit Dienstagabend 19.52 Uhr ist der 40-Jährige vereidigter neuer Bürgermeister von Ringsheim.

Selbstredend nahmen nicht nur Seelbacher Grundschüler Anteil am Amtsantritt des neuen Chefs im Ringsheimer Rathaus, eine Hundertschaft von Ringsheimer Bürgern war eigens zur Verpflichtung Pascal Webers in den großen Sitzungssaal unterm Dach des Rathauses gekommen. Unter diese reihten sich auch Bürgermeisterkollegen aus dem Umland, darunter Webers früherer Chef, Seelbachs Bürgermeister Thomas Schäfer, SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner und Webers Amtsvorgänger und neuer Ehrenbürger der Gemeinde, Heinrich Dixa ein. Die Verpflichtung nahm Bürgermeisterstellvertreter Martin Weber vor. Er hatte zuvor die öffentliche Sitzung des Gemeinderats eröffnet und war aus der Mitte des Gremiums auch für den formalen Akt gewählt worden.

Er sei, so Martin Weber, nicht verwandt und auch nicht verschwägert mit dem neuen Rathauschef, weshalb er dem Bürgermeister den Amtseid auch abnehmen könne, stellte der Bürgermeisterstellvertreter fest. Unter herzhaftem Gelächter und Beifall der Anwesenden merkte er an, dass "Bürgermeister Weber sich einfach gut anhört". Der neue Rathauschef übernehme ein gut bestelltes Haus, allerdings auch mit großen Aufgaben, so Martin Weber. Einige seiner Stichworte: Graswegsanierung, Standort Feuerwehrhaus und Flüchtlingsheim, Ausbau der Fernwärmeversorgung. Mit einem Schmunzeln sprach er die Erwartungen von Gemeinderat und Bevölkerung an. Der neue Bürgermeister müsse geduldig wie ein Lamm, schlau wie in Fuchs, fleißig wie eine Biene und gesellig wie eine Ameise sein. Martin Weber: "Bisher ist das noch keinem gelungen".

In seiner ersten Rede im Amt appellierte Pascal Weber an die Gemeinsamkeiten und gemeinsame Interessen im Ort, die deutlich höher an Zahl seien als die wenigen Differenzen. Seine Amtsgeschäfte hatte er bereits am Dienstagmorgen um acht Uhr aufgenommen. "Nach einem für mich unüblich ausgiebigen Frühstück mit meiner Frau Tina. Bisher war es morgens bei einer Tasse Kaffee geblieben", so Pascal Weber.

Im Rathaus stand natürlich zunächst das Kennenlernen auf dem Programm und erste Besprechungstermine mit den Amtsleitern. Seine erste Anordnung? "Ich brauchte Din-A-5 Papier, um meine Antrittsrede ausdrucken zu können. Da ich nicht wusste, wo ich das finde, musste ich das Sekretariat bemühen", so der Bürgermeister.

Schon in den nächsten Tagen wolle er ein aktuell heißes Eisen in Ringsheim anpacken: Die Unterbringung von Flüchtlingen im Ort und den anstehenden Bürgerentscheid zum geplanten Standort für eine Flüchtlingsunterkunft in der Ruster Straße. "Die Bürger sollen vor dem Bürgerentscheid wissen, welche Konsequenzen aus einem Ja oder Nein zum Standort für die Gemeinde erwachsen. Ich will auch einen Plan B haben, sofern ein Nein zum Standort das Ergebnis sein wird. Und die Bürger werden diesen Plan B auch vor dem Bürgerentscheid inhaltlich kennen", versprach Weber gegenüber der Badischen Zeitung.

Als noch größere Herausforderung sieht Pascal Weber derweil die Integration der Flüchtlinge im Ort. Diese Aufgabe bleibe, gleich wo und wie Flüchtlinge untergebracht sein werden. Weber: "Hierbei zähle ich auf die Unterstützung der Ringsheimerinnen und Ringsheimer – auf alle".