Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. November 2009 20:47 Uhr

Untergrund

Risse in Staufen: Ist die Bohrfirma schuld?

Die Altstadt von Staufen hebt sich ungebremst weiter. Doch Bürgermeister Michael Benitz meint endlich zu wissen, wen er dafür verantwortlich machen kann, dass nach Sondierbohrungen für Geothermie im September 2007 der Untergrund durch eindringendes Grundwasser aufquillt.

  1. Immer noch wachsen die Risse in Staufens Altstadt. Foto: dpa

Die Bohrfirma habe die Bohrlöcher mit dem falschen Zement abgedichtet. Das Geologische Landesamt, auf dessen Gutachten sich Benitz beruft, urteilt vorsichtiger.

Die Zurückhaltung des Geologischen Landesamts ist nachvollziehbar: Bei der Suche nach den Verantwortlichen für die Risse an den inzwischen 227 beschädigten Häusern in Staufen ist das Amt auch selbst immer wieder einmal ins Visier geraten. Angeblich habe es den Untergrund, vor allem die gefährlichen Anhydritschichten (ein Gestein, das aufquillt, wenn Wasser eindringt), nicht eingehend genug untersucht.

SONDIERBOHRUNGEN FALSCH ABGEDICHTET?

Ralph Watzel, Chef des Landesamts innerhalb des Freiburger Regierungspräsidiums, will deshalb auch keine Rückschlüsse aus dem Gutachten ziehen, das Anfang des nächsten Jahres veröffentlicht werden soll. Nur so viel: Die Arbeitshypothesen, mit denen man die Untersuchungen im Staufener Untergrund gestartet habe, seien durch die Messwerte an keiner Stelle widerlegt worden. Und diese Hypothesen waren: Es besteht der Verdacht, dass die Sondierbohrungen falsch abgedichtet seien; und das Wasser kommt an Stellen vor, wo man es eigentlich nicht erwartet hätte.

Werbung


So stellte sich heraus, dass die 140 Meter tiefreichenden sieben Sondierbohrungen in ihrem Verlauf um bis zu 20 Meter aus der Lotrechten abweichen – was bei solchen kurzen Bohrungen ungewöhnlich viel erscheint. Ob aber zu viel, ist schwierig zu beurteilen: Andere geothermische Bohrungen wurden bisher nie daraufhin überprüft.

Bei den Erkundungsbohrungen war zudem zufällig eines dieser ausbiegenden Bohrlöcher getroffen worden. Die Analyse des Zements in der Bohrwand ergab, dass dessen mineralogische Zusammensetzung nicht dem entspricht, was der Bohrfirma im Auftrag der Stadt Staufen vorgegeben worden war: Das Material ist angeblich nicht gegen Schwefelsäure beständig.

KLAGE GEGEN DIE BOHRFIRMA?

Ob das nun die eine entscheidende Ursache für die Hebung der Staufener Altstadt ist, durch die bisher ein Schaden von mehr als 40 Millionen Euro an den Häusern entstanden ist? Benitz ist davon überzeugt und lässt prüfen, ob die Stadt die Bohrfirma und die planende Firma verklagen soll. Es gebe kein Indiz, das gegen deren Verantwortung spreche, sagt er – auch wenn der letzte wissenschaftliche Beweis noch fehle.

Den werde es erst geben, wenn die seit Anfang November laufende Absenkung des Grundwasssers im betroffenen Bereich erste Ergebnisse zeige. Demnächst wird auch mit der Sanierung der Sondierungsbohrlöcher in einem völlig neuen technischen Verfahren begonnen, das bisher nur in der Grube Clara bei Wolfach erprobt worden ist. Noch aber treiben das Wasser und der Anhydrit Staufen in die Höhe – jeden Monat um einen Zentimeter.

Autor: Wulf Rüskamp