Münsteraner Band

Messer in Freiburg: Zwei Gigs an einem Tag

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Di, 22. April 2014 um 00:00 Uhr

Rock & Pop

Die Münsteraner Band Messer trat zweimal an einem Tag in Freiburg auf: Beim Ladenkonzert im Flight 13 und im Slow Club. Dabei zeigt sich, wie unterschiedlich eine Band doch klingen kann.

Wie verschieden eine Band doch klingen kann, wenn sie an verschiedenen Orten spielt, ihre Musik in neue Kontexte stellt und dabei den Mut hat, ihren eigenen Sound auszuloten. Messer aus Münster haben ihn.

Die Band hat im vergangenen Herbst einige Aufmerksamkeit bekommen für ihr neues, zweites Album "Die Unsichtbaren". Zehn Stücke sind darauf, über das Verschwinden in der Nacht und unter dem Staub, das Anbrechen eines neuen Tages und das Hereinbrechen des Lichts. "Irgendwo zwischen vier Uhr nachts und dem neuen Morgen/kommt ein Traum mit ganz viel Macht/Er stammt aus meinen Sorgen": Sänger Hendrik Ortremba schreit solche Zeilen mehr, als er sie singt. Die Musik erinnert an britische Bands wie The Cure, mit atmosphärischen Gitarrensounds und hypnotischen Bass- und Schlagzeugfiguren, welche die Dringlichkeit der Stücke unabweislich machen. Dazwischen hat Produzent Tobias Levin, in dessen Hamburger Studio Messer das Album aufnahmen, viel Raum gelassen. Musik, in die man hineingehen kann, um dem sängerischen Ich zu begegnen.

In Freiburg macht sich Ortremba erstmal ganz klein. Am Samstag war wieder Record Store Day, der weltweite Tag der unabhängigen Plattenläden. Bei Flight 13, dem Freiburger Laden für Punkrock, Indie und alles Angrenzende, gibt es dann immer Kurzauftritte. Messer bestreiten ihren in einem Stück: eine halbe Stunde lang ein durchgehender, organischer Rhythmus, dazu eines dieser dominanten Bassmotive wie von Joy Division. Und kauernd zwischen den Musikern stößt der Sänger Zeile um Zeile aus seinem Textideenbuch hervor. Weil man nicht weiß, wo er ankommen wird, die Musik ihn aber kraftvoll trägt, bleibt die Spannung die ganze Zeit erhalten, wird der Auftritt zu einer Reise, die die Gruppe und das Publikum von Ort und Zeit löst.

So etwas haben Messer zuvor noch nie gemacht, berichtet am Abend der Perkussionst im Slow Club, wo die Band dann ihr richtiges Konzert gibt. Von der Radikalisierung des offenen Sounds von "Die Unsichtbaren" kehren Messer dort zum verdichteten Sound ihres Debütalbums "Im Schwindel" zurück, zum lauten Postpunk-Rock. Der keine Abwendung von der Welt ist, sondern eine Anklage. Auch das ist Messer-Musik, durch die Ortembas scharfe Stimme hindurchschneidet.

Am Ende des Sets, vor den Zugaben, geht aber alles zusammen: In dem Stück "Gassenhauer" gibt es eine längere Instrumentalpassage, Messer werfen sich in die Musik, die Zuschauer werden mitgezogen. Ehe Ortemba wieder vom Verschwinden singt, von einem Mann, der herumstreunt, "durch die Gassen dieser Nacht". Von der Gemeinsamkeit zur Einsamkeit, auch das ist immer wieder verschieden bei Messer.