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29. November 2012

„Freiburg Tapes“ im Jazzhaus

Eine blinkende Live-Jukebox

Die sechste Folge der Sampler-Reihe "Freiburg Tapes" wird heute im Jazzhaus präsentiert.

  1. Foto: Promo

  2. Mit Deichkind-Touch: Kreissäge & Breakpete Foto: Promo

  3. Zum dritten Mal dabei: The Cornerstones Foto: PRO

  4. Setzen einen exotischen Akzent: Accent Grave Foto: Bernd Schumacher

Das Kellergewölbe des Freiburger Jazzhauses wird heute Abend zur Jukebox. Ein knappes Dutzend Bands präsentieren ihre besten drei Songs im Zeitlimit von 15 Minuten. Alle sind sie vertreten auf dem gerade erschienenen Sampler "Freiburg Tapes Volume 6". Ein Jahrgang dieses Szene-Querschnitts mit einem auffallend breitgefächerten stilistischen Spektrum. Dies verspricht für das heutige Release-Konzert den Wirbel eines Festivalabends statt einer beschaulichen CD-Taufe.

Die ersten Freiburg Tapes erschienen vor zehn Jahren. Die Freiburger Musikerinitiative Multicore hatte die Idee eines Songcontest in einem zweijährigen Turnus, aus dem mit Hilfe des Kulturamtes der Stadt eine CD hervorgeht. So wird förderungswürdige Musik unterstützt und über Jazzhaus Records veröffentlicht.

Bewertet werden die Songs anonym. Es ist eben nicht der Bekanntheitsgrad eines Bandnamens ausschlaggebend, sondern einzig und allein die siebenköpfige Jury, die die eingereichten Hörproben bewertet. Aus knapp 40 Einsendungen schafften es dieses Mal 13 Bands und Musiker auf die Scheibe. Alles unter der Bedingung, dass ein Bandmitglied in Freiburg gemeldet ist oder aus dem Umkreis von 25 Kilometern stammt.

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Auffällig und erfrischend an der neuesten Ausgabe ist die stilistische Bandbreite. Kreissäge & Breakpete eröffnen den Sampler mit "473 Tage ohne Schlaf" und einem treibend basslastigen Deichkind-Touch, der sich wirklich, wie sie selber rappen, gewaschen hat. Verblüffend für die ehemals Rock/Pop-lastige Sampler-Reihe klingt außerdem der Sound von Accent Grave: "Leipzig" ist ein herausragendes Instrumental-Stück mit Lounge-Charakter und dem exotischen Hang-Klang. Mark Zanders "Generation of the Free" bringt plötzlich sauberen Pop-Funk zum Vorschein. Kurz darauf driftet der Hörer in ehrliches Grunge-Rock-Gebiet mit dem Trio The Second. Die einstigen Buddah Woofaz heißen jetzt Zweierpasch und lösen die Verzerrer mit zweisprachigem Rap ab.

Noch bunter kann es kaum werden? Von wegen, denn jetzt buhlen die Ska-Punks von No Authority, die schon 2008 auf den Freiburg Tapes vertreten waren, um die Gunst der Hörer. The Cornerstones sind schon zum dritten Mal am Start – kein Wunder, es ist ja Classic Rock vom Feinsten, in Schussrichtung The Darkness und Danko Jones. Buttercup Society sind eine Art "Supergroup" der Freiburger Szene. Gepflegten Deutschrock im Stil von Rio Reiser und Tocotronic bekommen wir von Neo Rodeo sowie der Combo Sie werden uns finden. Der Solo-Künstler Timbo erinnert an den Sänger von Blur, getragen von einem Simply-Red-Klavier. Nach der Karamellstimme von Linda Tang und ihrer versierten Band liefern Kerosene zum Abschluss ein hartes Alternative-Brett.

Zehn Jahre und mindestens zehn Genres! Dynamisch ist dem nichts mehr hinzuzufügen. Dass die Freiburger an sich ein farbenfrohes Völkchen sind, ist den meisten schon aufgefallen. Dass es sich in der Musikszene spiegelt, ist erfreulich. Es wird heute bunt, eben eine blinkende Live-Jukebox.
– CD: Freiburg Tapes Volume 6 (Jazzhaus Records), für 11,50 Euro erhältlich im CD-Center Freiburg, ebenso wie die vorherigen Folgen der CD-Reihe. Release-Konzert: Freiburg, Jazzhaus, heute, Do, 20 Uhr.

Autor: Jens Großkreuz