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09. April 2014

Unbekannter Meister

John Law spielt mit seinem Congregation Trio in Lörrach und Badenweiler.

  1. Unkonventioneller Jazz-Pianist: John Law Foto: Promo

Obwohl er hierzulande kaum bekannt ist, gilt der Brite John Law als einer der innovativsten Pianisten Europas. Am Wochenende kommt er mit seinem Congregation Trio nach Lörrach und Badenweiler.

Mit vier spielte er bereits Klavier, im zarten Alter von sechs Jahren gab John Law sein erstes öffentliches Konzert. Stets von seiner Mutter, einer Wiener Konzertpianistin und Klavierlehrerin, angeleitet, studierte er später klassisches Klavier an der Royal Academy of Music in London. Anschließend erhielt er ein Stipendium für das Studium beim berühmten Alfred Brendel in Wien. Doch mit der Klassik war 1986 im Alter von 23 Jahren abrupt Schluss. "Ich hörte Jazz und dachte, das ist es. Hier konnte ich alles machen – Klavier spielen, neue Musik entwerfen – all das war auf einmal möglich", erinnerte er sich. Gefehlt hatte ihm die Möglichkeit, Eigenes zu gestalten und zu entwerfen. Wichtig war, wegzukommen von bloßer Interpretation. Sein Freund Keith Tippett, ein international stark beachteter Pianist des freien Jazz, legte Law nah, sich zu entscheiden, ob er, griffig formuliert, "Curator or Creator" sein wolle.

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Obwohl Klassik "meine erste Liebe und immer noch tief in mir ist", wie er bekennt, entschied er sich für das freie Experiment. Jenseits der Jazztradition, zu der er nach wie vor Distanz hält, umgab er sich mit Exponenten frei improvisierter Musik wie seinen Landsleuten Jon Lloyd, Evan Parker und Barry Guy. Doch anfangs der 90er Jahre hatten sich diese Experimente, die vom Free Jazz über Bop bis zu modernen Kompositionen gingen, totgelaufen. Es folgten Gruppen mit dem südafrikanischen Schlagzeuger Louis Moholo, wo Elemente der Weltmusik integriert wurden.

Doch John Law wollte mehr und entdeckte alte Musikstile wie Mittelalterliches oder die Renaissance. "Dies Irae" zum Beispiel, jener liturgische Bestandteil der lateinischen Totenmesse, seit dem 13. Jahrhundert melodisch fixiert und von Mozart bis Verdi immer wieder im Requiem verarbeitet, diente dem Pianisten als Rohmaterial für Reflexionen und Improvisationen. Es sind diese beiden musikalischen Grundorientierungen, die John Law in ein produktives Spannungsverhältnis setzt und die seine Musik in Spannung halten. Er mischt gern klassische Harmonien mit Jazzelementen, spricht dabei vom "Voodoo-Element", dem repetitiven Rhythmus und Groove, den eben die klassische Musik nicht besitzt.

In den vergangenen Jahren arbeitete Law an Konzepten, die er unter dem Begriff "The Art of Sound" fasste. Dokumentiert auf zwei Solo- und zwei Trio-Alben unternahm der Pianist weitreichende Experimente, die mit beibehaltenem Formbewusstsein aktuelle Trends aufgriffen. Er dekonstruierte Jazzstandards wie "It Could Happen To You" oder Monks "Straight No Chaser", nahm Folk und Pop von Nick Drake bis Sting ins Visier, reflektierte Brad Mehldaus lyrische bis groovende Auslassungen. Mit so manchen "People’s Other Tunes", von ihm "Opt" genannt, setzte John Law Zeichen. Nach wie vor freilich sind seine Stücke, die vielfach spontan dem Prozess des Musizierens entspringen – im Jazz wird diese Methode "Instant Composing" genannt – von Johann Sebastian Bach, den er, bis heute immer gern spielt, von gregorianischen Gesängen, Esbjörn Svensson oder von Richard Wagner inspiriert. Die auch mal an einer barocken Suite orientierten Kompositionen ähneln oft Abfolgen von aufeinander abgestimmten Themen. Die Improvisationen sind den Stimmungen angeglichen, unterkühlt, cool, verhalten. Sie sind stets jazzgerecht ausgerichtet, spannend anzuhören, allerdings ohne den letzten solistischen Schliff. Kontrapunktisch werden rockige Gesten gesetzt, Klangexperimente mit Keyboards und Elektronik, mit Glockenspiel und Hang angegangen. Selbstredend ist John Laws Congregation Trio vom konventionellen Jazzklavier-Trio weit entfernt. Romantische Balladen und kraftvoller Rock liegen nah beieinander.

Termin: Lörrach, John Laws Congregation Trio, Burghof, Sa, 12. April, 20 Uhr; Info: BZ-Kartenservice Tel. 0761/4968888 (und: Badenweiler, Kunstpalais, So, 13. April, 11.15 Uhr)

Autor: Reiner Kobe