Alles auf Alemannisch

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

Do, 21. Dezember 2017

Rock & Pop

Die "Knaschtbrüeder" Jeannot und Christian Weißenberger rocken mit alemannischen Liedern – jetzt ist ihre vierte CD erschienen.

Geplant war das nicht: Dass der glühende Rolling-Stones-Fan Jeannot Weißenberger (65) zumindest im Landkreis Lörrach einmal ähnlichen Kult-Status genießen würde wie seine Idole. Und das mit Liedern in alemannischer Sprache, zur Gitarre gesungen im Duett mit seinem "kleinen" Bruder Christian (44). Knapp vor Jahresende haben die Weißenberg-Brüder ihre vierte CD herausgebracht: "Alles in de Finke" ist eine Sammlung von 13 neuen Liedern im kernigen Hochalemannisch, alle aus der Feder des in Lörrach-Stetten geborenen, in Wieslet im Kleinen Wiesental aufgewachsenen Grafikers und Mediengestalters Jeannot Weißenberger. Sein Grafikstudio hat er im ehemaligen Gefängnis in Schopfheim. Deshalb heißt das Duo "D’Knaschtbrüeder".

Wenn auch ohne Plan ist die Erfolgsgeschichte der zwei Buben aus dem Wiesental kein Zufall. Wie unzählige andere Jungs seiner Generation hat sich Jeannot Weißenberger mit einer damals so bezeichneten "Schlaggitarre" abgemüht, die Akkorde seiner Vorbilder am Radio herauszufinden. Bruder Christian war damals noch gar nicht auf der Welt. Statt Rock- spielte er dann Tanzmusik mit den "Harlekins" und erst als diese Formation aufgelöst wurde, kam in den 1990er Jahren der alemannische Liedermacher zum Vorschein. Es war zu früh für den Abschied von der Bühne und Bruder Christian nun alt genug, um mitzumachen. Zudem gab es die alemannischen Lieder von Otto Bürgelin, und die machten die Weißenbergers mit Auftritten auf Kleinkunstbühnen, in Festzelten und Wirtschaften und der ersten CD im Jahr 2000 zu Wiesentäler Hits: "Adelhuuse" – die Ballade vom verschlafenen Ringerdorf auf dem Dinkelberg, das "Belchelied" oder die "Mikrowelle", in der der Vater Benzin kochte. Dazu kamen eigene Kompositionen, witzige, ironische und treffende Beobachtungen im Alltag. Vom lästigen "Doddeliwädder" über 15 Grad Celsius, einer Fahrt nach "Bölle" bis hin zum Gassenhauer "Isch de Hai dehei(m)?". Knapp 18 Jahre nach der ersten Scheibe ("Doppelherz") sind die Lieder nachdenklicher geworden. "Alles in de Finke" heißt indirekt auch: Der Rocker trägt jetzt Hausschuhe statt Stiefeletten. Im Alter dominiert die Erinnerung an vergangene Zeiten: an die nächtlichen Eskapaden der Väter auf dem Motorrad "in de Finke", an die behütete Kindheit im "Grenzweg Nr. 3" in Stetten.

Kurzballaden wie "Grüeni Heimet" und "Hinterhag" sind liebevolle Landschaftsbilder des ländlichen Raums zwischen Belchen, Blauen und Wiesental. Malen und Zeichnen auf Papier ist Jeannot Weißenbergers Beruf und Talent, seine "Männli" für Karikaturen und Illustrationen haben eine unverkennbare Handschrift. Seine dichterischen Qualitäten hat er auch als Herz und Seele des Schopfheimer Zunftabends seit 1999 treffsicher unter Beweis gestellt.

Alemannisch ist im Wiesental noch Alltagssprache, auch wenn "von der Rohmatt bis in d’Nonnematt" die Zeit nicht stehengeblieben ist, nicht mehr auf jedem "Mättli" Kühe weiden. Auch weil der Wiesentäler sein Geld nicht mehr im Stall, sondern in den Fabriken der Pumpen- und Messtechnikindustrie verdient. Und dabei fließend Englisch und Hochdeutsch kann. Zwangsläufig verändert sich so die Sprache, aus "z’Morge" wird Frühstück und aus "Grumbiere" Kartoffel. Einer großen Fangemeinde gefällt es trotzdem oder grad drum, wenn die "Knaschtbrüeder" ihrem Muttersprachwitz freien Lauf lassen.

"Alles in de Finke": Jeannot & Christian "D’ Knaschtbrüeder". Dreizehn Lieder.
Vertrieb über: http://www.knaschtbrueder.de