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19. Februar 2008 07:11 Uhr
Dr. Pops DSDS-Sprechstunde (I)
Deutschland sucht den Superstar: Das Kuriositätenkabinett
RTL und Chefjuror Dieter Bohlen suchen wieder Deutschlands nächsten Superstar. Dr. Pop beobachtet das Geschehen und seziert die Castingshow in den folgenden Wochen für Badische-Zeitung.de. Lesen Sie hier seine erste Diagnose.
Was hat DSDS mit der Fußball-WM zu tun? Spannend wird beides erst in der K.O.-Runde. Dr. Pops Diagnose: Das sich gerade formierende Kuriositätenkabinett der Castingshow kann Großes leisten – vor allem für die Quote von RTL.
Was beim Fußballturnier die Gruppenphase, ist bei "Deutschland sucht den Superstar" die Vorauswahl: Favoriten, Außenseiter, Geheimtipps treffen aufeinander – und am Ende entscheidet der Schiedsrichter. Der Unterschied: Der gemeine Nationalspieler trifft mehr Töne seiner Landeshymne als 99,9 Prozent der DSDS-Bewerber beim Vorsingen. Immerhin: Besonders grandios gescheiterte Kandidaten der Fernsehshow dürfen sich öffentlich vorführen lassen. Besser eine traurige Berühmtheit als gar keinen Ruhm.
Nach wochenlangem Geplänkel steuert DSDS auf die K.O.-Runde zu. 30 Bewerber sind noch dabei. Die Hälfte wird am Samstag in den Berliner Hansa-Studios ausgesiebt. Dort wartet auf die Kandidaten eine wirklich harte Prüfung: Wo David Bowie, U2 und Depeche Mode wegweisende Alben aufgenommen haben, müssen sie ein Lied von und mit Chefjuror Dieter Bohlen singen. Wer das übersteht, den kann nichts mehr schrecken.
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Auch dem Sender RTL dürfte nicht bange sein. Das Kuriositätenkabinett namens DSDS verspricht Quote. Der Cast aus Schicksalsgeschlagenen, Randgruppen und Goldkehlchen würde einer Seifenoper alle Ehre machen: Kims Debkowskis Mutter hat einen Gehirntumor. Benni Kieckhäben ist schwul und Friseur. Kevin Rebstock hat Übergewicht. Sarah Kreuz ist Sinti und mit dem eifersüchtigen Fendo verlobt. Holger Göpfert gibt den linkischen Bierbauch mit dem Zeug zur Kulturfigur – und Ursula James hat sogar die Hochzeit ihrer Schwester saußen lassen, um bei DSDS dabei zu sein.
Dr. Pops traurige, aber wahre Prognose des weiteren Verlaufs der Fieberkurve: Kandidaten wie der sympathische Holger, die süße Kim oder der dicke Kevin sind nur dabei, weil Reality Soaps von Identifikationsfiguren leben. Um den realen Plattenvertrag buhlen echte Talente wie der Tellerwäscher Dominik Büchele aus Kappel-Grafenhausen oder Boyband-Veteran Marc Jentzen. Alles andere wäre eine Sensation, die allen Erkenntnissen der angewandten Casting- Lehre widersprechen würde.
Sprechstunde: Sie haben noch Fragen an Dr. Pop? Dann senden Sie eine E-Mail an die Adresse community@badische-zeitung.de
- Reaktion von Mr. Couch, Potatoe:
Hallo Dr. Pop,
vielen Dank für die Beschreibung der Casting Show in Ihrer DSDS-Sprechstunde (I). Jetzt bin ich endlich schlauer. Weiß ich doch nun, dass ich mir als übergewichtiger Zeitgenosse die Shows nur anschaue, weil ich dort eine Identifikationsfigur gefunden habe. Danke, danke, danke!
Bisher war ich nämlich immer der Meinung, dass ich mir die Sendungen (unregelmäßig) anschaue, weil ich nach einem harten Arbeitstag keine Lust mehr habe, mir hochkulturelle Kost anzutun, sondern viel mehr einfach nur Unterhaltung suche.
Wohlwissend, dass genau das auch das Ziel der Produzenten ist: den Zuschauern Unterhaltung zu bieten (und dabei zu Recht gutes Geld zu verdienen). Und bisher ging ich auch davon aus, dass die Teilnehmer sehr wohl wissen, was sie erwartet. Gewinnen wird am Ende dabei doch jeder:
- Die Produktionsfirma an Materiellem
- der Zuschauer an Spaß durch Unterhaltung
- die Teilnehmer entweder durch Plattenverträge, oder aber an Erfahrung.
Und schließlich wissen wir doch alle, dass die bittersten Erfahrungen manchmal die lehrreichsten sind, oder? Das Leben ist eines der härtesten...und endet meistens tödlich (außer man gewinnt DSDS - das macht unsterblich)!
Ihr Mr. Couch, Potatoe
Antwort Dr. Pop:
Sehr geehrter Couch, Potatoe:
Ich habe ja die letzten Jahre auch das ein oder andere Pfund drauf gepackt, weigere mich aber beharrlich, den Kampf um Bundweite 33 aufzugeben. Also kein Dicken-Bashing meinerseits.
Ob das singende, später knebelvertragsgebunde Talent das wirklich so versteht - ich hoffe es. Auch beim jungen, mit dem Handy bewehrten Publikum, dass in den Mottoshows sein Taschengeld vertelefoniert, habe ich meine Zweifel.
Ab Folge II gibt es dann aber keine Grundsatzreden mehr, sondern das pralle Leben aus Bohlenhausen.
Mit poppigen Grüßen
Dr. Pop
- Das Fotoalbum der Sänger und Bands aus der Retorte: Deutschland, deine Castingstars
Autor: Dr. Pop
