Gipfeltreffen der Trommelmeister

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Mi, 11. Januar 2017

Rock & Pop

Vier Frame Drum-Koryphäen konzertierten jetzt gemeinsam im Freiburger E-Werk als "Masters Of Frame Drums".

An all diese vier knüpfen sich durch Auftritte bei diversen Tamburi-Mundi-Jahrgängen bereits besondere Erinnerungen. Denn die vier "Masters Of Frame Drums" stehen für ganz verschiedene Handschriften: der Italiener Andrea Piccioni mit seinem aus der Tamburello-Tradition gespeisten Spiel, Zohar Fresco, die nahöstlichen mit türkischen und indischen Farben tönend, Murat Coskun, der die Quelle der Sufi-Rhythmen zu zeitgemäßer Inspiration anzapft, und der Amerikaner Glen Velez, seit Jahrzehnten Doyen einer auch schamanisch eingefärbten Trommelkunst. Auf seine Initiative hin geschah es auch, dass diese vier nun ihre Schöpferkraft vereinigt haben. Nach kurzer Probenphase in Italien sind sie derzeit zum ersten Mal gemeinsam auf Tournee, und die Premiere wurde selbstredend im Frame-Drum-Mekka Freiburg gefeiert. Im vollbesetzten E-Werk konnten die Zuhörer zum Jahresauftakt gewissermaßen eine Quadrophonie der Trommelkunst genießen, mit durchgängiger Virtuosität und vielen Überraschungen im Detail.

Natürlich lebt die gesamte Performance, solistisch wie in Ensemble-Konstellationen, von den charakterlichen Facetten der Ausführenden, von ihren verschiedenen Persönlichkeiten, die sich auf Fell, Schellen und Holz übertragen. Glen Velez als Senior im Quartett pflegt ein souveränes Orchestrieren von Schnipsen, Schlagen und Flattern, sein Spiel ist physisch und viril, und über der ausgefeilten Partitur entfaltet er einen dunkel glühenden Obertongesang.

Ganz anders Andrea Piccioni, der seine kleine Schellentrommel mittels Verstärkung zu einem bauchigen Monster macht, sein Sound ist faszinierend ledrig, und er ist imstande, fast schon schalkhaft groovende Melodien aus dem Fell zu zaubern, die zwischen Tarantella-Verweisen und Latino-Einflüssen schillern. Seinem Ruf als "Derwisch der Rahmentrommel" wird Murat Coskun gerecht, wenn er die große, mit Eisenringen behängte Daf einen Schütteltanz vollführen und sie dann in explosiven Ausbrüchen, Blitzeinschlägen gleich, ausscheren lässt.

Die Offenbarung des Abends der von der Türkei nach Israel emigrierte Zohar Fresco: ein Feinmechaniker, der Präzision mit Seele vereint. Er herrscht nicht über seine Frame Drum, seine filigranen Finger sprechen vielmehr mit ihr, er kann sich aus einem komplizierten Neuner-Rhythmus mit verblüffend freier Improvisation herauslösen. Zudem schwingt in seiner Stimme tiefe Sanftmut. Auch im gemeinsamen Spiel spannen die vier Meister einen weiten Bogen von humoresken Anteilen bis hin zu rituellem Ernst. Wie sich dabei aus einem "Hummelflug", der durch Reiben des Fells entsteht, aus nur scheinbar metrischer Willkür über Minuten eine packende Ordnung in einem ungeraden Rhythmus schält, lässt die Zuhörer staunen. Oder wie Coskun im Neunachteltakt auf dem Hang gegen die unerbittliche Armada marschartiger Unisono-Wirbel seiner drei Mitspieler besteht.

Als die Rahmentrommeln einmal komplett beiseite gelegt werden, übernimmt ein ein synkopisches Uhrwerk aus Sandkästchen, Rasseln, Löffeln und Klappern die Regie, gekrönt durch eine Einlage in rhythmischer Silbensprache: "Mandala" hat Piccioni dieses perkussive Scherzo genannt. Überraschungen bergen auch die Zweierpaarungen: Da begegnet Coskun mit einem fast schon akrobatischen Aufbau aus drei gestimmten Drums dem ornamentalen Folkgesang von Fresco. Und Piccioni und Velez liefern sich auf den Schellentrommeln eine hell-klackernd und sonore Zwiesprache – wie das Gespräch zwischen einem Vater und seinem Kind.

Das Finale schließlich stellt die arabische Riqq in vierfachem Aufgebot in den Fokus: Einer der Meister gibt eine Spielfigur vor, die die anderen wiederholen müssen – was humorvoll endet, denn zum gewagten Looping-Wurf der Trommel kann Coskun seine Kollegen nicht animieren. Mit einem nachsinnenden, zarten Lied aus Frescos Kehle über verhaltenen, dunklen Beats klingt das fulminante Gipfeltreffen aus.

Weiteres Konzert: 14. Januar, 10 Uhr, Basel, Musikakademie.