KRITIK IN KÜRZE

Udo Andris

Von Udo Andris

Sa, 24. Oktober 2015

Rock & Pop

Void Vision im Freiburger Slow Club

Gelungen, wie hier optische und akustische Inszenierung einander bedingen, wie wavige Eleganz, auch Vamp-Image zu anregender Kongruenz finden. Als vor einigen Jahren ein Synthi-Pop-Revival einsetzte, war Shari Vari alias Void Vision mit dabei. Im Freiburger Slow Club demonstriert die Sängerin und Elektronikerin aus Philadelphia mit einem beachtlichen Solo-Auftritt ihre singuläre Position innerhalb dieses Genres. Ihr Minimal Wave speist sich aus einigen Quellen: EBM (Electronic Body Music), New Romantic à la Human League, Dark Wave. Als besonders starken Einfluss nennt sie Kraut-Elektronik, vor allem Kraftwerk. Aber auch Depeche Mode: Ambitionierte Songs treffen auf moderne (Musik-)Technologie. Und all diese Erfahrungen fusioniert diese talentierte Musikerin zu einem identifizierbaren Personalstil. Auch optisch reizvoll, wie sie auf der Bühne souverän über ihre Sequenzer und Synthesizer verfügt, tanzbare Beats mit aufleuchtenden Sound-Girlanden, dichten Tonketten und jagenden Minimalismen kombiniert. Ihr Gesang besitzt ein weiches Timbre, hält die Balance zwischen melancholischer Zurücknahme und kräftigerem Duktus. Und es hat einfach Klasse und Charme, wie die sympathische Künstlerin mit raschen Bewegungen ihr Instrumentarium kontrolliert, dazu ihre Texte intoniert und nebenbei sich einen angemessenen Zug aus ihrem Longdrink gönnt. Das ist wahre Simultaneität! In Void Visions Wunderland der Elektronik gibt es viel zu entdecken. Ein intensiver Abend.