KRITIK IN KÜRZE

Udo Andris

Von Udo Andris

Fr, 18. Dezember 2015

Rock & Pop

Box and the Twins im Freiburger Slow Club

Aufregend und beruhigend zugleich, wie überwunden geglaubte (musikalische) Konzeptionen nach wie vor Sogwirkung zu entwickeln vermögen, das Faszinosum eines Sounds die Dekaden überdauert. Die besten Momente, die stilbildenden Eigenheiten des New Wave beispielsweise besitzen durchaus auratische und "klassische" Qualitäten. Dennoch sind Renovierung und Verjüngungsprogramme notwendig, um Genres nicht in den Museumsarchiven verschwinden zu lassen: Box and the Twins gelingt dies tadellos. Das junge Trio aus Köln verknüpft die charakteristischen Stilmittel des Wave mit einer aktuellen Soundgrammatik: Livehaftige Instrumente und Computer, analoge und digitale Techniken fügen sich zu einer homogenen Einheit. Box von Dü (Gesang, Laptop), Mark Prein (Gitarre) und Mark Reichel (E-Bass) überraschen im Freiburger Slow Club mit einem düsteren Dream Pop und Neigung zu melancholisch-verhangenen Innen-und Außenwelten. Die Frontfrau verfügt über eine weiche Altstimme, gibt den Songs via Elektronik markante Beats und farblich geschmackvolle Grundierungen. Der Mann am Bass sichert mit anregend knorrigen Ostinati, der Gitarrist füllt und weitet den Raum mit glitzernden Notenströmen. Naturgemäß wehen in diesem Dark Pop auch Erinnerungen an Joy Division, Siouxsie And The Banshees, Malaria , The Cure... Doch Box and the Twins transformieren eben gekonnt die Essenzen der 80er ins Hier und Heute, nutzen die Infrastrukturen zeitgenössischer Popmusik.