Lustvolles Bekenntnis zum Wohlklang

Udo Andris

Von Udo Andris

Di, 12. Dezember 2017

Rock & Pop

Markus Stockhausen und Florian Weber traten im Forum in Merzhausen auf.

Sicher eine Möglichkeit, nicht nur zu einem weit aufgefächerten musikalischen Ausdruck zu gelangen, sondern auch dem enormen väterlichen Schatten zu entkommen, um ein selbstbestimmtes künstlerisches Leben zu führen: Auch wenn Markus Stockhausen schon seit Mitte der 1970er Jahre in den Ensembles seines berühmten Vaters Karlheinz Stockhausen spielte und dieser auch Werke, Solopartien für den Sohn schrieb – unter anderem das Quasi-Trompetenkonzert "Michaels Reise um die Erde" aus der Komposition "Donnerstag aus Licht" – so entschied sich Markus Stockhausen immer wieder für den zeitgenössischen Jazz und für die improvisierte Musik.

Über welche Brillanz und improvisatorische Einbildungs- und Gestaltungskraft dieser Trompeter/Flügelhornist verfügt, bekräftigte er nun einmal mehr bei einem begeistert aufgenommenen Konzert mit dem Pianisten und Duopartner Florian Weber im gutbesuchten Forum in Merzhausen. Zu goutieren ist ein hochkonzentriertes, dabei von sympathischer Emotionalität und Kommunikationsfreude geprägtes Duo, das den Terminus "Jazz" eher recht großzügig auffasst und scheuklappenfrei weitet: Jazzelemente vereinen sich hier mit Spieltechniken klassischer Musik, Formstrenge verbündet sich mit einem lustvollen Bekenntnis zum Wohlklang und hochmelodischen Bewegungen, kantablen Momenten.

Bezwingend an diesem Abend das glanzvolle und klischeefreie Spiel des Instrumentalisten und Improvisators Markus Stockhausen. Die strahlende Attacke überzeugt ebenso wie die weicheren Formen und gedeckten Farben. Vor allem auf dem Flügelhorn verblüfft dieser unprätentiöse Virtuose mit runder Tonbildung, mit Fülle und auch mit introvertierter, lyrischer Linienführung. Duopartner Florian Weber – der schon mit Albert Mangelsdorff und dem amerikanischen Altsaxophonisten Lee Konitz arbeitete – gewinnt mit seiner facettenreichen Pianistik, in der verzwickte Sequenzen und eine raffinierte Klangarchitektur ebenso Raum erhalten wie heitere, geradezu "unschuldig" wirkende Notenfolgen.

Bewundernswert auch, wie diese beiden unverkrampft agierenden und dem Publikum zugewandten Musiker Kompositionen und Improvisationen organisch und bruchlos ineinander übergehen lassen. Besonders originell der Titel "Emergenzen" mit überraschend auftauchenden und wieder verschwindenden Figurationen, mit seinen Stimmungswechseln und stilistischen Sprüngen. In einem anderen Beitrag bekommen die beiden Akteure sogar mal den Blues: Die Trompete verwendet "Growl"-Effekte, rumort im Jungle Style eines Duke Ellington, das Klavier schwelgt kurzzeitig im Boogie.

Wenn es in diesem Konzert eine Parallele zwischen Markus und Karlheinz Stockhausen zu entdecken gibt, dann sicher die einer spirituellen Komponente. Auch für den Sohn gilt: Transformation durch Klang.