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09. Juni 2017

Auf dem Weg zum Energiespardorf

Mit einem Klimaschutzkonzept will Rust Energiesparpotenziale ausschöpfen und zugleich Elektromobilität fördern.

  1. Mehr Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Rust ist ein Ziel des Klimaschutzkonzepts. Foto: Bernhard Rein

RUST. Kann ein Blockheizkraftwerk rentabel betrieben werden? Wie kann die Elektromobilität gefördert werden, ist dabei eine Kooperation mit Nachbargemeinden sinnvoll? Braucht der Ausbau von Photovoltaikanlagen einen neuen Impuls und wie kann das Problem der Speichertechnik lokal gelöst werden? Auf solche und andere Fragen soll ein Klimaschutzkonzept für die Gemeinde Antworten geben.

In Form einer Energiewerkstatt hat die Gemeinde den Prozess hin zu diesem Konzept in Gang gebracht. Begleitet wird sie vom Energieversorger Badenova. Projektleiter Marc Krecher stellte dem Gemeinderat eine Zwischenbilanz vor.

Die Ausgangslage
Ausgehend von einer Datenerhebung aus dem Jahr 2013 summiert sich der Energieverbrauch von Rust auf rund 51 500 Megawattstunden pro Jahr (ohne Europa-Park). Der durchschnittliche Verbrauch eines Privathaushaltes mit zwei Personen liegt bei 3,1 Megawattstunden pro Jahr. Private Haushalte haben mit 54 Prozent den höchsten Anteil an diesem Verbrauch. Der CO2-Ausstoß der Gemeinde liegt bei jährlich 18 100 Tonnen (4,8 Tonnen pro Einwohner, Landesdurchschnitt 6,6 Tonnen), inklusive Europa-Park bei 46 350 Tonnen. 89 Prozent der Wohngebäude sind freistehende Einfamilienhäuser, die im Durchschnitt den höchsten Energieverbrauch pro Quadratmeter aufweise. 61 Prozent der Wohnhäuser sind vor 1984 erbaut, als Wärmedämmung beim Gesetzgeber noch eine untergeordnete Rolle spielte.

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Energiesparpotenziale
Bei vollständiger Umsetzung potenzieller Sanierungsmaßnahmen aller Wohngebäude (Stand 2013: 873 Gebäude, 1625 Wohnungen) wäre eine theoretische Einsparung von 39 Prozent des aktuellen Bedarfs möglich, so Krecher. Die Ausbaupotenziale bei der Solarenergie/Solarthermie und Photovoltaik bewertet die Badenova als "sehr hoch". Würden alle geeigneten Dachflächen mit PV-Anlagen (Photovoltaik) belegt, könnten insgesamt 9910 Megawattstunden pro Jahr Solarstrom erzeugt werden.

Energiegewinnung über Windkraftanlagen ist für die Gemeinde Rust eine eher vernachlässigbare Größe. Solche Anlagen können nicht wirtschaftlich betrieben werden. Hingegen sei, so die Badenova, die Nutzung von Erdwärme (Grundwasser-Wärmepumpe) tatsächlich geeignet. Bis zu 27 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs könnten durch erdgekoppelte Wärmepumpen zur Verfügung gestellt werden.

Handlungsfelder allgemein
Sofern die Potenziale für die Stromerzeugung über PV-Anlage ausgeschöpft werden, könnten rund 66 Prozent des Strombedarfs der Gemeinde gedeckt werden. Zusammen mit Biomassepotenzial und bereits genutzter Wasserkraft (Elz-Wasserkraftwerk im Europa-Park) erhöht sich der Anteil von Stromgewinnung über Erneuerbare Energie auf etwa 79 Prozent. Das Klimaschutzziel des Landes für Strom liegt bei 38,5 Prozent bis 2020, bei 80 Prozent bis 2050. In der Sanierung der Wohngebäude, die vor 1984 gebaut wurden, stecke ein Einsparpotenzial für Wärmebedarf von rund 39 Prozent.

Handlungsfelder

aus der Energiewerkstatt

Zwei Dutzend Ruster haben Anfang Mai bei der öffentlichen Energiewerkstatt mitgemacht und neben vielen Einzelmaßnahmen sich für folgende Präferenzen ausgesprochen:
» Förderung der Elektromobilität über Infotage und Nutzung von Elektroautos und E-Bikes auf Probe. Umstellung des Gemeindefuhrparks auf Elektromobilität
Verbesserung der Energieeffizienz durch ein Blockheizkraftwerk zur Versorgung von Schule, Sporthalle, Bürgerhaus und Neubaugebiete Ellenweg I bis V
Förderung von Photovoltaikanlagen und Entwicklung lokaler Speichertechniken etwa durch Langzeitspeicheranlagen, sogenannter power-to-gas-Anlagen.

Wie geht’s weiter?
Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am 21. Juni wird Badenova-Projektleiter Marc Krecher aus den Vorschlägen ein Maßnahmepaket mit bis zu zwölf Projekten schnüren, über deren Priorisierung dann der Gemeinderat entscheidet.

Autor: Klaus Fischer