Eine Feuerwehr, die man nicht sieht

Christian Kramberg (Text und Fotos)

Von Christian Kramberg (Text & Fotos)

Fr, 05. Oktober 2012

Rust

Das Sicherheitsmanagement wird im Europa-Park in Rust groß geschrieben, Markus König ist dafür verantwortlich.

Es liegt bereits elf Jahre zurück: In einem deutschen Freizeitpark war ein großes Feuer ausgebrochen, es gab Leichtverletzte und einen Sachschaden in Millionenhöhe. "Solch ein Unglück ist im Europa-Park eher unwahrscheinlich", sagt Markus König mit Nachdruck. Der 40-Jährige leitet die Stabsstelle Sicherheitsmanagement in dem Freizeitpark und ist in dieser Funktion auch der oberste Feuerwehrmann des Unternehmens. "Das Risiko ist absolut kalkulierbar, aber ein Restrisiko gibt es natürlich immer", schränkt König aber auch ein.

Seit 2006 firmiert die Europa-Park-Feuerwehr offiziell als Werkfeuerwehr, unterliegt damit dem Feuerwehrgesetz des Landes Baden-Württemberg und denselben Anforderungen wie eine kommunale Feuerwehr. "In den 20 Jahren zuvor gab es schon eine Betriebsfeuerwehr", erklärt Markus König den Grund, "dafür gibt es aber keine Vorhaben. Wir brauchen aber im Europa-Park eine Truppe, die weiß, was sie macht. Eine kommunale Feuerwehr wäre damit überfordert."

Einmal in der Woche ist deshalb Feuerwehrübung, jeden Mittwochnachmittag trifft sich ein Teil der Mitglieder, um sich auf die speziellen Anforderungen des Europa-Parks einzustellen. Und davon gibt es einige, wie Markus König aufzählt: die vielen Menschen, die besonderen Fahrgeschäfte, wie Achterbahnen, aber auch Geisterschloss oder "Piraten in Batavia", oder die Wege, die nur mit den kleinen Spezialfahrzeugen befahren werden können. Nur die drei Hauptachsen, die den Park kreuzen, bieten Platz für ein normales Löschfahrzeug.

Wenn Markus König von Sicherheit spricht, dann geht es in erster Linie aber nicht nur um die Nachsorge – also den Einsatz im Ernstfall –, sondern vielmehr die Vorsorge: also den Ernstfall möglichst erst gar nicht eintreten zu lassen. Das ist das Sicherheitsmanagement, für das er verantwortlich zeichnet und fängt schon beim Personal im Europa-Park an. Jeder neue Mitarbeiter wird im Brandschutz geschult – "da zeigt Markus König immer ganz grauselige Filme", fügt Denise Beil von der Presseabteilung augenzwinkernd an. Regelmäßige Weiterbildungen gehören zum Programm. Jedes Jahr werden zum Beispiel 250 Mitarbeiter im richtigen Umgang mit Feuerlöschern geschult. Eine Investition, die sich im Alltag bezahlt macht: die Mitarbeiter kennen die Örtlichkeit und können schnell eingreifen. "Wir sind dahinter, dass ein Feuer erst gar nicht entsteht. Wir machen in der Prävention alles, was in unseren Kräften steht."

Unterstützung findet er bei der Familie Mack, Roland Mack hat als Präsident der IAAPA das Thema Sicherheit in den Fokus seiner Amtszeit gerückt: "Die Familie Mack hat in den vergangenen 37 Jahren noch nie Abstriche bei der Sicherheit gemacht", sagt König. Zuletzt wurde für eine sechsstellige Summe ein neues Feuerwehrfahrzeug angeschafft, seit zwei Jahren gehört zur Ausrüstung auch eine Wärmebildkamera, mit der Brandnester besser geortet werden können. König selbst ist seit 2011 Mitglied des Safety Comitee der IAAPA, dem ein halbes Dutzend Sicherheitschefs der größten europäischen Freizeitparks angehören – ein besonderes Amt und eine Ehre für ihn, wie er nicht verhehlt.

Die Zusammenarbeit gilt nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen – sprich auf regionaler Ebene. Mit den kommunalen Feuerwehren aus Rust und Ettenheim gibt es einen engen Kontakt, regelmäßige Begehungen und einmal im Jahr eine gemeinsame Übung. Das Zusammenspiel zwischen internen und externen Kräften muss harmonieren, gerade in diesem besonderen Umfeld. "Für die Ruster Feuerwehr wäre es schwierig, sich alleine im Europa-Park zurechtzufinden", sagt König, für den die Ortskenntnis seiner Feuerwehrleute ein entscheidender Faktor ist.

Zu Königs Aufgaben gehört deshalb auch die Vorbereitung von Großveranstaltungen, wie die Horror Nights im Oktober: Schon im Mai, Juni gibt es die ersten Vorbesprechungen, König ist in die Gestaltung der Attraktionen involviert, er prüft die eingesetzten Materialien ("Wir nehmen zum Beispiel nur gehobelte Bretter, weil gefaserte leichter brennen"), die Darsteller erhalten eine Sicherheitsunterweisung und nicht zuletzt wurde auch daran gedacht, die Durchsagen in drei Sprachen aufzunehmen.

Richtig passiert ist im Europa-Park schon lange nichts mehr, der letzte größere Einsatz war im Mai, als es ein Feuer an der Müllumladestation beim Tipi-Dorf gab. Etwa 120 Alarmierungen pro Jahr zählt König, "das meiste ist Kleinkram", wie die Beseitigung einer Ölspur oder Insektennester. Im vergangenen Jahr gab es zwölf kleine Brände, sieben waren schon gelöscht, bevor die Feuerwehr überhaupt eintraf. "Das ist sehr wenig für einen solchen Betrieb", betont König, "zum Vergleich: Wir haben täglich ungefähr so viele Besucher wie die Stadt Lahr Einwohner hat." Etwas mehr als 40 000. Wenn die Feuerwehr tatsächlich einmal ausrückt, dann bekommen das viele Besucher gar nicht mit. "Euch sieht und hört man gar nicht", wurde König schon gesagt. Das hat auch damit zu tun, dass große Fahrzeuge im Park selbst selten zum Einsatz kommen, auf Tatütata und Blaulicht wird, wenn möglich, verzichtet. Stattdessen bahnt sich das sechsrädrige Vorauslöschfahrzeug, das aussieht wie ein Mondauto, mit einer Fahrradklingel den Weg durch die Menschenmassen. "Damit kommen wir schneller vorwärts als mit der Sirene", hat König zur eigenen Verblüffung festgestellt.

"Unser Ziel ist nicht 100 Prozent Sicherheit, sondern 130 Prozent", sagt König, der um die Sensibilität des Themas Sicherheit für einen Freizeitpark weiß. "Die Gäste sollen ihren Spaß haben." Es ist aber auch schon vorgekommen, dass die Besucher Ernstfall und Unterhaltung verwechselt haben. Einmal alarmierte ein Besucher die Feuerwehr wegen eines vermeintlichen Brandes – es waren aber die High Diver, die bei ihrer Vorführung brennend ins Wasser sprangen; ein anderes Mal lobte ein Besucher die Feuerwehrshow – dabei handelte es sich tatsächlich um einen realen Einsatz der Feuerwehr. König nimmt solche Vorfälle aber auch als Lob: "Das zeigt doch, dass sich die Menschen bei uns sicher fühlen."