Rust

Europa-Park: Die Refugien der Familie Mack

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Fr, 24. Juli 2015 um 00:01 Uhr

Rust

Geschäftsführer, Getriebener, Perfektionist: Roland Mack genießt die stillen Flecken im Europa-Park . Seine Familie gründete vor 40 Jahren einen Märchenpark – der das Geschäft revolutionierte.

Drei Dinge braucht – zumindest heute – der Mack, Roland Mack, Geschäftsführer und Macher des Europa-Parks. Einen elektrisch betriebenen Golfwagen, der ihn durch das Gewusel der Parkbesucher von einem Ort zum anderen bringt. Seinen massiv wirkenden Schlüsselbund, der ihm Zutritt zu den verborgenen Orten des Parks gewährt. Und sein Smartphone, das es ihm ermöglicht, während seiner Gänge durch den Park Büroarbeiten zu tätigen. "Die neue Technik macht mich viel unabhängiger und flexibler. Telefonate, Briefe, E-Mails, die ich früher nur vom Büro aus machen konnte, erledige ich jetzt unterwegs", sagt er und setzt kurz eine Mail ab. Die gewonnene Zeit macht es ihm möglich, häufiger bewusst durch seinen Park zu gehen.

1975 gründen sein Vater Franz Mack, sein Bruder Jürgen Mack und er das Unternehmen, zunächst als erweiterter Märchenpark. Schnell wächst die Attraktion, der anfänglich nur geringe Chancen gegeben werden. Heute, 40 Jahre später, gehört der Europa-Park zu den größten und attraktivsten Themenparks, zählte im vergangenen Jahr mehr als fünf Millionen Besuche. Das Geheimnis des Erfolges verrät Roland Mack auf der Fahrt ins Hotelresort Bell Rock. "Man muss Menschen mögen", sagt er. Und ihnen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind im Park. Dazu gehört für Mack die perfekte Außendarstellung. Seinem Blick entgeht nichts. Im Colosseo entdeckt er an einer Scheibe der Bar Vogeldreck – via Smartphone wird die Putzkolonne beauftragt. Im griechischen Themenbereich blättert unter einem Durchgang der Putz ab – von wohl 99,9 Prozent der Besucher als auch der Mitarbeiter unentdeckt, Mack sieht es und leitet den Schaden sofort an die Maler weiter. Morgen wird der Putz wieder weiß strahlen.

Der Europa-Park ist das Schaufenster

Dieser Wille zur Perfektion und Authentizität wird in der Fachwelt hoch geschätzt. Nicht umsonst wählten die Vertreter des Weltverbands der Freizeitindustrie, IAAPA, Mack vor vier Jahren zu ihrem Präsidenten. "Ich war der erste Präsident aus Deutschland und der erste, der die Freizeitparks als auch die Seite der Hersteller repräsentierte." Schließlich hat der Park seine Wurzeln im Waldkircher Stammbetrieb, der heutigen Mack Rides, die 1780 gegründet wurde und seit 1920 Fahrgeschäfte entwickelt, baut und vertreibt. Für Mack Rides ist der Europa-Park das Schaufenster, in dem sich die Betreiber der Parks weltweit über die Attraktionen informieren können.

Die einjährige Präsidentschaft wirkt heute noch stark nach. Sichtbares äußeres Zeichen ist die Open-Air-Lounge Captains’s Bridge im Bell Rock. Wer auf Einladung der Familie Mack durch die weiße Holztür tritt, darf sich schnell in maritime Welten versetzt fühlen. "Hier treffen wir uns bei gutem Wetter mit der Familie oder mit Geschäftsfreunden, um einmal Gespräche in aller Ruhe zu führen." Sonnensegel und Sonnenschirme, in Dunkelblau gehalten, spenden Schatten, strahlend weiße Stühle sind bequem. Hier lässt es sich aushalten, der Chef selbst stellt sich hinter die ebenfalls in Weiß gehaltene Theke, die wie die Brücke eines Schiffes wirkt. "And now Roland you are the king of fun ..." ist unter dem Tresen eingraviert. Captain’s Bridge ist ein Lieblingsort, an dem Mack gern auch einmal zurückschaut auf seine Zeit als IAAPA-Präsident. Und wenn er ins Erzählen kommt, ist er ganz Welt- und Geschäftsmann, ein Kapitän am Ruder, der sich seiner Erfolge, aber auch der dahintersteckenden Arbeit bewusst ist. Und der den Leitspruch "Tue Gutes und rede darüber" beherzigt, ohne aufdringlich zu werden. Stolz habe ihn die Wahl gemacht.

Roland you are the king of fun ...

Verbunden war dies mit viel Arbeit, selbst wenn die Mitglieder im Vorstand natürlich über gut besetzte Apparate verfügen. Rund 4500 Unternehmen, darunter mehr als 1000 Freizeitparks, in mehr als 90 Ländern vertrat Mack in seiner Präsidentschaft. Seine gesetzten Ziele habe er erreicht. "Ich war angetreten, um weltweit die Sicherheitsstandards zu vereinheitlichen und zu optimieren. Die der IAAPA angeschlossenen Parks zählen eine Milliarde Besucher jährlich, da muss das Thema Sicherheit ganz oben auf der Agenda stehen."

Und natürlich war die IAAPA für Mack die Plattform, seinen Park als auch Mack Rides auf großer internationaler Bühne zu präsentieren. Daraus macht er keinen Hehl. Mack Rides erwirtschaftet 95 Prozent seines Umsatzes durch den Export, da sollten internationale Kontakte intensiv aufgebaut und gepflegt werden. So arbeitete er schon mehrere Jahre im Vorstand der IAAPA mit. "Und ich bin im Vorfeld mehrmals gefragt worden, ob ich die Präsidentschaft übernehmen wolle. Aber erst, als meine Söhne Michael und Thomas stärker in der Unternehmensleitung tätig wurden, war der richtige Zeitpunkt gekommen. Ohne die Unterstützung durch sie und durch meinen Bruder Jürgen wäre es mir nicht möglich gewesen, die große Aufgabe neben der Geschäftsführung des Parks zu übernehmen."

Das Loslassen fällt schwer

Als IAAPA-Präsident wurde ihm, neben der Verbandsführung, eine weitere zukunftsweisende Aufgabe gestellt: das Loslassen. Was einem Macher und Perfektionisten wie Mack vielleicht schwerer fallen könnte. Andererseits: "Ich habe den Übergang der Geschäftsführung vom Vater an den Sohn im eigenen Familienunternehmen bereits zweimal miterlebt, nämlich als mein Vater Franz die Geschäfte von seinem Vater übernahm. Und dann natürlich, als Jürgen und ich die Geschäfte von unserem Vater übernahmen."

Und jetzt spricht Roland Mack über den dritten Führungswechsel im Familienunternehmen. Mittlerweile sitzt er am Kopf eines schweren Holztisches, um den herum reich verzierte, schwere Polstersessel stehen. Roland Mack hat uns in die Stube "Los Reyes Don Carlos" im Restaurant Bodega im spanischen Bereich geführt. Hier können sich Gäste wahrlich königlich aufgehoben fühlen. Die holzvertäfelte Stirnwand ist übersät mit Fotografien in Bilderrahmen. Nachweise der Prominenz, die entweder den Europa-Park besuchten oder die Roland Mack in anderen Funktionen kennenlernte. Franz Beckenbauer und Berti Vogts gehören zu den treuesten Freunden des Parks. Aber auch Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton oder Papst Paul II. finden sich in der Ehrengalerie wieder. Aus dem Kapitän Mack wird hier der Staatsmann Mack.

Die Stabübergabe steht im Raum

Die Don-Carlos-Stube ist ein Rückzugsort, ein Ort, an dem Mack gern strategische Entscheidungen trifft. Die Prominentenporträts unterstreichen die Richtigkeit seines unternehmerischen Handelns. Mit diesem Pfand in der Hand ist er sich sicher, dass der nun dritte anstehende Führungswechsel erfolgreich sein wird. Dem sieht er, wenigstens für Außenstehende, gelassen entgegen. "Mein Bruder Jürgen und ich bekamen damals sehr früh verantwortungsvolle Aufgaben im Unternehmen. Und nun übernehmen meine Söhne Michael und Thomas immer mehr Aufgaben und Funktionen in der Geschäftsführung. Und sie haben diese Herausforderungen. Das gibt mir jetzt die Möglichkeit, mich langsam zurückzuziehen."

Das ist (noch) kein angekündigter Abschied. Wenngleich das Thema präsent ist und Lösungen gesucht werden. Entscheidungen überlasse er jetzt mehr und mehr den Söhnen, bei Investitionsentscheidungen ist Roland Mack aber stets mit an Bord. Ihm ist klar, dass der Übergang eingeleitet ist. Mittlerweile genießt Mack es, abends tatsächlich einmal Feierabend zu haben. Das Familienleben, das räumt er ein, komme bei so einer Lebensaufgabe wie dem Europa-Park zu kurz. "Da ist der Europa-Park Fluch und Segen zugleich, es geht eine Menge Privatheit verloren, weil das Unternehmen einen von früh morgens bis spät abends fordert." Eine gewisse Unruhe habe ihn immer vorangetrieben.

Freude an der Technik

Und doch ist die Familie immer präsent im Wirken von Roland Mack. Da ist natürlich sein Vater Franz. "Ich rede sehr oft von ihm und zitiere ihn oft, weil er mich sehr geprägt hat." Die Freude an der Technik, die Freude, anderen Menschen Freude zu bereiten, die habe er von seinem Vater abgeschaut, schon als Sprössling, als er diesen auf jedes erreichbare Volksfest begleitete. Der Vater ist in Form einer Bronzeskulptur vor dem Schloss Balthasar für alle Besucher sicht- und greifbar. Ihrer Mutter haben Jürgen und Roland Mack ein Andenken im Seehausrestaurant geschaffen. Die Liesel-Börschig-Stube ist für Familie Mack ein urgemütlicher Rückzugsort, erinnert an die gute Stube in vielen deutschen Haushalten der Nachkriegszeit. Rustikale Möblierung sorgt dafür, dass der Besucher sich aufgehoben fühlt. Auch hier finden sich zahlreiche Bilder, doch nicht von prominenten Gästen des Parks. Die Liesel-Börschig-Stube ist dem Familienandenken vorbehalten. Schwarzweißfotografien zeigen den heutigen Parkgeschäftsführer in seiner Kindheit, Franz Mack nach der Rückkehr aus dem Krieg, dessen spätere Frau Elisabeth Börschig, die er 1948 heiratete.

Und während Franz Mack spätestens ab 1975 mit der Öffnung des Europa-Parks immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit rutschte, leitete seine Frau in Waldkirch den nun immer stärker expandierenden Herstellungsbetrieb. "Das ist der Grund, warum meine Mutter nicht so präsent ist. Sie zog die Fäden im Herstellungsbetrieb in Waldkirch, woher sie stammte, während der Vater hier in Rust gefragt war", erzählt Roland Mack. Der Geist der Familie jedenfalls lebt – und das nicht nur in der Liesel-Börschig-Stube. Eine Familiencharta, die von allen Familienmitgliedern unterzeichnet wurde, hält nun Werte und Ziele fest. Sie ist Ausdruck der Verbundenheit mit dem Unternehmen, der Verantwortung für die mittlerweile mehr als 3500 Beschäftigten im Park als auch der vielen Besucher.

Die zahlen das Engagement nicht nur mit dem Eintrittspreis zurück. Ab und zu passiert Roland Mack etwas, was ihn auch nach 40 Jahren noch erfreut und ihm imponiert: Eine Familie spricht ihn auf Englisch an, ob er sich mit ihr vor der Kulisse des Schlosses fotografieren lasse. Woher die Familie komme, will Mack wissen. "Aus Serbien", lautet die Antwort. Vater und Mutter drücken dabei fest die Hand von Roland Mack. Und die Kinder, Sohn und Tochter im Alter von zehn bis zwölf Jahren, strahlen mit dem Bronzepferdchen um die Wette.