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01. Juni 2012 20:01 Uhr

Aussenanlage

Europa-Park: Indian Summer unterm Leuchtturm von Bell Rock

Flammender Herbst: Der nordamerikanische Indian Summer steht Pate für die Außenanlagen des neuen Europa-Park-Hotels Bell Rock. Für Gärtnermeister Jürgen Sedler aus Kappel eine Herausforderung.

  1. Ein 12 Tonnen schwerer Weißahorn wird gepflanzt. Foto: Bernhard Rein

  2. Manchmal blüht’s auch weiß Foto: Bernhard Rein

  3. Kugelrund geschnittene Eiben. Foto: Bernhard Rein

  4. Bizarrer Grünschnitt am Pool. Foto: Bernhard Rein

Indian Summer – die Botaniker erklären die märchenhafte Farbenpracht der Vegetation im späten Herbst auf dem nordamerikanischen Kontinent so: Wenn die Temperaturen sinken, blockiert eine korkhaltige Substanz den Flüssigkeitsaustausch zwischen Blättern und Ästen. Der Chlorophyllgehalt der Blätter sinkt. Der Zucker in den Blättern lässt sie dann in warmen Farben strahlen.

Doch die Pflanzenkunde hilft Jürgen Sedler bei seiner Aufgabe nicht weiter, eher schon Berufserfahrung. Der Gärtnermeister mit Schwerpunkt Baumschule ist seit 20 Jahren Chef der Europa-Park-Gärtnerei und – das zählt bei dieser Aufgabe – er weiß, welche Fantasien seine Chefs entwickeln und was sie von ihm erwarten. "Die Familie Mack will rund um das Hotel Bell Rock eine Gartenanlage, die Neuengland assoziiert, am liebsten einen Indian Summer mit kräftiger, ausgeprägter Herbstfärbung übers ganze Jahr über", sagt der 42-Jährige Kappeler mit einem Lächeln. Ein Lächeln, das verrät, dass er längst eine Lösung gefunden hat.

Dominierendes Rot symbolisiert das Blut eines erlegten Bären

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Ein gutes Jahr hat er zig Bücher und Bildbände gewälzt, sich Filme über den Herbstzauber an der nordamerikanischen Ostküste reingezogen und dabei auch die unterschiedlichen Legenden über die Herkunft der Bezeichnung "Indian Summer" kennen gelernt. Die beeindruckendste: Nach einer alten indianische Legende symbolisiere . Das Blut eines Bären hatte er nicht zur Hand, weshalb sich Sedler bei der Konzeption an einem auch in unsere Region gedeihenden pflanzlichen Farbmuster orientierte: Zucker-Ahorn. Die Blätter der Ahornart verfärben sich von grün nach gelb, orange, rot und braun. "Bei der Auswahl von Bäumen und Sträuchern mussten rotblättrige Gehölze dominieren, beispielsweise die Rotbuche", erinnert sich Sedler an die ersten klarem Gedanken in der Planung.

Sumpfeichen kamen für die Randbereiche der Anlage in Frage; daneben Eiche, Buche und natürlich Ahorn mit den markanten Blättern waren zwingend.

Ein wichtiges Kriterium war aber nicht nur das Farbspektrum zu den verschiedenen Vegetationszeiten, sondern auch das Gesamtbild des Baumes ohne Laub – also die Verästelung. "Im Europa-Park musst du auch an die Optik denken, wenn’s Winter wird. Die Außenanlage soll schließlich auch für die Wintergäste attraktiv und einladend sein. Dann arbeiten wir mit Licht und Schatten, deshalb muss der gesamt Wuchs, Stamm, Äste, Zweige ein Bild abgeben", sagt Sedler. In dieser Frage vertraut der Gärtnermeister auch auf den Rat von Kollegen und Lieferanten. Keine Frage, hier spielt auch der Name des Kunden eine gewichtige Rolle. Dieser Kunde genießt Aufmerksamkeit.

13 Meter hohe Kawenzmänner

Der Europa-Park macht Geschäfte mit Baum- und Pflanzenschulen aus der Region, ebenso aus Norddeutschland und Norditalien. Auch auf Sizilien kennt Sedler eine gute Adresse eines Zulieferers, hauptsächlich für die grüne Optik im Hotel. "Nur auf Einmalverkauf sind die Zulieferer bei Kontakten mit mir nicht aus. Das werden dann intensive Fach- und Beratungsgespräche, wenn ich mit meinen Plänen dort ankomme. Schließlich wollen die mit uns langfristig Geschäfte machen. Es herrscht Vertrauen", sagt Sedler.

Von einer Baumschule im Oldenburger Land kommt die Mehrzahl der Bäume. Keine mannshohen Setzlinge, sondern zwölf, dreizehn Meter hohe Kawenzmänner, so an die drei Jahrzehnte alt und bis zu zwölf Tonnen schwer. "Die sollen natürlich schon zur Eröffnung im Juli nach etwas ausschauen und – ganz wichtig – sind schon drei-, viermal umgepflanzt worden. Das gibt uns die Sicherheit, dass sie die Verpflanzung nach hier auch unbeschadet überstehen", meint Sedler. 40 solcher Großbäume hatten sich im Frühjahr auf 18 Sattelschleppern von Oldenburg auf die Reise zum Bell Rock nach Rust gemacht, jeder einzelne Baum so im Wert "eines schnuckeligen Kleinwagens" (Sedler).

Blutroter Indianerflieder

Aber das Indian-Summer-Farbenphänomen soll die Besucher nicht nur über Bäume, sondern auch auf Augenhöhe begleiten. Azaleen in rot und orange, blutroter Indianerflieder und natürlich Rosen in der vorherrschenden Farben scharlachrot und goldgelb wurden zu Hunderten gesetzt. "Und wir haben uns bei der Gestaltung von Innenhöfen und Grünbereichen auch von der Geometrie englischer Gärten inspirieren lassen. Auch das passt zum Neuengland-Stil", sagt Sedler und zeigt auf die bizarren Formen am Swimmingpool und das Wellenbeet in einem Innenhof direkt daneben.

"Früher hätte man für diese geformten Grüngewächse Buchs verwendet. Aber der Buchsbaumzünsler (ein verbreitetet Schädling, Anm. d. Red.) verbietet das. Deshalb verwenden wir ausschließlich Eibenhecken, die sich auch sehr gut gestalten lassen", erklärt Sedler. An die zehntausend Kleinpflanzen werden es wohl sein, die bis zur Eröffnung einen Standort rund ums Bell Rock gefunden haben.

Die müssen natürlich auch gehegt und gepflegt werden. "Während der Pflanzphase arbeiten wir mit Gärtnern aus Fremdfirmen, schließlich läuft neben Bell Rock auch noch unser Normalgeschäft im Park. Für die gut drei Hektar Grünfläche rund ums Hotel werden sich nach der Eröffnung einmal ständig zwei Vollzeitgärtner kümmern müssen", sagt Sedler. Ihnen dürfen die Hotelgäste dann nicht nur bei der Arbeit draußen, sondern auch bei der Arbeitsvorbereitung zusehen. Denn in einem eigens gebauten gläsernen Gärtner-Pavillon werden beispielsweise Kübelpflanzen gesetzt oder Blumendekorationen entstehen. Jürgen Sedler: "Wir sind schon ein wenig stolz auf das, was wir Gärtner hier im Europa-Park leisten können und dürfen. Deshalb müssen wir uns auch nicht verstecken".
Jürgen Sedler

Seit 20 Jahren ist der Kappeler in der Abteilung Grün des Europa-Parks. "Ursprünglich komme ich aus dem Bereich Baumschule. Meine erste große Baustelle war in Norwegen", erzählt Jürgen Sedler. Wieder zurück heuerte er beim Europa-Park an. Mit dem Meisterbrief in der Tasche vertraute ihm die Familie Mack die Leitung der Park-Gärtnerei an. Das war vor 16 Jahren.

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Autor: Klaus Fischer