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17. April 2015

Nur zu Wasser kein Zugang zum Wasserpark

Europa-Park und Verkehrsexperten stellen ihre Konzepte für eine reibungslose Zu- und Abfahrt vor / Klare: Eine Mauer als Lärmschutz wird es nicht geben.

  1. Brisantes Thema – und dennoch leere Stuhlreihen. Etwa 100 meist Ruster Bürgerinnen und Bürger ließen sich über die neuen Fakten zum Wasserpark-Projekt informieren. Foto: Bernhard Rein

  2. Kreft von Byern Foto: Bernhard Rein, Bernhard Rein

RUST. Wie viel Fahrzeuge werden sich einmal in den Spitzenzeiten in Richtung des Europa-Park-Wasserparks bewegen? Auf welchem Weg werden sie einmal dorthin gelangen? Welcher zusätzliche Lärm darf vom Wasserpark ausgehen und wie werden künftige Nachbarn im Baugebiet Ellenweg vor diesem Lärm geschützt? Und schließlich: Wieweit ist die konkrete Planung Wasserparks vorgeschritten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des dritten Bürgerforums zu dem Projekt am Mittwoch in der Rheingießenhalle.

Trotz der vor allem für die Ruster Bürger brisanten Fragestellungen waren kaum mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger in die Rheingießenhalle gekommen, für reichlich mehr Menschen war gestuhlt worden. Ließ da das Champions League-Spiel des FC Bayern München in Porto grüßen? Die, die gekommen waren, hatten jedenfalls gleich zu Beginn Grund zu Applaus, denn Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare, als Vorsitzender des Tourismus-Zweckverbands mit Ringsheim Gastgeber bei der Infoveranstaltung, brachte gleich zur Begrüßung zwei wichtige Botschaften mit: Zum einen sei in den Sitzungen um den Jahreswechsel mit Investor und Planern eine Verbesserung bei der Zufahrt zum Wasserpark erreicht worden, die die Ritterstraße deutlich entlaste. Zum anderen sei unumstößliche Vorgabe, dass bei der Lärmbelastung der Schutzanspruch der Bewohner im Wohngebiet Ellenweg das Maß allen Planens und Handelns sei.

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PROJEKTPLANUNG
Rund 12 000 Quadratmeter Grundfläche soll einmal das Gebäude mit dem Indoorbereich des Wasserparks überspannen und Attraktionen wie Wasserrutsche, Surfbecken oder Wildwasserbereich beherbergen. Vor wenigen Wochen habe der Europa-Park ein Büro in Osnabrück mit der Planung beauftragt, erklärte Michael Kreft von Byern, der Beauftragte der Geschäftsführung. Südlich angrenzend soll es in einem ersten Bauabschnitt einen kleinen Outdoorbereich geben, mit "Schwimmbecken und Liegewiese".

Zum ersten Bauabschnitt werde ein Hotel mit Saunabereich zählen, das sich im Westen an das Indoor-Bauwerk anschließt. Der Übergangbereich soll ähnlich dem Bell Rock-Hotel mit einer Wasserlandschaft gestaltet werden. In der ersten Bauphase soll zudem ein Restaurant als Solitärbau auf dem Vorplatz zwischen Indoor-Gebäude, Parkplätzen und Hotel entstehen. Die Stellplätze für Hotelgäste sollen westlich zwischen Hotelgebäude und Äußeren Ring unter den Stromfernleitungen entstehen. "Für uns eine optimale Nutzung der Fläche, die wir wegen der Stromleitungen nicht bebauen dürfen", erklärte Kreft von Byern.

Die Kapazität des Wasserparks ist in der ersten Ausbaustufe auf maximal 5000 Besucher täglich ausgelegt. Bei einer Erweiterung – etwa im Outdoorbereich – sollen einmal täglich bis zu 8000 Besucher den Wasserpark nutzen können. Von Anfang an soll es zur Verkehrsentlastung ein Bus-Shuttle-System geben, das die Europa-Park-Hotels mit dem Wasserpark verbindet, aber in einem Ringsystem auch den Bahnhof Ringsheim und Haltepunkte in Rust bedient.

VERKEHRSANBINDUNG
Peter Sackmann und Harald Steiner vom Ingenieurbüro Zink hatten für ihre Vorschläge zur Verkehrsverschließung – übrigens abgestimmt sowohl mit dem Ruster Gemeinderat als auch mit den Mitgliedern des Tourismus-Zweckverbands – eine Untersuchung und Hochrechnungen des Büros Fichtner zugrunde gelegt. Danach wurden am Messpunkt nahe der Überführung/Anbindung der Kreisstraße K 5349 (Autobahnzubringer) am Tag mit den meisten Europa-Park-Besuchern (Himmelfahrt, 15. August) zwischen 9 und 10 Uhr 1900 Fahrzeuge gezählt. Durch den Wasserpark (Öffnung frühestens 10 Uhr) würden zwischen 10 und 11 Uhr bis zu 400 Fahrzeuge hinzukommen. Das bestehende Straßennetz könne dies leisten, so die Verkehrsexperten. Allerdings würde sich die Phase der Stoßzeit mit dem höchsten Verkehrsaufkommen auf dem Zubringer statt bisher von 9 bis 10 Uhr dann von 9 bis 11 Uhr ausweiten. Die Zufahrt zum Wasserpark soll nach der aktuellen Planung nicht mehr über die Ritterstraße führen, sondern über den Äußeren Ring. Vom Zubringer aus wird es für den ersten Bauabschnitt südlich des Wasserparks eine etwa 250 Meter lange Ausfädelspur in den Äußeren Ring geben, mit Option diese Ausfädelspur aus Richtung Autobahn auch zu verlängern (früheres Ausfädeln). Vom Äußeren Ring wird es zudem eine Einfädelspur auf den Zubringer geben.

Die Ausfahrt vom Parkplatz Wasserpark wird über die Ritterstraße und die Überführung auf den Zubringer in Richtung Autobahn geführt. Bei einer eventuell zweiten Ausbaustufe des Wasserparks soll die Ausfahrt auch über den Äußeren Ring nach Süden und über eine Unterführung auf den Zubringer in Richtung Autobahn möglich sein. Optional bleibe als zweite Alternative für die Zufahrt auch ein Bypass nördlich der Ritterstraße mit Unterführung der Ritterstraße als Zufahrt zu den Wasserpark-Parkplätzen.

Für Fußgänger und Radfahrer soll in Verlängerung von Hindenburgstraße beziehungsweise Ellenweg vom Mittleren Ring aus eine Allee in Richtung Hotel und Wasserpark entstehen. Die Radwege-Verbindung nach Ringsheim wird kreuzungsfrei über eine Süd-Alternative entlang des Zubringers und eine Nord-Alternative entlang der Ritterstraße gesichert werden.

SCHALLSCHUTZ
Lärmexperte Wolfgang Rink vom Büro ISW Schallschutz in Reute unterstrich noch einmal das Vorwort von Bürgermeister Kai-Achim Klare: Bewohner des Baugebiets Ellenweg dürfen durch den Wasserpark nicht höher belastet werden – maximal 55 db(A). Für den Wasserpark-Betreiber komme dabei als Einschränkung hinzu, dass durch das bestehende Gewerbegebiet in Rust bereits eine Lärmbelastung vorhanden sei. Deshalb sei die Wasserpark-Fläche einer Patchwork-Decke gleich mit sogenannten Lärmkontingenten belegt, was nicht anderes bedeute, als dass an gewissen Punkten der Fläche nur soviel Zusatzlärm entstehen darf, dass Bewohner im Ellenweg-Quartier nicht mit mehr als den zulässigen 55 db/A belastet werden. Rink: "Die Wohngebiete haben allerersten Schutzanspruch". Lärmreduzierung oder Lärmverhinderung dürfe nicht durch einen Wall oder eine Lärmschutzmauer an der Wohnbebauung erreicht werden (Bürgermeister Klare: "Eine Mauer wird es nicht geben"), sondern müssten direkt an der Quelle erfolgen. Dieses zu garantieren sei dann aber Sache der Baugenehmigungen, so Rink.

BÜRGERFRAGEN
Weshalb für die Zufahrt auf den Wasserpark-Parkplatz nicht die kürzeste Verbindung vom Zubringer gewählt werde, etwa auf Höhe der bestehenden Überführung, wollte ein Fragesteller wissen. Eine solche Lösung sei deshalb nicht machbar, weil an eben dieser Stelle eine Gasfernleitung verliefe, erläuterte Peter Sackmann (Büro Zink).

Eine Zuhörerin sah die Zufahrtprobleme vom Osten her zwar gelöst, nicht aber vom Westen her. Der Verkehr aus Frankreich, sowohl von Park-Mitarbeitern als auch von Park- und Wasserpark-Besuchern, würde wie bisher mitten durchs Dorf und zum Wasserpark verstärkt dann doch über die Ritterstraße geleitet. Für dieses Problem hatten weder Planer noch Bürgermeister eine Lösung parat. Seit Jahren schon sei die Gemeinde bemüht, eine Umfahrung Ost zu bekommen, die über den Kreisel beim Äußeren Ring/Ritterstraße auch eine Verbindung mit dem Wasserpark herstellen könne. Bauherrin und Genehmigungsbehörde sei hier aber das Land.

Ob gewährleistet werde, dass es durch den Outdoor-Betrieb oder Sonderveranstaltungen nicht zu Ruhestörungen in den Nachtstunden komme, war eine weitere Frage. Solche Veranstaltungen seien genehmigungspflichtig und würden mit strengen Auflagen belegt. Generell dürfe nachts, also nach 22 Uhr, ein Grenzwert von 45db/A nicht überschritten werden, erklärte Julia Morelle, Leiterin der Gewerbeaufsicht im Landratsamt.

Wer die Kosten für Straßenbau und Weiteres, die unmittelbar mit dem Wasserpark in Zusammenhang stehen, übernimmt, wurde gefragt. Der Zweckverband sei noch im Gespräch mit dem Investor, erklärte dessen Vize, Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa. Denkbar seien grundsätzlich zwei Verfahren: Der Zweckverband erschließe das Gelände und rechne über Erschließungsbeiträge mit dem Nutzer ab, oder aber es wird ein Erschließungsvertrag mit klarer Kostenverteilung dem Investor geschlossen.

DOKUMENTATION

Auch das dritte Bürgerforum wurde vom Büro Dialog Basis in Tübingen vorbereitet und von dessen Direktorin Antje Grobe moderiert. Das Büro hat auch eine Dokumentation der bisherigen Foren (und künftiger) zusammengestellt, die unter http://www.zvt-ringsheim-rust.de oder www. wasserpark-ringsheim-rust.de aufgerufen werden kann.  

Autor: fi

Autor: Klaus Fischer