"Wir leben unsere Leidenschaft"

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Sa, 06. April 2013

Rust

BLICK HINTER DIE KULISSEN DES EUROPA-PARKS: Der frühere Eiskunstläufer Ian Jenkins ist heute Direktor Entertainment.

RUST. Dass Ian Jenkins heute im Europa-Park arbeitet, hat etwas mit seiner Leidenschaft für einen kleinen weißen Ball zu tun. Vor knapp 20 Jahren, als der Engländer als Artist in dem Freizeitpark engagiert war, spielte er in seiner Freizeit Golf mit Michael Mack, der damals gerade ein Teenager war. Aus dem gemeinsamen Hobby entwickelte sich eine Freundschaft und schließlich eine Zusammenarbeit: Vor vier Jahren holte Michael Mack – mittlerweile in der Geschäftsführung tätig – Ian Jenkins zurück in das Unternehmen, seit zwei Jahren ist der 50-Jährige als Direktor Entertainment für die Shows und Events im Europa-Park zuständig.

Eine zweite große Leidenschaft von Ian Jenkins ist das Eis. Wer sich für den Eiskunstlaufsport interessiert, der könnte bei seinem Namen aufhorchen. In den Jahren 1981 bis 1983 war er britischer Meister im Paarlauf und 1984 nahm er an den Olympischen Winterspielen in Sarajevo teil. Dem Eiskunstlauf blieb er auch nach dem Ende der sportlichen Karriere verbunden – als Showtänzer in England, Spanien und Amerika an der Seite berühmter Kolleginnen und Kollegen, wie den Deutschen Norbert Schramm, Marika Killius und Katarina Witt oder seinen Landsleuten Robin Cousins und dem Weltklasse-Einstanzpaar Jayne Torvill und Christopher Dean. In den Jahren 1993 und 1994 war er zum ersten Mal im Europa-Park und begegnete Michael Mack, der heute über seinen Freund sagte: "Ich habe ihn damals kennen, schätzen und lieben gelernt." Es folgten für Jenkins noch einmal zwei Jahren in Amerika und schließlich 13 Jahre in Paris: Als Choreograph im Lido de Paris und als Trainer der französischen Eiskunstlauf-Nationalmannschaft.Und dann zurück in den Europa-Park im beschaulichen Rust? Es war die Freundschaft zu Michael Mack, der enge Kontakt, der über die vielen Jahre geblieben war, der ihn dazu bewegte – "this is the right time to come", habe ihm sein früherer Golfpartner gesagt, erzählt Jenkins. Und nachdem er mit seiner Frau geredet hatte, stand fest: "Let’s go to the Europa-Park". Für Michael Mack ist Ian Jenkins ein Glücksgriff: "Ich habe nie gedacht, dass er zu uns kommen würde." Mit dessen Verpflichtung habe der Europa-Park das Level seiner Shows noch einmal ein Stück höher gesetzt. "Das ist noch einmal eine ganz andere Kategorie".

Und auch in einer anderen Hinsicht wurde mit der Verpflichtung von Jenkins eine neue Tür im Europa-Park aufgestoßen: Die Umgangssprache ist nun Englisch, was für den einen oder anderen Mitarbeiter eine Umstellung bedeutete. Der Engländer soll mittlerweile zwar ganz ordentlich Deutsch sprechen können, im Gespräch bleibt er aber lieber bei seiner Muttersprache.

Er ist ein angenehmer und dankbarer Interviewpartner: Man stupst ihn an und Jenkins beginnt zu erzählen, es sprudelt aus ihm heraus. Wenn die Rede auf die Shows, den Eiskunstlauf, die Artisten kommt, dann ist die Begeisterung des Engländers für seinen Beruf zu spüren: "We live our passion" – "Wir leben unsere Leidenschaft".

Zum letzten Mal als Künstler selbst auf dem Eis gestanden ist Ian Jenkins vor knapp einem Jahr, es war eine einmalige Einlage anlässlich seines 50. Geburtstages. Seine langjährige Partnerin auf dem Eis war gekommen, Michael Mack hatte seinen besten Freund aus Amerika einfliegen lassen. Sehr emotional sei es gewesen ("really emotional"), erzählt Jenkins, "it was nice to finish my career in this way" – eine schöne Art und Weise seine Karriere zu beenden.

Der Arbeitsplatz von Ian Jenkins ist nicht mehr auf, sondern neben der Bühne und am Schreibtisch. Es war eine Umstellung für ihn, weg vom Artisten. Seit 2011 fungiert Ian Jenkins im Europa-Park als Direktor Entertainment, erst im vergangenen Jahr waren verschiedene Bereiche zusammengelegt worden, Jenkins ist jetzt der Chef von allem: "It definitely works better" ("Es funktionier besser.")

240 Artistinnen und Artisten aus 30 Ländern arbeiten unter ihm, dazu weitere 50 Personen für Technik, Kostüme und Bühnenbild. Er ist zudem für die Verpflichtung der Artisten zuständig, reist von Zirkusfestival zu Zirkusfestival und sitzt in zwei Jurys. Kontakte, die ihm und dem Europa-Park nutzen. "Er weiß, wie die Künstler ticken", sagt Michael Mack, "durch ihn ist der Europa-Park noch besser bekannt in der Szene und wir haben einen direkteren Draht zu den Künstlern." Für aktuell zehn Shows, die während der Sommersaison im Europa-Park laufen, zeichnet Ian Jenkins verantwortlich, von der Reitershow "Die Rache der Milady" in der Arena, über das Kindermusical "Der Gunkel" und die Abba-Show "Waterloo" bis hin zur täglichen Parade und natürlich zur Eisshow "Surpr’Ice – Going on Vacation". Im Kreis der Eiskunstläuferinnen und -läufer fühlt sich Jenkins sichtlich wohl, es ist sein ureignes Metier, das Eis! Seine spanische Frau Sandra ist immer an seiner Seite, hilft, unterstützt, berät. Ganz stolz zeigt Ian Jenkins den Delphin – eine Idee von ihm –, der in der Show eine besondere Rolle spielt. Was es damit auf sich hat, soll aber nicht verraten werden.

"Wir geben das Beste,

was wir können"

Ian Jenkins
Wenn Jenkins den Delphin präsentiert, dann blitzt sie wieder auf – seine "passion", die offensichtliche Lust an dem, was er macht. "We give the best we can do" – "Wir geben das Beste, was wir können" –, sagt der 50-Jährige, "we have total dedication to work here", eine totale Hingabe. Gemeinsam mit seiner Frau, dem Team und de Familie Mack entwickelt Ian Jenkins neue Ideen, versucht neue Akzente zu setzen, die Shows weiterzuentwickeln und attraktiver zu machen. Er weiß: 80 Prozent des Europa-Park-Publikums kommt wieder, "und wir wollen nicht, dass unsere Gäste sagen: ’Es ist immer das Gleiche’". Ian Jenkins weiß die Familie Mack hinter sich, sie gebe ihm die Möglichkeit und die Freiheit, vorwärts zu gehen. "The family gives me the opportunity to live a dream" – "die Familie Mack gibt mir die Gelegenheit einen Traum zu leben".

Weitere Berichte, Informationen, Fotos und Videos rund um den Europa-Park gibt es im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de/europa-park-rust