Schallstadt

Initiative Bike Bridge bringt geflüchteten Frauen das Radfahren bei

Miriam Theilacker

Von Miriam Theilacker

Sa, 01. September 2018 um 08:47 Uhr

Schallstadt

BZ-Interview mit Lina Bayrouti, die ab Mitte September mit geflüchteten Frauen in Schallstadt das Radfahren übt, um die Mobilität der Frauen zu erhöhen und um für ein Stück Unabhängigkeit zu sorgen.

Radfahren verlernt man nicht, heißt es so schön – aber was, wenn man es noch nie konnte? Bei vielen geflüchteten Frauen ist das der Fall. Dabei erhöht Radfahren die Mobilität, die den Frauen wiederum ein Stück Unabhängigkeit beschert. Auf dieser Idee aufbauend, gründete sich die Initiative Bike Bridge, die Fahrradkurse für Flüchtlingsfrauen anbietet. Lina Bayrouti, Gründerin der internationalen Teestube in Schallstadt, hat das Projekt in ihren eigenen Ort geholt. Mit Miriam Theilacker sprach sie über ihr Training und soziale Integration.

BZ: Frau Bayrouti, um was geht es bei dem Projekt Bike Bridge?
Bayrouti: Es ist wichtig, geflüchtete Frauen stark zu machen und ihnen ein bisschen Sicherheit zu geben. Es gibt so viele talentierte Frauen, die ihren Weg finden und richtig arbeiten wollen, wenn sie fertig mit dem Sprachkurs sind. Ein Fahrrad zu haben und einfach losfahren zu können, ist ein Zeichen der Freiheit, Mobilität und Sicherheit. Die meisten saßen in ihrer Heimat noch nie auf einem Fahrrad. Hier lernen sie Radfahren und üben nebenbei Deutsch, indem sie mit ihren Trainerinnen sprechen. Außerdem lernen sie auch die Umgebung kennen. So können sie später mit den Kindern Ausflüge machen und einfach mal losgehen, um Orte zu erkunden. Sie lernen auch, Fahrräder zu reparieren, damit sie später mal einen Reifen wechseln können.

"Ein Fahrrad zu haben und einfach losfahren zu können, ist ein Zeichen der Freiheit, Mobilität und Sicherheit."

BZ: Wie kam es dazu, dass es jetzt in Schallstadt einen Kurs gibt?
Bayrouti: Die Initiative Bike Bridge hat bereits Kurse in Freiburg angeboten. Vor ein paar Monaten habe ich davon gehört. Ich habe nachgefragt, ob wir dieses Projekt auch in Schallstadt machen können. Die Teilnehmerliste habe ich dann in die internationale Teestube mitgebracht und innerhalb kürzester Zeit standen 17 Namen auf der Liste. Wir starten den Kurs mit zehn bis zwölf Teilnehmerinnen für sechs Wochen. Wenn das Projekt gut läuft, wollen wir es nochmal anbieten. Bei den Frauen gibt es großes Interesse.

BZ: Wie laufen die Kurse ab?
Bayrouti: Der Kurs beginnt am 18. September. Wir fangen mit der Theorie an und ich übersetze für die Frauen. Dann üben wir zweimal die Woche langsam mit dem Fahrrad auf dem Schulhof der Johann-Philipp-Glock-Schule und in Schallstadt. Später verlassen wir vielleicht Schallstadt und fahren raus auf die Felder. Wir schauen mal, wie sicher die Frauen dann auf dem Fahrrad sind. Für mich ist es wichtig, die Verbindung untereinander durch Ausflüge zu stärken. Wir fahren einfach los und erkunden verschiedene Orte.

BZ: Dürfen zu dem Kurs auch Männer kommen?
Bayrouti: Nein, er richtet sich nur an Frauen. Die internationale Teestube in Schallstadt besuchen auch nur Frauen. Das Projekt Bike Bridge richtet sich bei uns in erster Linie an diese Frauen aus der Teestube. Sollten Plätze frei bleiben, ist aber jeder willkommen, auch Frauen, die außerhalb von Schallstadt leben. Das ist kein Problem.

"Wir fahren einfach los und erkunden verschiedene Orte."

BZ: Wie können Bürger das Projekt unterstützen?
Bayrouti: Wir suchen noch Trainerinnen, die den Frauen bei den ersten Übungen auf dem Fahrrad helfen. Viele sind unerfahren und haben daher Angst. Für jede Teilnehmerin brauchen wir deshalb eine Helferin, die sie unterstützt. Bis jetzt habe ich auch nur ein Fahrrad, ein anderes ist kaputt. Ich bin nach wie vor auf der Suche, wir benötigen noch elf weitere Räder.
Zur Person

Lina Bayrouti, gebürtige Libanesin, lebt seit knapp 15 Jahren in Schallstadt und setzt sich dort für geflüchtete Frauen ein. Seit fast drei Jahren leitet die 47-Jährige die internationale Teestube in Schallstadt und trifft sich dort jeden Mittwoch mit momentan 28 Frauen aus verschiedenen Ländern. Gemeinsam mit der Initiative Bike Bridge bietet sie ab Mitte September nun auch einen Fahrradkurs für die Frauen mit Migrationshintergrund an.

Das Mut-Projekt des Dachverbands DaMigra fördert die Initiative Bike Bridge in Schallstadt und unterstützt Projekte, bei denen sich Frauen mit Migrationsgeschichte für geflüchtete Frauen einsetzen. Helfer als Trainerinnen oder mit Sachspenden können sich unter Tel. 0157/72000951 melden oder unter Frauenteestube-Schallstadt@gmx.de.

Informationen zum Projekt gibt es unter http://www.bikebridge.org