Schlafen in Gefrierräumen

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Di, 23. Januar 2018

Denzlingen

WIE WAR’S BEI...dem Vortrag von Arved Fuchs, der seit Jahrzehnten Grönland erforscht und jetzt in Denzlingen darüber berichtete?.

DENZLINGEN. 35 Jahre Abenteuer in Eis und Schnee hat Polarforscher Arved Fuchs hinter sich. Darüber spricht er im Rahmen des Mundologia-Festivals in Denzlingen mit interessierten und faszinierten Zuhörern. Unter ihnen ist unsere Autorin Sarah Schädler.

Das Publikum
Menschen jeglichen Alters strömen an diesem Sonntag ins Kultur- und Bürgerhaus. Gemeinsam ist ihnen ihre Abenteuerlust. Der Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen. Unbekannte Orte zu entdecken. Inspiration zu finden. Die zahlreichen Besucher lassen sich von Fuchs, den manche bereits kennen, in ein eher untypisches Urlaubsland entführen: nach Grönland.

Der Abenteurer
Braunes Sakko, blaues Hemd, legere Jeans. Wagnis sieht anders aus. Könnte man meinen. Doch als Fuchs anfängt zu sprechen, wird klar: der Mann ist Abenteurer, Forscher, Entdecker und vor allem: Nordpoljunkie. Sein Lieblingsziel ist die größte Insel der Welt: Grönland. Seit 35 Jahren bereist der National Geographic Autor die Polarregion. Er kennt Land und Leute. Weiß die Schönheit der rauen und kargen Insel zu schätzen. Liebt Eis, Kälte und die eindrucksvolle Natur der polaren Zonen. 1979 habe es ihn das erste Mal nach Grönland verschlagen. Ein vorsichtiges Kennenlernen sei diese Reise gewesen. Ein unaufgeregter erster Besuch. Aber einer, der es in sich hatte.

Die Vorbereitung
Eindrücklich schildert Fuchs, wie er sich in jungen Jahren auf die Rückkehr nach Grönland vorzubereiten versuchte. Sein individuelles Kälteverhalten und den Umgang mit der passenden Ausrüstung lernt Fuchs im Kühlhaus eines Schlachterbetriebs in Schleswig-Holstein. Coole Nächte habe er dort verbracht. "Das ein oder andere Mal begleitete mich ein Freund ins kühle Lager. Es war jedoch nie zweimal der Gleiche." Bilder auf der Leinwand zeigen Fuchs und seinen Begleiter in voller Montur im Schockgefrierraum sitzend. Im Hintergrund sind Schweinehälften zu sehen. Ein Lachen geht durchs Publikum. Es wird klar: Fuchs ist einer, der es wissen will. Und einer, der Ausdauer, Geduld und Gelassenheit mitbringt.

Das Land
Grönland sei wie eine Schüssel, in der sich ein Kuchen aus Eis befinde. "Die Gletscher sind der Zuckerguss, der sich über die Insel ergießt", erklärt Fuchs. Die Insel ist hauptsächlich von Inlandeis bedeckt. Die Küstenregionen sind eisfrei. Nur dort könne man leben. Fuchs zeigt Fotos von sich selbst mit schwerem Gepäck auf dem Rücken, wie er durch das Schneegestöber stapft. In die Landschaft reichende Fjorde. Kleine nebelverhangene Siedlungen mit bunten Häusern und freundlich dreinblickenden Menschen. Hochalpine Landschaften mit steilen Bergen. "Als würde man durch die Alpen segeln", erklärt der Abenteurer.

Mit Hilfe eindrucksvoller Fotos und spannender Filmsequenzen erzählt er von seinen Erlebnissen: den Begegnungen mit Mensch und Tier, seinen spektakulären Expeditionen. Dabei beschreibt der Entdecker, wie er sich in Zeiten vor GPS mit Hilfe astronomischer Navigation durch das Inlandeis schlägt. "Wir sind einfach losgezogen. Es galt, mit den Gegebenheiten klarzukommen, die Kälte zu akzeptieren, Widrigkeiten hinzunehmen und auch bei Begegnungen mit Eisbären cool zu bleiben."
Quo vadis Grönland?
Fuchs liebt Grönland. Die Natur und seine Menschen. Er will zum Schutz der fragilen Insel beitragen. Er spricht über seine Arbeit als Forscher. Wie schnell sich Flora und Fauna durch den Klimawandel verändern und welche Gefahren dies birgt. Dass der Lebensraum kleiner wird, Eisbären ertrinken oder keine Nahrung mehr finden.

"Grönland ist wie ein Ozeandampfer, der durch einen großen Sturm fährt und von einer uneinigen Mannschaft gelenkt wird", erklärt Fuchs. Mit einer Mischung aus Innovationsdenken und Traditionsbewusstsein sei es jedoch möglich, diesen Dampfer in fahrbare Gewässer zu lenken. Nur müsse dies bald geschehen, um die einzigartige Natur der arktischen Insel zu schützen. "Es geht uns alle etwas an", sagt Fuchs und bedankt sich für die Aufmerksamkeit.