"Einem Haus aus Stein ebenbürtig"

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Di, 11. September 2018

Schliengen

Im Eggenertal entsteht eines der ersten Holzmassivhäuser in der Region.

SCHLIENGEN-NIEDEREGGENEN (jut). Im Eggenertal wird eines der ersten Holzmassivhäuser in der Region gebaut. Bauherr ist Markus Rufer. Bauleiter ist Jürgen Keim, Zimmerermeister und Fachwirt für Holzbautechnik. Keim hat die Bauweise, die in Österreich schon viele Fans hat, auf Fachmessen und beim Studieren von Fachzeitschriften kennengelernt. Er ist überzeugt, dass ein Holzmassivhaus einem Ziegel- oder Steinmassivhaus ebenbürtig ist. Rufer ist ebenfalls von der Bauweise angetan. In zwei Tagen stand der Rohbau. Der kostet zwar ähnlich viel wie ein konventionelles Haus, aber die Folgearbeiten für Sanitär und Elektrik können schneller erledigt werden, "was wiederum Geld und Zeit spart", so Keim.

Bei einem Tag der offenen Tür am vorigen Wochenende stellte Keim das Haus im Rohbau vor. Wie gut das Holzmassivhaus in einer Gegend ankommt, in der derzeit viel gebaut wird, konnte Keim im Vorfeld nicht abschätzen und wurde regelrecht überrannt. 200 Bauinteressierte schauten vorbei.

"Viele Menschen beschäftigen sich mit Alternativen zum Fertighaus und zu konventionellen Bauweisen", erklärte Keim bei einem Gang durch den Rohbau. Auf einem Betonkeller steht das Holzmassivhaus mit Platz auf rund 200 Quadratmetern. Wer das Wort Holzhaus hört, denkt zwar an angenehmes Wohnklima und die klimaschonende Speicherung von CO2, allerdings nicht unbedingt an die Eigenschaft "massiv". Denn "Holz enthält eine bestimmte Menge an Wasser, auch wenn es für die Verarbeitung auf einen Rest an Feuchte von etwa fünf Prozent getrocknet wird", führt Keim aus. Holz kann aufgrund von Feuchtigkeit an Breite zum Beispiel bis zu ein Prozent zulegen oder auch abnehmen, längs zur Holzfaser bleibt die Struktur dagegen fast gleich.

Holz aber kann man so leimen, dass eine massive Struktur entsteht. "Der Trick ist, das Holz für einen Balken in fünf Schichten aus Längs- und Queranteilen zusammenzufügen. Damit hebt sich die Dehnungsproblematik auf, das natürliche Baumaterial wird genau so fest wie ein Betonstein", sagt Keim und zeigt auf einen noch offen liegenden Balken. Es entstehen zehn Zentimeter dicke Wände, die außen noch mit Dämmung und Verputz und innen mit Rigips verkleidet werden. Durch die geringere Wanddicke gewinnt man als Nebeneffekt mehr Wohnraum, zieht der Zimmermeister ein Fazit. Noch ein Vorteil: In der Herstellung können die Schächte für Kabel vorgefräst werden; der Elektriker "ist hier in zwei Tagen durch."

Wie steht es denn mit dem Brandschutz? Keim ist Feuerwehrmann und kennt sich aus: "So dichtes Holz braucht lange bis es durchkohlt – jeder Feuerwehrmann geht notfalls noch in ein Haus mit kohlenden Balken; bei Eisenträgern sind wir vorsichtig, die verformen sich ganz schnell", erklärt er.

"Im November können wir hoffentlich einziehen, der Hausbau ging insgesamt richtig schnell", freut sich Rufer.