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22. September 2008 17:13 Uhr

Regionalverband spricht von einem "Ausschlussgebiet"

Windkraftanlagen auf dem Blauen sind kein Thema

Ausgerechnet die Kanderner Grünen haben den Hochblauen als Standort für Windkraftanlagen zuletzt wieder ins Gespräch gebracht. Der Regionalverband Hochrhein-Bodensee sagt ganz klar "Nein" dazu.

  1. „Der Blauen ist Ausschlussgebiet für Windkraftanlagen“, sagt der Regionalverband Foto: dpa

  2. Windkraftanlagen auf dem Blauen? Kein Platz, sagen die einen… Foto: Bernd Michaelis

  3. … geht nicht, wegen des Naturschutzes, sagen die anderen. Foto: Michaelis/  Elchle

SCHLIENGEN. Eine gesetzliche Privilegierung nimmt dem Gemeinderat das Recht, Windräder grundsätzlich abzulehnen. Vor diesem Hintergrund trat vor ziemlich genau fünf Jahren der Schliengener Umweltausschuss die Flucht nach vorne an und gab eine umfassende Analyse für die Ausweisung von möglichen Windkraft-Standorten in Auftrag. Heute ist die Aufstellung von Windrädern in der Gemeinde kein Thema mehr. Solche sind laut Teilregionalplan des Regionalverbandes Hochrhein-Bodensee auf Schliengener Gemarkung gar nicht vorgesehen.

Immer wieder war in jüngster Vergangenheit vom Blauen als Vorranggebiet für regional bedeutsame Windkraftanlagen zu lesen. Die Rede war dabei aber vom Zeller Blauen, dem Hausberg der Gemeinde Zell im Wiesental. Auf ihm direkt sollen sich zwar auch keine Rotoren drehen, aber südwestlich davon, auf dem Höhenrücken Frommersried.

Verwirrung gestiftet hatten dieser Tage auch die Grünen im Kanderner Gemeinderat, die "Experten" mit der Aussage ins Feld führten, dass, anders als der mehrheitlich abgelehnte Munzenberg, der Hochblauen ein "sehr guter" Standort sei. Dort könnten mit nur drei Windrädern der Sechs-Megawatt-Klasse zusammen pro Jahr rund 60 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden.

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Als sich kürzlich der Schliengener Gemeinderat nach Jahren erneut mit dem Thema befasste, war dies eher ein formaler Akt. Es ging um eine Stellungnahme zum Entwurf des "Teilregionalplanes Windenergie 2008", zu dem innerhalb des Planungsprozesses auch die Gemeinden im Einzugsgebiet des Regionalverbandes Hochrhein-Bodensee angehört werden. Im vorliegenden Entwurf sind, wie es ausdrücklich heißt, "keine Gebiete der Gemarkungen der Gemeinde Schliengen als Vorranggebiete für regional bedeutsame Windkraftanlagen ausgewiesen".

Auch für die Gemeinde Malsburg-Marzell sind Windkraftanlagen auf dem Blauen kein Thema. Der Blauen sei dafür zwar einmal im Gespräch gewesen, weil auf dem Gipfel selbst bei sommerlicher Hitze ein Wind weht, sagte Bürgermeister Dieter Schwald gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine Gemeinde habe im Zuge der Anhörung aber nicht einmal Stellung genommen, weil die Aufstellung von Windrotoren auf dem Malsburg-Marzeller Gemarkungsanteil an der Gipfelregion schlicht unmöglich sei. Der wird nämlich zu einem großen Teil bereits vom neuen Blauen-Turm mit seinen Richtfunk-Verbindungen belegt und zu 25 Prozent vom alten Blauen-Turm. Die restlichen 75 Prozent (Schwald: "Ein Fuß gehört mir") stehen auf Badenweiler Gemarkung.

Aber auch im Kurort stehen Windkraftanlagen auf dem Blauen nicht zur Debatte. Der Regionalverband Südlicher Oberrhein, der für die im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gelegene Kurgemeinde zuständig ist, kann ein solches Ansinnen in letzter Zeit auch nicht geäußert haben: Seine Windkraft-Rahmenplanung ist seit langem abgeschlossen – ohne Rotoren auf dem Blauen. Bürgermeister Karl-Eugen Engler wusste denn auch gestern gar nichts von solchen Überlegungen.

In Naturschutzgebieten ist das Aufstellen von Windrädern nicht möglich. Erschwert, aber nicht unmöglich ist es grundsätzlich in Landschaftsschutzgebieten. Nicht aber am Blauen. "Für das dortige Landschaftsschutzgebiet, kann das Landratsamt Lörrach keine Befreiung für Windanlagen in Aussicht stellen", teilte Planer Peter Stave vom Regionalverband Hochrhein-Bodensee gestern auf Anfrage dazu mit.

Auf dem Blauen herrsche mit Durchschnittswerten von über 7,6 Metern pro Sekunde "absolut der meiste Wind" auf Schliengener Gemarkung, hatte Planerin Edith Schütze 2003 festgestellt. Bürgermeister Bundschuh indes war sich schon damals sicher, dass die Auflagen des 1984 ausgewiesenen Landschaftsschutzgebietes genügen, um Windräder vom Blauengipfel fern zuhalten.

Das sieht auch der Regionalverband Hochrhein-Bodensee so. "Der Blauen ist Ausschlussgebiet für Windkraftanlagen" stellte Peter Staven gestern unmissverständlich fest. Hier gibt es, wie übrigens auch am Zeller Blauen, eine Auerwild-Population. Diese nimmt, so Förster Patrick Tröndle zwar ab, doch würden immer wieder einzelne Vögel gesichtet. Auch das scheue Haselwild (die kleineren Verwandten des Auerhuhns) kommt in der Gipfelregion vor.

Die Forstverwaltung bemüht sich derzeit darum, die Biotopstrukturen zu schaffen, beziehungsweise zu erhalten, die für diese Vögel wichtig sind: gute Start- und Aufbaum-Flächen sowie lebenswichtige Heidelbeer-Bestände.

Autor: Bernd Michaelis