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14. Mai 2013

Auf dem Weg zum Naturparkdorf

Die Grünen-Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich und Reinhold Pix weilen zu einem Abgeordnetengespräch im Naturcamp Aha.

  1. Diskutieren über Naturparkdorf Foto: Ralf Morys

SCHLUCHSEE. Das Naturcamp in Aha am Schluchsee wird seit sieben Jahren vom Verein Natur für alle getragen und möchte sich zu einem Naturparkdorf weiterentwickeln. Robert Eisl, der das Naturcamp leitet, möchte dafür keinen großen Investor gewinnen, der das Camp mit viel Geld schnell umwandelt, sondern legt Wert darauf, dass sich alles selbst entwickeln muss. Die Wege und mögliche Förderungen dafür waren gestern Gesprächsthema beim Besuch der beiden Grünen Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich und Reinhold Pix.

An dem zweieinhalbstündigen, von Gabriele Hartmann, Projektkoordinatorin Lebensraum für alle, moderierten Gedankenaustausch, nahmen auch Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald, Schluchsees Bürgermeister Jürgen Kaiser und Jürgen Blumenberg, Vorsitzender der Freiburger Straßen-Schule sowie Franz Schreier von der Firma EBF teil.

Im vergangenen Sommer war Bärbl Mielich erstmals Gast im Naturcamp in Aha und sofort von den Grundgedanken angetan und vom ganzheitlichen Konzept fasziniert. Wie mit den Themen Natur, Jugendarbeit und Barrierefreiheit gearbeitet und umgegangen wird, weckte das Interesse der Landtagsabgeordneten, die Soziales zu ihrem Schwerpunkt gemacht hat. Zusammen mit ihrem Fraktionskollegen Reinhold Pix, hiesiger Wahlkreisabgeordneter und tourismuspolitischer Sprecher seiner Fraktion, kam sie gestern zum Abgeordnetengespräch nach Aha.

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FrapsDorf heißt der Projektname, der das Camp in ein Naturparkdorf umwandeln soll. Fraps sind die Anfangsbuchstaben der Namen der Ideengeber hinter diesem Projekt, erläuterte Rudolf Eisl eingangs. Ziel sei es, ein Dorf zum Leben zu schaffen, in dem Lebensmittel erzeugt und der Gastronomie angeboten werden. Das Naturparkdorf soll die Kreisläufe des Lebens darstellen, die es im großen Leben nicht mehr gibt oder von diesem durchschnitten werden. In solch einem Dorf könnte Kunst gezeigt und geschaffen werden. Aus Verkauf und Verleih von Fahrrädern beispielsweise könnte Geld generiert werden. Tiere soll es geben wie auch Möglichkeiten für Leben und Arbeiten.

Weitere Themenbereiche, die sich in solch einem Dorf finden lassen, sind Gesundheit, Entspannung, Begegnung, Bewegung, Energie und Unterkünfte. Dies alles lasse sich aber nicht von heute auf morgen umsetzen, sondern es müsse sich entwickeln, um nachhaltig zu sein.

Der Vorsitzende der Freiburger Straßenschule, Jürgen Blumenberg meinte, "anders zu sein ist normal". Kein Naturparkdorf gleiche dem anderen, sie sind über regionale Entwicklungsimpulse verbunden. Das gleiche Projekt am Kirnbergsee sei schon weiter, Bräunlingens Bürgermeister Jürgen Guse, fehlte leider in der Runde, merkte Blumenberg an. Die Projekte gelte es zu vernetzen, und für einen geordneten Start zu sorgen. Ein Naturparkdorf harmonisiere Natur und Technik und es würden landwirtschaftliche und gastronomische Dinge geschaffen. Um die Nachhaltigkeit zu erreichen, müsse die Bevölkerung gewonnen werden.

Viele Förderquellen bergen Gefahr des Verzettelns

Der Naturpark Südschwarzwald sei eine Impulsregion, schickte Geschäftsführer Roland Schöttle voraus. 103 Städte und Gemeinden, sowie fünf Landkreise liegen im Naturparkgebiet. Für diese Region können jährlich 650 000 Euro an Fördermittel bereitgestellt werden. Jüngste Beispiele für Förderungen sind Bienenweiden, an denen sich 30 Gemeinden beteiligen oder die Eröffnung des Schwarzwälder Genießerpfades am 9. Juni. Er könne sich gut vorstellen, dass in solch einem Naturparkdorf sich eine Käserei mit Schaukäserei entwickeln und auch eine Schwarzwälder Baukultur geschaffen werden könnte.

An die Landespolitiker gerichtet kritisierte Schöttle mit Blick auf verschiedenste Förderquellen, dass man sich leicht verzetteln könne. Eine Region sollte auch eine Strategie fahren. Schöttle regte die Schaffung eines Förderkompetenzzentrums an, das mögliche Zuschüsse abschöpfen könnte.

Schluchsee liege im Herzen des Naturparks, begann Bürgermeister Jürgen Kaiser seine Ausführungen. Natur und Tourismus sind eng verbunden, wobei bei 37 Einwohnern pro Quadratkilometer genügend Natur vorhanden sei. Die Seegemeinde gehe einem sehr sensiblen Tourismus nach und setze auf Sport. "Die Gemeinde Schluchsee ist zu 100 Prozent vom Tourismus abhängig. Er ist die Lebensader der Gemeinde", so Kaiser. Die Übernachtungszahlen liegen jährlich zwischen 500 000 und 550 000 Übernachtungen.

Schluchsee setzt ganz auf die Barrierefreiheit

Eine weitere feste Größe stelle die Barrierefreiheit dar, betonte Kaiser und nannte den Seerundweg, der ohne Höhenmeter angelegt ist, als ein Beispiel. Keine Barrieren gebe es auch nach dem Umbau des Sanitärgebäudes sauf dem Campingplatz mehr und auch der Krummensteg, der gebaut werde, sei barrierefrei konzipiert. In Aha können auch Menschen mit Behinderungen segeln gehen. Was noch fehle, sei ein barrierefreies Rundfahrtschiff. Schluchsee setzte bei allem auf Qualität und nicht auf Quantität. So gebe es mittlerweile auch weniger aber dafür bessere Wanderwege. Gleichzeitig habe man so der Natur auch zu Rückzugsgebieten verholfen. Dem weiteren Weg des Naturcamps stehe die Gemeinde positiv gegenüber, so Kaiser.

Das Schlusswort sprach Landtagsabgeordneter Pix. Häufig diskutiere er mit Bärbl Mielich darüber, wohin das noch vorhandene Geld fließen solle. In Soziales oder den Ländlichen Raum stärken. Bei dem hier Gehörten könne man sagen, beides gehöre zusammen. Den Ländlichen raum dürfe man nicht ausbluten lassen, hier wollen die Grünen gegensteuern, auch wenn dies die SPD als Koalitionspartner bisweilen anders sehe, was die Zukunft mancher Schwarzwaldtäler angehe. Der ganzheitliche Ansatz, als Leitmotiv des politischen Handelns sei gut herausgestellt worden. Der Tourismus verfüge noch über Fördermittel, wie es sie sonst nirgends mehr gebe. Pix wünschte Schluchsee dabei eine Leuchtturmfunktion. Campleiter Eisl meinte, man werde auf den Weg eines anstrengenden Prozesses zum Naturparkdorf gehen.

Autor: Ralf Morys