Kirchenlegende

Hat der Nikolaus einst am Schluchsee gewirkt?

Friedbert Zapf

Von Friedbert Zapf

Mi, 06. Dezember 2017 um 18:04 Uhr

Schluchsee

Laut Legende soll der heilige Nikolaus Schluchsee genauso schnell wieder verlassen haben, wie er kam. Sein Gewand hat er angeblich zurückgelassen. Was es mit der Geschichte auf sich hat:

Der heilige Nikolaus ist Kirchenpatron der Pfarrkirche in Schluchsee. Er lebte als Bischof der Hafenstadt Myra zur Zeit der Christenverfolgungen und starb an einem 6. Dezember um das Jahr 350. Man nimmt an, dass der Heilige in Schluchsee war. Ein angeblich von ihm getragenes Messgewand war bis 1574 in der Kirche St. Nikolaus ausgestellt.

Kaiserin Theophanu löste um das Jahr 1000 eine Welle der Nikolausverehrung aus. Aufgrund vieler Wundertaten wurde Nikolaus zum Schutzpatron und Nothelfer für Gefangene, Kinder, Schüler, Kaufleute, Seefahrer und Bäcker. Meist wird Bischof Nikolaus mit Evangelienbuch und drei goldenen Kugeln dargestellt. Sie erinnern daran, dass er einen verarmten Mann mit drei Goldklumpen davon abbringen konnte, seine drei Töchter als Prostituierte zu verkaufen.

Legende erzählt von der guten Tat am Schluchsee

Der heilige Nikolaus ist nicht nur Kirchenpatron von Schluchsee, nein, er soll auch persönlich dort gewesen sein – erzählt eine Legende. Sein angebliches Erscheinen fällt in die Frühzeit des Klosters St. Blasien, das im Jahr 858 erstmals nachweislich erwähnt wird. Die Mönche von St. Blasien begannen im 14. Jahrhundert die Gründungsgeschichte des Klosters zu schreiben. Im "Liber constructionis", einer Art Chronik, haben die Schreiber auch Mythen und Legenden aufgenommen. Das "Freiburger Diöcesanarchiv" (1874) berichtet dazu: "Nach der alten sanctblasischen Hauschronik lebten seit dem achten Jahrhundert an verschiedenen Orten des Albgebietes weltverachtende Eremiten in Felsgrotten und Erdhöhlen. Mancher erlag einer so harten und ärmlichen Lebensweise, wurde krank und starb hilflos dahin."

Und in diesem Kontext wird im "Liber constructionis" auch die Schluchseer Nikolauslegende erzählt: "Danach war zur Zeit des Abtes Rusten (1108-1125) ein Laienbruder von St. Blasien nach Schluchsee gegangen. Unterwegs fand er in einer Höhle menschliche Gebeine, die er christlich beerdigen lassen wollte. Deshalb eilte er nach St. Blasien, um einen Priester zu holen, traf aber unterwegs auf einen fremden Geistlichen, der bereit war, die Totenmesse zu lesen. Danach war der Fremde plötzlich verschwunden, nur sein Messgewand blieb zurück. Alsbald nahm man an, dass es sich bei dem geheimnisvollen Unbekannten nur um den heiligen Nikolaus gehandelt haben könnte." (Zitiert aus "Das tausendjährige St. Blasien", 1983).

Nikolaus’ Messgewand soll Besessene geheilt haben

Das angeblich zurückgebliebene Messgewand gab es wirklich. Laut "Liber constructiones" wurde das Gewand im 14. Jahrhundert in der Schluchseer Kirche aufbewahrt. Und das Messgewand soll wundertätig gewesen sein, das Auflegen des Stoffes soll Krankheiten geheilt haben. Besonders wirksam habe es gegen "Besessenheit" gewirkt.

1574 gelangte das Gewand in die dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche von Lausheim bei Stühlingen. Das Messgewand wurde – wohl um 1638 – von Lausheim in das zu St. Blasien gehörende Priorat Wislekofen in der Schweiz weitergereicht. Über St. Paul (1809) kam es ins österreichische Museum für angewandte Kunst in Wien. Auf dem Messgewand aus dem 13. Jahrhundert sind 27 ausdrucksstarke Szenen aus dem Leben des heiligen Nikolaus in feiner Seidenstickerei dargestellt.

Rätselhaftes Zeichen am Turm der Nikolaus Kapelle

In Schluchsee ist bereits 1095, auf dem Höhepunkt der Nikolausverehrung, eine dem Nikolaus geweihte Kapelle erwähnt. Sie stand mit ziemlicher Sicherheit auf dem Felssporn Amalienruhe. Die Vorgängerin der Pfarrkirche wurde 1253 errichtet, der heute noch erhaltene Turm um 1275. Er weist eine rätselhafte Inschrift auf. Sicher entziffert ist die Zahl 1544, das Jahr der Turmerhöhung. Sicher ist auch, dass der Krummstab nicht auf Bischof Nikolaus hinweist, sondern auf den Abt von St. Blasien. Unklar ist noch das an das Kreuz anlehnende "L". Dieses Zeichen taucht auch an anderer Stelle am Turm auf und gibt noch Rätsel auf.