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16. Juni 2012 14:34 Uhr

Katholische Kirche

Schockenhoff: "Ich habe noch nie jemandem die Kommunion verweigert"

Von ihrem Seelsorge-Auftrag her dürfe die katholische Kirche jene Menschen nicht sakramental ausgrenzen, die ein zweites Mal verheiratet sind, fordert Eberhard Schockenhoff.

  1. Eberhard Schockenhoff Foto: Veranstalter

Vor dem Hintergrund der Aktion von knapp 200 Priestern und Diakonen der Erzdiözese Freiburg, die gegen geltendes Kirchenrecht handeln, sprach Gerhard Kiefer mit dem Moraltheologen.



BZ: Herr Schockenhoff, Erzbischof Robert Zollitsch hat vor dem Papstbesuch in Freiburg auf die Patchwork-Familie des damaligen Bundespräsidenten Wulff hingewiesen und gefordert, seine Kirche solle mit geschiedenen und wieder verheirateten Katholiken "barmherzig" umgehen. Tragen Sie seinen Impuls mit?
Schockenhoff: Voll und ganz. Das ist ja auch der Beweggrund der Priester und Diakone, die Erzbischof Zollitsch öffentlich in diesem Anliegen unterstützen.
BZ: Erzbischof Périsset, der Apostolische Nuntius in Berlin, hat Zollitsch harsch widersprochen: "Die Lehre ist klar und mit Änderungen ist nicht zu rechnen". Keine Hoffnung auf Gnade vom Vatikan?
Schockenhoff: Dieser Schnellschuss hat die theologische Debatte um die wiederverheirateten Geschiedenen und ihre angemessene seelsorgerliche Behandlung nicht beendet. Seine harsche Antwort bleibt weit hinter der Differenziertheit zurück, mit der Papst Benedikt jüngst beim Welttreffen der katholischen Familien in Mailand das Problem beschrieben hat.

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BZ: Dem Evangelisten Matthäus zufolge hat Jesus gesagt, der Mensch dürfe nicht trennen, was Gott verbunden hat. Darauf berufen sich die Kirchenrechtler.
Schockenhoff: Die Botschaft Jesu ist von einer großen inneren Weite bestimmt. Man muss deshalb seine Verkündigung und zugleich seine Praxis sehen. Jesus hat die Unauflöslichkeit der Ehe als Willen Gottes gelehrt, aber er hat auch Sündern, darunter der Ehebrecherin, bedingungslos Vergebung zugesagt. Ihre Treue zum Wort Gottes muss die Kirche in ihrer seelsorgerlichen Praxis ebenso abbilden wie ihre Versöhnungsbereitschaft.
BZ: In Ihrem Buch "Chancen zur Versöhnung " (Herder, 2012) bezweifeln Sie nicht, dass Jesus die Unauflöslichkeit der Ehe verfügt hat. Und Sie betonen, "Barmherzigkeit" dürfe "das Weichspülen moralischer Normen nicht rechtfertigen". Aber dann interpretieren Sie das Sakrament Eucharistie auch als Zeichen der Versöhnung geschiedener und wieder verheirateter Katholiken mit ihrer Kirche.
Schockenhoff: Die Lehre der Kirche von der Unauflöslichkeit der Ehe steht in keiner Weise zur Disposition. Es ist klar, dass Scheidung und Wiederheirat nur mit Rücksicht auf die menschliche Schwäche und die Verstrickung der Partner in menschliche Schuld toleriert werden können. Es genügt jedoch nicht, nur die Ausweglosigkeit einer solchen Situation zu beklagen. Vielmehr muss die Kirche Gläubigen, die durch eigene Schuld oder unverschuldet in diese Situation geraten sind, einen Weg zur Versöhnung mit ihrer Lebensgeschichte aufzeigen.
BZ: Wie halten Sie es, wenn Katholiken, um deren Zweitehe Sie wissen, Sie um die Hostie bitten?
Schockenhoff: Ich habe noch nie jemandem die Kommunion verweigert.
BZ: Die Aktion im Erzbistum Freiburg und anderen Diözesen und vor allem der Aufruf zum Ungehorsam im österreichischen Klerus gegen starre Festlegungen der Amtskirche: Verhärtet das die Fronten zwischen dem Papst und den "Ortskirchen" – oder befördern Aktionen wie diese das Nachdenken auch im Vatikan?
Schockenhoff: In der Erzdiözese Freiburg herrscht ein vertrauensvolles Miteinander zwischen Diözesanleitung und Priestern. Die Unterzeichner des Aufrufs verfolgen das gleiche Ziel wie Erzbischof Zollitsch. Papst Benedikt forderte in Mailand die Priester auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um wiederverheirateten Gläubigen deutlich zu machen, dass die Kirche ihnen mit Respekt, Achtsamkeit und Liebe begegnet. Deshalb fordern die Unterzeichner und weitere Priester, dass die Kirche den von vielen bereits praktizierten Weg, wiederverheiratete Gläubige nicht von der Kommunion auszuschließen, offiziell unterstützt.
BZ: Resultiert dieser Konflikt nicht auch aus der Tatsache, dass der Vatikan der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer vor 40 Jahren in Würzburg bis heute jede positive Reaktion verweigert?
Schockenhoff: Das fortgesetzte Nein aus Rom führt zu einer Selbstisolation des Lehramtes in der Kirche. Indem sich Rom der Suche nach drängenden Lösungen verweigert, begibt es sich auch der Möglichkeit, Einfluss auf die seelsorgerliche Praxis vor Ort zu nehmen. Im Übrigen hat vor 40 Jahren der damalige Professor Ratzinger die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten auf einem außergerichtlichen Weg mit dem Argument befürwortet, dieses läge voll und ganz auf der Linie der kirchlichen Überlieferung.

– Eberhard Schockenhoff (59) ist Prodekan der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, an der er seit 1994 lehrt. Seit 1978 ist er Priester.

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Autor: kie


15 Kommentare

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Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

16. Juni 2012 - 15:17 Uhr

Hat Jesus eigentlich irgendjemand ausgegrenzt?

Meines Wissens nicht!

Gut, er hat die Geldwechsler aus dem Tempel geworfen. Aber nicht weil sie wiederverheiratete Geschiedene waren.

@ Herr Meierhofer

Bevor wieder ein Kommentar von Ihnen in Sachen Jesus kommt. Es spielt eigentlich keine Rolle ob Jesus gelebt hat oder nicht. (Ich glaube, dass er gelebt hat!) Er muss auf jeden Fall ein feiner Mensch gewesen sein, wenn auch nur in Erzählungen. Der Inhalt "seiner" Lehre zählt! Robin Hood hat auch nicht gelebt, aber als Junge wollte jeder so sein wie er!

Mark Twain sagte einmal über seine Helden Tom Sawyer und Huckleberry Finn, dass es diese Personen auch nicht gegeben hat, sie aber ein Abbild sind, von einigen Menschen die er gekannt hat.

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Anna Meier

Registriert seit: 24.09.2011

Kommentare: 24

16. Juni 2012 - 19:31 Uhr

Ich kann Ihnen nur zustimmen Herr Weingardt. Menschen werden ausgegrenzt, nur weil sie geschieden oder zum zweiten Mal verheiratet sind. Aber "Priester" und sonstige kirchliche Mitarbeiter, die sich an Kindern vergreifen, werden unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit beschützt. [ed.]

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

16. Juni 2012 - 20:02 Uhr

@ Frau Meier
>>"Aber "Priester" und sonstige kirchliche ..."

war ja klar, dass irgend jemand das noch bringt

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Anna Meier

Registriert seit: 24.09.2011

Kommentare: 24

17. Juni 2012 - 11:12 Uhr

@ Herr Huber

Ja und das ist auch gut so, denn auf diese dreckigen Machenschaften kann man nicht oft genug hinweisen!!!!!!!!!

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Michael Klug

Registriert seit: 10.11.2009

Kommentare: 454

17. Juni 2012 - 11:26 Uhr

@ Frau Anne Maier: Dann vergessen Sie bei Ihrem unsachlichen Rundumschlag gegen alle Priester und kirchlichen Mitarbeiter mal nicht die ganzen Übeltäter in staatlichen Einrichtungen und Schulen und vor allem nicht die ganzen Familien in denen das jeden Tag auch geschieht!Aber Sie gehören wohl auch zu denen die gerne auf 1 1/2 Augen blind sind!

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

17. Juni 2012 - 12:16 Uhr

@ Herrn Klug
Sie haben mir die Worte aus dem Mund genommen, danke

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Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

17. Juni 2012 - 12:21 Uhr

@ Herr Klug und Herr Huber

Nur weil "etwas" woanders auch passiert, ist es deswegen nicht weniger schlimm!

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Michael Klug

Registriert seit: 10.11.2009

Kommentare: 454

17. Juni 2012 - 12:32 Uhr

@Herr Weingardt: Das hat auch niemand behauptet, aber die Dame hat sich doch sehr einseitig eingeschossen, oder etwa nicht?!

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2039

17. Juni 2012 - 13:58 Uhr

Herr Schockenhoff sagt: "Jesus hat die Unauflöslichkeit der Ehe als Willen Gottes gelehrt, aber er hat auch Sündern, darunter der Ehebrecherin, bedingungslos Vergebung zugesagt." Das trifft völlig zu, implizert aber nicht die Erlaubnis einer zweiten Heirat. Jesus sagte zur Ehebrecherin: "Geh deines Wegs und sündige fortan nicht mehr."

Wenn meine Ehe scheitert, habe ich als Katholik verschiedene Möglichkeiten.
- Ich kann auf eine neue Heirat verzichten und zur Kommunion gehen.
- Ich kann wieder heiraten, der Kommunion fern bleiben und auf einen Clinch mit der Kirche verzichten - denn ich weiß, dass die Kirche mit gutem Grund an der Unauflöslichkeit der Ehe festhält und dies auch in ihrem Verhalten deutlich machen muss.
- Ich kann wieder heiraten und mit der Kirche hadern und von ihr die Zulassung zur Kommunion verlangen.

Ich staune immer wieder, dass Menschen, die genug Distanz zur Kirche haben, um das Verbot der Wiederverheiratung abzulehnen, unbedingt zur Kommunion wollen. Da scheint mir etwas nicht zu passen.

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Egon Mayer

Registriert seit: 30.06.2010

Kommentare: 1485

17. Juni 2012 - 14:01 Uhr

@Martin Mattmüller
Darüber habe ich mich auch schon gewundert. Und kann es nicht nachvollziehen.

Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass die Freigeister für sich alle Rechte in Anspruch nehmen, aber auf die Pflichten herzlich pfeifen.

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Kai Fischer  

Kai Fischer

Registriert seit: 17.09.2009

Kommentare: 1187

17. Juni 2012 - 14:32 Uhr

Herr Mattmüller und Herr Mayer,

darüber wundere ich mich allerdings auch, und am 7. Juni um 12:57 Uhr habe ich diese Verwunderung unter
http://www.badische-zeitung.de/ehrenkirchen/warum-pfarrer-malzacher-das-memorandum-unterschrieben-hat--60348639.html
so formuliert:

"Es fällt mir wirklich schwer nachzuvollziehen, warum Menschen, die von einer Institution diskriminiert werden, Wert darauf legen, von genau dieser Institution wieder aufgenommen und gesegnet zu werden.
Mir persönlich kommt das fast masochistisch vor: Wer möchte schon darum betteln, von der Hand gestreichelt zu werden, die einen zuvor geschlagen hat? Was für eine Selbsterniedrigung!
An der Stelle dieser Menschen würde ich mich ein für allemal von der besagten Institution loslösen. Man hat doch seine Würde zu wahren!"

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2039

17. Juni 2012 - 15:32 Uhr

Herr Fischer, sie fragen: "Wer möchte schon darum betteln, von der Hand gestreichelt zu werden, die einen zuvor geschlagen hat?" Ich frage zurück: Wo wird da jemand geschlagen? Wer sich wiederverheiratet, weiß genau, dass er sich damit vom Kommunionempfang ausschließt. Die Wiederverheiratung wird da für wichtiger als der Kommunionempfang angesehen.

"An der Stelle dieser Menschen würde ich mich ein für allemal von der besagten Institution loslösen." In den Fällen, wo die Leute mit der katholischen Kirche gar nichts anfangen können, das Frauenpriestertum wollen, den homosexuellen Pfarrer mit Partner im Pfarrhaus haben wollen, das Zölibat abschaffen wollen usw. - solchen Gläubigen empfehle ich auch, sich von der kath. Kirche zu trennen und dahin zu gehen, wo es das alles gibt: in die EKD.

Ich gehe doch auch nicht in die CDU oder bleibe darin, wenn ich Anhänger der Linken bin. (Außer wenn ich von Sendungsauftrag beseelt bin, die Partei von innen her abzuwickeln.)

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Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

17. Juni 2012 - 15:43 Uhr

@ Martin Mattmüller

Vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Jetzt verstehe ich auch warum Herr Sarrazin in der SPD ist und Parteimitglied bleiben will!

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2039

17. Juni 2012 - 17:46 Uhr

Herr Weingardt,

Thilo Sarrazin ist nicht gläubig und hat mit der Kirche nichts am Hut. Daher macht er auch keine Reformvorschläge bzgl. Zölibat, Frauenpriestertum usw. Das finde ich konsequent, davor ziehe ich den Hut. Mit der Zukunft Deutschlands hat er etwas am Hut, daher seine Kritik an Multikulti und dem Euromanagement.

Herr Fischer,

ich denke doch, dass es Netzseiten gibt, wo auch Ihre Meinung noch unmittelbarer abgebildet ist als in der BZ.

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

18. Juni 2012 - 08:35 Uhr

@ Herr Mattmüller
>>"In den Fällen, wo die Leute mit der katholischen Kirche gar nichts anfangen können, das Frauenpriestertum wollen, den homosexuellen Pfarrer mit Partner im Pfarrhaus haben wollen, das Zölibat abschaffen wollen usw. - solchen Gläubigen empfehle ich auch, sich von der kath. Kirche zu trennen und dahin zu gehen, wo es das alles gibt: in die EKD."

hierin stimme ich Ihnen voll zu.

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