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21. Juni 2014

Duftende Seifen vom Hinterwälder

Michaele Behringer hat sich in die Kunst des Seifensiedens eingearbeitet / Milch der eigenen Kühe als besondere Zugabe.

  1. Michaele Behringer in der Seifenrührküche. Foto: anja Bertsch

  2. Duftnoten: Die Behringer-Seifen gibt es in zahlreichen Varianten. Foto: Anja Bertsch

SCHÖNAU. Die Hinterwälder Kuh als Käse-, Fleisch-, und Wurstlieferant ist bekannt. Milchseifen als Hinterwälder-Produkt hingegen sind einzigartig – hergestellt in der Seifenrührküche von Michaele Behringer in Schönau-Brand, heiß begehrt auf den Naturpark- und Handwerkermärkten in der Region.

"Zur Seifensiederei kam ich wie die Jungfrau zum Kinde", erinnert sich Michaele Behringer schmunzelnd an ihre Lehrzeit in Sachen Seifensiederei. Das Ausgangsmaterial – die Hinterwälder mitsamt Milch – war zwar reichlich vorhanden, schließlich setzte ihr Mann Martin bereits seit 1975 auf die Hinterwälder-Mutterkuhhaltung und hat entscheidend zum Erhalt der Rasse beigetragen. Die zündende Idee allerdings, wie das Sortiment erweitert werden könnte, wurde erst vor etwa fünf, sechs Jahren geboren. "Die Idee, Seife zu machen gefiel mir", erinnerte sich Michaele Behringer, "aber ich hatte absolut keine Ahnung davon." Mit Hilfe des Internets änderte sie das: "Ich hab nächtelang gelesen" und schließlich einfach selbst einmal probiert. Mit Erfolg: Aus den Seifensiedeanfängen in der heimischen Küche ist mittlerweile ein kleiner Ein-Frau-Betrieb geworden. Die Seifenrührküche ist eine nüchterne Küchenzeile mit Einplattenkocher, Waschbecken und großer Arbeitsfläche. Profane Plastikschüsseln und Rührgeräte bilden das Handwerkszeug. Ganz anders dann die fertigen Produkte: Fein duftend und schön gemustert, mit fantasievoll-sprechenden Namen und stilvoll gestalteten Etiketten versehen, verlocken die fertigen Seifenstücke zur ausgiebigen Körperpflege mit Wohlgefühl.

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Bis es so weit ist, vergeht viel Zeit: Nach dem Zusammenrühren der Zutaten hat die Masse die Konsistenz von Pudding und muss in einer Form erst einmal 24 Stunden lang aushärten. Weitere Reifephasen gibt es zwischen den nächsten Arbeitsschritten, bei denen es ans Schneiden, Stempeln, und endlich ans Verpacken geht. Bis eine Seife auf dem Marktstand landet, hat sie sechs bis acht Wochen Reifezeit hinter sich.

Viel Zeit vergeht auch, bis eine neue Sorte "Marktreife" erlangt: Bis die richtige Mischung der Zutaten gefunden ist, und die richtige Konsistenz, Duft und Aussehen hat, sind zahlreiche Versuche nötig. Immer mit dabei sind verschiedene Fette und Öle wie Kokos-, Mandel- Jojoba-, Oliven-, oder Reiskeimöl, ebenso Ätzkali, um die Fette zu verseifen. Kräuter und Pflanzen wie Zitronenschale, Salbei, Kamille oder verschiedene Minzen sorgen zusammen mit ätherischen Ölen für Duft und Wirkung. Nach Möglichkeit kommen dabei Zutaten aus der Region zum Einsatz.

Und schließlich ist's natürlich der eine oder andere Liter Milch, der für die spezielle Cremigkeit der Behringer-Seifen sorgt. Fing tatsächlich alles mit der Kuhmilch an, so hat Michaele Behringer mittlerweile auch Ziegen- und Eselmilch-Seifen im Programm. Letztere hat es ihr besonders angetan. Da geht es Behringer nicht anders als einst Cleopatra, die ebenfalls auf die Beautyqualitäten der reichhaltigen Eselsmilch geschworen haben soll.

Ganz billig sind Seifen nicht, ihre Herstellung verursacht jede Menge Kosten. Was Michaele Behringer in ihren vier Seifenküchen-Wänden zusammengerührt hat, braucht das Zertifikat eines Chemikers, das Rezept muss gemäß Kosmetikverordnung offiziell bei der EU angemeldet werden. Derlei lässt die "Entwicklungskosten" für eine einzige Seifensorte auf etwa 1000 Euro wachsen – durchaus ein Wort für einen Ein-Frau-Handarbeitsbetrieb, der seine Umsätze mit dem Direktvertrieb seiner kleinteiligen und -preisigen Produkte einspielt. Ein Dutzend mal schon hat Michaele Behringer die Prozedur bis hin zur offiziellen Registrierung hinter sich gebracht.Um die Hinterwälder aus ihren Position als vom Aussterben bedrohte Rasse herauszuholen, ist Behringer auch jenseits der Seifenmacherei aktiv: Sowohl im Förderverein Hinterwälder als auch im Zuchtverein Hinterwälder gehört sie dem Vorstand an.

Info: Anfragen und Infos unter msbehringer@gmx.de; Bis Weihnachten ist Michaele Behringer mit ihren Seifen auf Märkten in der Region zu finden.

Autor: Anja Bertsch