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12. September 2015

Ein seltenes Kraut zeigt Luftschadstoffe an

SELTENE PFLANZEN IN WIEDEN (II):Heute die Lungenflechte / Sie wurde einst als Heilmittel gegen Husten eingesetzt.

  1. d Foto: Eckhard Lohmüller

WIEDEN (kat). Wieden hat sich herausgeputzt, um am Wettbewerb "Entente Florale Europe" teilzunehmen. Demnächst steht fest, ob sich die floralen Anstrengungen gelohnt haben – kommendes Wochenende beginnt die Preisverleihung in Bristol (England). In einer kleinen Serie präsentiert die Badische Zeitung aus Anlass des Wettbewerbs seltene Pflanzen aus der Wiedener Umgebung. Heute: Die Lungenflechte.

Die Lungenflechte wirkt auf den Betrachter unscheinbar und ist doch im Schwarzwald und andernorts höchst selten anzutreffen. Zwei Unterarten kommen in Wieden vor: Die "Lobaria pulmonaria" und die "Lobaria amplissima". Beide Flechten wachsen rund um Wieden, vor allem im Bereich des Schonwaldes Rollspitz und im Distrikt Trubelsmatt, weiß Förster Eckhard Lohmüller.

Erkennbar ist die seltene "Lobaria pulmonaria" an ihren grubigen, olivbraunen bis – je nach Feuchtigkeit – grünlichen Lappen, die einem netzförmigen Aderngeflecht gleichen. Die noch deutlich seltenere Unterart "Lobaria amplissima" ist grauer und hat weniger stark ausgeprägte Lappen. Ein Grund dafür, dass sich beide Lungenflechten mittlerweile ziemlich rar machen, ist wohl die Tatsache, dass sie extrem empfindlich auf Luftschadstoffe reagieren. Ihr Verschwinden weist damit auch auf ein geschädigtes Ökosystem hin. Umgekehrt zeigt ihr Vorkommen an, dass die (Wald-)Luft noch ziemlich rein ist. Meist in feuchten, niederschlagsreichen Lagen vorkommend, etwa in Skandinavien und der Alpenregion, sind besondere Pflegemaßnahmen zum Erhalt erforderlich. So wurde in Wieden extra ein Wald aufgelichtet, um für eine höhere Luftfeuchtigkeit in der Umgebung der Pflanze zu sorgen. Besonders bemerkenswert ist die Existenz der Flechten an sehr alten, rauborkigen Weidbuchen. Auch das Land fing vor einigen Jahren damit an, sich um den Fortbestand der Lungenflechte im Südschwarzwald zu bemühen und hat eine Teilfläche des Vorkommenbereichs aufgekauft. Im Rahmen des Naturschutzprojektes Feldberg-Belchen-Oberes Wiesental fand zudem eine Pflegekampagne zugunsten der "Lobaria amplissima" statt. So werden seither die Weidbuchen besonders geschützt.

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Zu ihrem Namen kam die Lungenflechte vermutlich durch ihr organähnliches Aussehen in Kombination mit ihrer früheren Verwendung. Im Mittelalter setzte man die "Lobaria pulmonaria" besonders zur Heilung von Lungenkrankheiten, etwa Schwindsucht oder Blutspucken, ein. Noch heute findet sie Verwendung als homöopathisches Heilmittel gegen Husten. Sibirische Mönche haben übrigens, so heißt es, in der "Loboria pulmonaria" einen ganz anderen Nutzen gesehen: Die in ihr enthaltenen Bitterstoffe wurden angeblich zum Bierbrauen eingesetzt.

Autor: kat