Bild Dir Deine Windkraft-Meinung

André Hönig

Von André Hönig

Fr, 27. Februar 2015

Schopfheim

Der Infomarkt in Gersbach im Rahmen des Forschungsprojekts "Dezent Zivil" war gut besucht – und bot manch neue Erkenntnis.

GERSBACH. "Das klingt wie das Summen eines Bienenschwarms, nicht wütend, aber auch nicht zu leise – da ist einfach die Tonlage interessierter Gespräche auf sachlicher Ebene": Mit diesem treffenden Bild beschrieb Christoph Ewen die Atmosphäre beim Windkraft-Infomarkt in der Bergkopfhalle, zu der sein Team im Rahmen des Bundesforschungs- und Infoprojekts "Dezent Zivil" eingeladen hatte.

Was war der Zweck?
Ziel war es, Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich umfassend über die Planungen im Raum Gersbach/Hasel und über generelle Aspekte der Windenergienutzung zu informieren und Fragen stellen zu können. Vertreten waren das Büro "faktorgruen", das den Flächennutzungsplan der Stadt Schopfheim erstellt, das Landratsamt Lörrach als Genehmigungsbehörde, der Regionalverband Hochrhein-Bodensee, die potenziellen Windpark-Betreiber Elektrizitätswerke Schönau (EWS)/Enerkraft GmbH (Rohrenkopf) und Energie Baden-Württemberg AG (EnBW, Glaserkopf Hasel), die Bürgerinitiative "Windkraftgegner in und um Gersbach gegen Windkraftanlagen in Natur- und Kulturlandschaften e.V." und die Schopfheimer Ortsgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. (ANUO).

Außerdem präsentierte das Büro Lenné3D 360-Grad-Panoramabilder, die die Windenergieanlagen von jenen Standorten aus zeigen, die Bürger bei einem Termin in Gersbach kürzlich benennen konnten (wir berichteten). Allerdings nicht von allen. Einige habe er in der Kürze der Zeit nicht umsetzen können, räumte Jochen Mülder von Lenné3D ein, versprach aber: "Wir reichen die fehlenden nach." Mehr noch: Da die aktuelle Bildserie im Schnee entstand, Windräder daher teils schwarz gezeichnet werden mussten, damit sie zu sehen sind, werden im Frühjahr nochmals Bilder erstellt.

Gab es außer den Bildern Neues?
Viel Neues gab es außer den Bildern – entsprechend stark umringt war der Stand von Lenné3D – und der Ankündigung von Alexander Sladek, dass EWS und Enerkraft demnächst beim Landratsamt einen Antrag auf Genehmigung von fünf Windrädern auf dem Rohrenkopf einreichen (siehe Extraartikel), nicht. Konnte es auch nicht geben, da der aktuelle Stand erst kürzlich in Gemeinde- und Ortschaftsrat vorgestellt worden war. Wohl aber konnten alle Beteiligten ihre Position ausführlich darstellen und auf Aspekte hinweisen, die aus ihrer Sicht bislang zu kurz kommen. So wiesen die Windkraftgegner etwa auf neue Daten der Stromhandelsbörse European Energy Exchange (EEX) Leipzig hin, wonach Windkraftanlagen in Deutschland deutlicher weniger Strom – im Mittel gar nur rund 18 Prozent – dessen produzieren, was sie rechnerisch sollten. BUND und Naturschutzverband umgekehrt wiesen nicht nur auf positive Aspekte der Windkraft hin und darauf, dass Windkraft sehr wohl deutliche Mengen Strom produziere, sondern auch auf das laut Klaus Böttger (BUND) "völlig unnötige Schüren von Ängsten" durch einige Illustrationen von Lenneè3D. Gezeigt wurden zum einen Bilder auf Grundlage der tatsächlichen Planung – fünf Windräder auf dem Rohrenkopf, drei auf dem Glaserkopf in Hasel, eventuell ein viertes auf Staatsforstgelände. Zum anderen wurden zusätzlich aber auch Bilder mit der theoretisch denkbaren Höchstzahl an Windrädern präsentiert, in der Summe 25. Auch die Windkraft-Gegner hatten solche Bilder schon erstellen lassen. "Das ist pure Panikmache", ärgert sich Böttger. 16 dieser Räder seien schlicht kein Thema. Für Thomas Tusch (EWS Schönau) kam bisher zu kurz, dass drei der fünf auf dem Rohrenkopf geplanten Windräder spätestens drei Jahre nach Inbetriebnahme in die Hand von Bürger-Genossenschaften übergehen sollen.

Wie sieht das Fazit aus?
Gegen Ende erkundigten sich Team-Ewen-Mitarbeiter in Beisein von Stadtrat Thomas Gsell, der als Bürgermeistervize die Verwaltung vertrat, und Hasels Bürgermeister Helmut Kima die Standbetreiber nach ihrem Gesamteindruck. Wie Michel-André Horelt von Team "Ewen" berichtet, sei aufgefallen, dass viele Bürger Mühe mit Fachbegriffen wie Flächennutzungsplan hätten. Oft sei auch die Frage gestellt worden, ob der finanzielle Aspekt (Pacht) für die Gemeinden wichtig sei – Thomas Gsell verneinte dies für Schopfheim, Helmut Kima räumte offen ein, dass 60 000 Euro pro Jahr (20 000 pro Rad) für ihn keine Kleinigkeit sei. Insgesamt sei man mit dem Infomarkt "zufrieden", so Horelt. "Bis zum Ende wurde rege diskutiert. Auch kamen die Standbetreiber ins Gespräch." Zudem habe mancher Bürger mit Blick auf den Flächennutzungsplan eine schriftliche Stellungnahme im Rahmen der Frühzeitigen Beteiligung, die bis 30. März dauert, abgegeben – Formulare waren ausgelegt worden. Anhand der Liste, auf der Besucher Themen Punkte geben konnten, die wichtig oder klärungsbedürftig erscheinen, geht Horelt davon aus, dass etwa 100 Bürger den Infomarkt besucht haben.