"Brückenkopf von internationaler Bedeutung"

André Hönig

Von André Hönig

Di, 22. August 2017

Schopfheim

BZ-INTERVIEW mit Heimatforscher Werner Störk zur BZ-Leserführung im Rahmen der Reformationsserie "Grenzwanderungen" am 2. September in Neuenweg.

WIESENTAL. Die Reformation vor 500 Jahren spaltete das Wiesental konfessionell und politisch. Aus Anlass des Jubiläums beleuchtet die BZ das Thema in einer Serie. Am Samstag, 2. September, können BZ-Leserinnen und -Leser in diesem Rahmen beziehungsweise von BZ-Ferienspaß zusammen mit Heimatforscher Werner Störk selbst zu Grenzwanderern werden. In Neuenweg wird Störk die Bedeutung der Grenze für das ganze Wiesental und den Zusammenhang mit den Schanzen in der Region erläutern. André Hönig sprach darüber im Vorfeld mit Werner Störk.

BZ: Herr Störk, was macht gerade Neuenweg so speziell?
Störk: Neuenweg war mit Blick auf das Thema Reformation und Glaubensgrenze im Wiesental in einer besonderen territorialen und konfessionellen Grenzlage: Vom Reich und dem katholischen Glauben von drei Seiten "eingekesselt", entwickelte sich Neuenweg aufgrund seiner speziellen geografischen Lage zu einem verkehrstechnischen, geopolitischen und konfessionellen Dreh- und Angelpunkt – und in der Folge davon zu einem militärisch-strategischen Brückenkopf von nationaler und internationaler Bedeutung. Von der offiziellen Geschichtsschreibung ganz offensichtlich vernachlässigt, gewinnt Neuenweg durch die aktuellen Forschungen erstmals die historische Bedeutung, die es einst über mehrere Jahrhunderte innehatte.

BZ: Und was genau gibt es da bei der BZ-Exkursion zu sehen?
Störk: Neuenweg glänzt natürlich und vor allem im Zeichen der Fortifikation, also der Kunst des Festungsbaus, durch gleich zwei vollständig erhaltene Pass-Sicherungen: einerseits den "Hau"-Pass mit allein fünf Schanzanlagen – darunter eine vermutlich französische Sternschanze – sowie die Pass-Sicherung vom gegenüberliegenden "Eck" mit dem sogenannten "Schlossboden". Und ebenso ein Alleinstellungsmerkmal: die multi-funktionale wie auch multiepochale Nutzung – die sich konsequent über fast fünf Jahrhunderte nachweisen lässt.

BZ: Gab es noch andere Orte im Wiesental, die sich in einer ähnlichen Lage befanden? Oder ist Neuenweg einzigartig?
Störk: Betrachtet man speziell die exponierte Randlage von Neuenweg, ist diese nur noch mit der von Gersbach zu vergleichen. Diese besondere Kombination mit einer konfessionellen und territorialen Grenzlage – hier zwischen Breisgau und dem Großen Wiesental gelegen – markiert auch die besondere Stellung im Bereich des Schanzenbaus. Dies unterstreicht unter anderem auch die einzigartige Sternschanze auf dem "Hau", die es so – im wahrsten Sinne des Wortes – "auf ganzer Linie" nicht mehr gibt. Aber auch die Tatsache, dass es sich um eine Doppelpass-Sicherung handelt, ist im südlichen Teil der "Vorderen Linie" einmalig. Und stattet so Neuenweg gleich mehrfach mit einem absoluten Alleinstellungsmerkmal aus.

BZ: Inwiefern muss ein Teilnehmer Vorkenntnisse haben? Beziehungsweise für wen ist die Führung geeignet?
Störk: Die Veranstaltung erfordert keine geschichtlichen Vorkenntnisse und ist für alle Altersgruppen geeignet. Die kurze Tour führt vom Parkplatz auf dem "Hau" über einen geteerten Zugangsweg und ist somit ohne große körperliche Anstrengung zu meistern – zumal auf dem Hinweg bergauf auch zwei Stationen an diesem Grenzweg eingelegt werden, um in das Thema einzuführen.

BZ: Wie lange wird die Führung dauern?
Störk: Die Führung dauert rund 90 Minuten.

Treffpunkt: Wanderparkplatz Hau, Neuenweg, Samstag, 2. September, 13 Uhr.

Hinweis: Teilnehmerzahl begrenzt, Teilnahme nur mit Anmeldung in allen BZ-Geschäftsstellen im Landkreis Lörrach oder unter Tel. 07621/4038-0.

Im Anschluss an die Führung offeriert die BZ einen kleinen Imbiss.