Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
09. November 2009
Denkanstöße für eine Reform des Sozialstaates
Der SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger stellte das neue Buch von Jost Noller vor / Das Interesse daran war groß
SCHOPFHEIM (bry). Eine absolut volle Regio-Buchhandlung und eine angeregte und sachliche Diskussion zeugten von dem großen Interesse, das dem neuen Buch von Jost Noller entgegengebracht wird. Mit "Auslaufmodell Sozialstaat?" will der Autor Denkanstöße und Anregungen zu einer Neugestaltung der Sozialsysteme in Deutschland geben. Jost Noller, promovierter Politologe und langjähriger SPD-Gemeinderat, hat sich in seinem neuen Buch kritisch mit unseren heutigen Sozialsystemen auseinandergesetzt und bietet Denkanstöße, wie durch eine Reform die Systeme heutigen und künftigen Anforderungen gerechter werden können, wie Rainer Stickelberger (SPD-MdL) in seiner Buchvorstellung betonte. Dabei schlägt der "streitbare Politiker" Noller, wie Stickelberger es formulierte, den historischen Bogen aus der vorindustriellen Zeit in die Gegenwart und sucht nach grundlegend neuen Ansätzen.
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Forderung nach einem "bedingungslosen Grundeinkommen" oder einem "Bürgergeld" kommt Noller zu dem Schluss, dass hier der falsche Ansatz vorliegt. Dabei werden finanzielle Leistung und Arbeit voneinander entkoppelt, referierte Stickelberg, sinnvoller sei es nach Noller, die Finanzierung der Sozialsysteme von der Arbeit zu entkoppeln. Konkret kann das bedeuten: Die Arbeitgeber zahlen keine Arbeitgeberanteile mehr in die Sozialsysteme. Durch die Entlastung von den Lohnnebenkosten wird die Arbeitsleistung billiger, und es können mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Hierbei hat Noller vor allem die Arbeiten in sozialen, erzieherischen und pflegerischen Bereichen im Auge, die heute häufig ehrenamtlich geleistet, die künftig aber entlohnt werden sollen. "Arbeit ist genug da, aber heute gibt es nicht genug Erwerbsarbeit", lautet eine der Thesen Nollers.
Werbung
Mit seinem Diskussionsbeitrag lieferte Artur Cremans das Schlusswort. Er sei dankbar für die Anregungen, so Cremans. Jost Noller habe ein heißes Eisen angepackt und einen Anstoß von unten nach oben geliefert, von dem ausgehend jetzt die Frage weiter auf allen Ebenen und in allen Parteien diskutiert werden sollte.
Info: Das Buch von Jost Noller "Auslaufmodell Sozialstaat? – Grundeinkommen für alle oder Umbau der Sozialsysteme in Deutschland?", hat 160 Seiten und ist im Buchhandel erhältlich.
Autor: bry
