Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Januar 2012 16:18 Uhr

Der Eichener See ist wieder da

Für BZ-Leser ist es keine Überraschung mehr: Der Eichener See bei Schopfheim ist wieder aufgetaucht. Der See kommt und geht – und ist letzte Zuflucht für die älteste Tierart der Welt.

  1. Ein Phänomen, das kommt und geht: der Eichener See bei Schopfheim. Foto: André Hönig

Dass sich der See wieder blicken lässt, war schon vor einigen Tagen in der Badischen Zeitung und auf badische-zeitung.de zu lesen. Spaziergänger können sich nun auf eine Umrundung zu Fuß freuen – und auf eine besondere Aktion: Der Ortschaftsrat Eichen und Vereinsvertreter bewirten am Sonntag, 15. Januar, von 11 bis 16 Uhr Gäste am "Eiemer See".

Ohne den Eichener See wäre der Urzeitkrebs in Deutschland schon lange ausgestorben. Das stille Gewässer bei Schopfheim bietet ein Naturschauspiel, das es in Deutschland sonst nirgends gibt. Der See verschwindet für Jahre – dann taucht er plötzlich wieder auf. Und bietet Heimat für den Urzeitkrebs. Schneeschmelze und viel Regen haben dafür gesorgt, dass der See nach einem Jahr Abwesenheit nun wieder aufgetaucht ist. Lange bleiben wird er nicht.

Der Grundwasserpegel steuert den See

Der Schopfheimer Rentner Hartmut Heise (66) beobachtet den nach dem Schopfheimer Stadtteil Eichen benannten See seit vielen Jahren. Durch ein Stahlrohr lässt Heise eine Sonde in den aus Kalk bestehenden Boden ein. In den unterirdischen Gängen und Höhlen sammelt sich das Wasser.

Werbung


Heise kann messen, ob der Eichener See wieder zutage tritt. Denn der See hat keinen obirdischer Zu- oder Abfluss. Er entsteht nur, wenn unter der Erde der Grundwasserpegel steigt – durch viel Regen oder durch Schneeschmelze. Seit einigen Tagen ist der See wieder zu sehen. In der Regel bleibt er nur einige Wochen. Danach verschwindet wer wieder für mehrere Monate unter der Erde. An einen Terminkalender oder an Jahreszeiten richtet er sich nicht.

"Vor 440 Millionen Jahren hat die Evolution diesen speziellen Krebs hervorgebracht, seither hat er sich kaum verändert." Hartmut Heise
Sogenannte Karstseen, die nur ein kurzes Gastspiel geben, finden sich in Deutschland an mehreren Stellen, unter anderem auf der Schwäbischen Alb. Einzigartig wird der Eichener See durch seine Bewohner. Im Eichener See lebt der zwei Zentimeter große, grüne Blattfußkrebs, die älteste Tierart der Welt.

"Vor 440 Millionen Jahren hat die Evolution diesen speziellen Krebs hervorgebracht, seither hat er sich kaum verändert", sagt Heise, der ehrenamtlicher Naturschutzwart des Landkreises Lörrach ist. Der kleine Schwarzwaldsee fast vor Heises Haustür ist deutschlandweit der einzige Ort, an dem dieser Süßwasserkrebs zu finden ist. Europaweit gibt es lediglich sieben weitere Orte, an denen der Urzeitkrebs noch lebt. Ansonsten ist er ausgestorben.

"Das Tier hat sich perfekt an seine Umgebung angepasst, denn zum Überleben brauchen die gelaichten Eier erst etwa vier Wochen Wasser und dann Trockenheit", sagt Heise. "Die Trockenphase kann sogar zwei Jahre oder länger sein, das ist egal. Erst wenn der Eichener See wieder auftaucht und die Eier wieder ins Wasser gelangen, entwickeln sie sich weiter."

Seit 70 Jahren Naturschutzgebiet

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Eichener See im Jahre 1772. Sein 3,5 Hektar großes Areal ist seit genau 70 Jahren Naturschutzgebiet, seit 1983 ist der Eichener See ein Naturdenkmal und steht damit unter besonderem Schutz. Stehen die Pegel auf Höchststand, ist der Eichener See 250 Meter lang, 130 Meter breit und 2,50 Meter tief.

"Es ist schön zu sehen, wie aus dem Nichts plötzlich ein See auftaucht und wie darin millionenfach neues Leben entsteht", sagt der Rentner Rüdiger Klein. Für ihn ist der Eichener See, wie für viele andere auch, ein beliebtes Touristenziel. Die kleinen Krebse, die durch das Wasser wuseln, sind beliebte Beobachtungsobjekte.

Ist der See zu sehen, kommen viele Wanderer. Der Westweg, der rund 285 Kilometer lange Wanderweg von Pforzheim nach Basel, soll bei Schopfheim deshalb nun verlegt werden. Er wird künftig direkt am Eichener See vorbei führen. Derzeit macht er noch einen Bogen um das einzigartige Naturschauspiel. Damit alle Fragen geklärt werden, organisiert Heise in seiner Freizeit Führungen rund um den See. Sie erfreuen sich steigender Beliebtheit – vor allem, wenn sich der See mal wieder blicken lässt.

Mehr zum Thema:

Autor: dpa/BZ