"Ich würde sofort wieder hingehen"

Marlies Jung-Knoblich

Von Marlies Jung-Knoblich

Sa, 24. Juli 2010

Schopfheim

Mit dem Verein "Rollis für Afrika" war Anna-Lena Kienzler fünf Wochen lang im Senegal unterwegs / Persönlicher Kontakt wichtig.

FAHRNAU. Rollstühle und andere Hilfsmittel zu sammeln, die Menschen in Afrika helfen, wieder am Leben teilnehmen zu können, ist eine Sache. Eine ganz andere, mit dabei zu sein, wenn die Rollis, Gehhilfen oder Rollatoren vor Ort verteilt werden. Genau das erlebte die Fahrnauerin Anna-Lena Kienzler, die vom 16. Februar bis 23. März im Senegal war.

Die Geschichte begann Anfang September vergangenen Jahres, als sich die junge Fahrnauerin für den Verein "Rollis für Afrika" engagierte und erfolgreich Rollstühle und andere Hilfsmittel sammelte. Aufmerksam geworden war sie auf den Verein über ein Konzert ihrer Lieblingsband "Irie Révoltés", die denjenigen freien Eintritt ins Konzert in Freiburg versprochen hatte, die einen Rollstuhl für die Afrika-Hilfe mitbringen (wir berichteten). Anna Lena-Kienzler wusste um das soziale Engagement der Band und war spontan bereit, sie zu unterstützen. Über einen Aufruf in unserer Zeitung kamen im September 2009 sechs Rollstühle, darunter ein Kinderrolli, zwei Paar Krücken, vier oder fünf Rollatoren und ein Geh-Bock zusammen.

Überglücklich war Anna Lena Kienzler, dass sie mit dem Verein "Rollis für Afrika" mit in den Senegal durfte, wo die Hilfsmittel persönlich verteilt werden. Zum elfköpfigen Team, das sich zunächst in einem Behindertenzentrum eines Stadtteils von Dakar, der Hauptstadt des Senegals, traf, zählten vier Praktikanten, eine davon war Anna-Lena Kienzler. Behinderung, das sei ein Tabu-Thema im Land, "behinderte Kinder werden von ihren Eltern als Schande erachtet," erzählt die Schülerin. Die Kinder werden sogar versteckt. Während die Gruppe auf die Schiffscontainer mit den Hilfsgütern wartete, besuchte Anna Lena Kienzler unter anderem einen Jungen, der 2009 Krücken erhielt und der im Behindertenzentrum, das vom Verein "Rollis für Afrika" unterstützt wird, eine Ausbildung macht.

Als die Container mit den Hilfsgütern eingetroffen waren, wurden mehrere Touren unternommen, um die Hilfsmittel auszuliefern. Schon im Vorfeld stand fest, wo Bedarf besteht. In den meisten Städten gab es Anlaufstellen, bei denen sich die Bedürftigen, darunter auch viele Kinder, einfanden. Anna-Lena Kienzler war von der perfekten Organisation beeindruckt: Krankenschwestern und Physiotherapeuten saßen mit im Boot, die entschieden, welches Hilfsmittel das richtige ist. Die soziale Situation wurde geklärt und ein Mechaniker passte das jeweilige Hilfsmittel dem künftigen Nutzer an. "Ich habe gelernt, wie unglaublich wichtig es ist, persönlich bei der Verteilung dabei zu sein," erzählte die junge Fahrnauerin. Sie hatte ein wenig Angst davor, den behinderten Menschen zu begegnen, "doch es war gar nicht schwer. Alle waren offen und auch dankbar für die Unterstützung".

Fünf Wochen lang war sie mit einer Gruppe unterwegs, die sie vorher nicht kannte. Alls habe prima geklappt. Gemeinsam mit Anna aus Berlin kümmerte sie sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Anna aus Berlin wird Anna Lena Kienzler an diesem Wochenende besuchen und mit der Fahrnauerin gemeinsam am "Markt der Möglichkeiten" teilnehmen, den die VHS in der Kulturfabrik ausrichtet. Vereine und Institutionen, die Verbindungen zu Ländern in Afrika haben, werden sich dort präsentieren. Anna-Lena Kienzler wird über den Verein "Rollis für Afrika" und deren Arbeit mit Flyern und vielleicht Filmausschnitten – "wenn es technisch klappt" – informieren.

"Ich würde sofort wieder mit in den Senegal gehen," sagt sie. Sie habe viel über sich selbst erfahren, neue Menschen kennengelernt, viele schöne Dinge, aber auch weniger schöne erlebt, was auch dazu gehöre. Dankbar ist die Schülerin dem THG, das sie für diesen Einsatz freistellte. An das Klima musste sich die Gruppe, die zum ersten Mal mit unterwegs war, erst gewöhnen. Dakar liege an der Küste, es gehe ständig ein Wind bei Temperaturen um die 30 Grad. Im Landesinneren herrschten dann – ohne Wind – Temperaturen um die 40 Grad.

Info: Der Markt der Möglichkeiten findet am Sonntag, 25. Juli, von 13 bis 17 Uhr in der Kulturfabrik Schopfheim statt. Der Verein Rollis für Afrika ist im Internet zu finden unter http://www.rollis-fuer-afrika.de