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14. August 2012 18:15 Uhr

Tierquälerei

Katze 77 Tage nach Verschwinden tot im Plastiksack gefunden

War dies das Werk eines fiesen Katzenhassers? Eine Schopfheimer Familie hat zu Wochenbeginn ihre lang vermisste Katze Jami gefunden – tot in einem Plastiksack, stark abgemagert und ohne Schwanz.

  1. Müssen Besitzer von Katzen in Schopfheim um das Wohl ihrer Lieblinge fürchten? Eine Familie hat Anzeige erstattet, weil sie vermutet, dass ihr Tier einem Katzenquäler zum Opfer gefallen ist. Foto: dpa

Die Familie vermutet, dass die Katze einem Tierquäler in die Hand fiel und hat Anzeige erstattet. Polizei und Stadtverwaltung sind derzeit keine weiteren Fälle bekannt – zumindest nicht dieser Art.

Jami war an Pfingsten plötzlich weg. Jamis Besitzerin und Katzenliebhaberin Karin Quandt-Jerzum wollte sich mit dem Verschwinden ihrer Katze nicht abfinden, hing Plakate mit dem Foto des Tiers an Bäumen auf und schaltete Anzeigen mit der Bitte, sich zu melden, wenn einem das Tier zuläuft. Es vergingen Wochen des Wartens und des Bangens, ohne dass es ein Lebenszeichen von Katze Jamie gab.

Diesen Montag dann der Schock: Spaziergänger fanden in der Grienmatt, unweit des Fahrnauer Musikheims Villa Musica, einen schwarzen Plastiksack mit der toten Katze darin. "Sie war um ein Drittel abgemagert, voll mit Flöhen und hatte keinen Schwanz mehr", erzählt Karin Quandt-Jerzum und schafft es kaum, die Tränen zu unterdrücken. Karin Quandt-Jerzum und ihren Mann Udo begruben das Tier noch am selben Tag und riefen die Polizei. Was war in den 77 Tagen seit Jamis Verschwinden passiert?

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"Jemand hat das Tier gefunden, eingesperrt und gequält", befürchtet Karin Quandt-Jerzum. Sie glaubt, dass die Katze noch nicht lange tot in dem Plastikbeutel lag, als sie gefunden wurde. Einen Unglück schließt sie aus; wäre Jami etwa in einen Schacht gefallen, hätte sie verwest sein müssen. Das sei nicht der Fall. Weitere Verletzungen außer dem verstümmelte Schwanz habe sie nicht gesehen. "Jemand hat das Tier gequält", ist sich Karin Quandt-Jerzum sicher.

In die Trauer über das tote Tier mischt sich Sorge um das Leben anderer Katzen: Die Familie besitzt fünf weitere Tiere. Kann man sie jetzt ohne schlechtes Gewissen noch rauslassen? Eine Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Der Polizei jedenfalls sind im Raum Schopfheim keine weiteren Fälle bekannt – zumindest nicht in dieser Form, so der Lörracher Polizeisprecher Joachim Langanky auf Nachfrage.

Zwar beschäftigt die Schopfheimer Polizei derzeit noch ein weiterer Fall von Katzentötung. Allerdings handele es sich dabei offenkundig um eine Nachbarschaftsstreitigkeit, so Langanky. Ein Hausbewohner hat sich wohl darüber aufgeregt, dass in einer anderen Wohnung im gleichen Haus sehr viele Katzen gehalten werden, er streute daraufhin Rattengift. Einige Tiere hätten das Gift gefressen und seien daran gestorben.

"Da laufen die Ermittlungen bereits", so Langanky. Er geht aber davon aus, dass dies "mit diesem Fall hier nichts zu tun hat." Merkwürdig sei, dass Katze Jami offenbar erst vor Kurzem zu Tode kam und nun abgemagert und schwanzlos in einem Plastiksack aufgefunden wurden. Auch Patrik Bender vom städtischen Ordnungsamt weiß nichts von Vorfällen ähnlicher Art. "Dieser hier ist für mich komplett neu."

Das letzte, was bekannt ist, sind Vorfälle mit Fallen vor zwei Jahren

Zwar werde gelegentlich gemeldet, dass Katzen ohne Schwanz nach Hause kommen, weil irgend etwas passiert ist. "Das gibt es öfters. Da allerdings leben die Katzen noch", so Patrik Bender. Dass hingegen Katzen zu Tode gequält wurden, sei der Stadtverwaltung nicht bekannt. Vor zwei zwei Jahren habe jemand Fallen aufstellt, Katzen wurden damals verletzt. Der Sache sei aber nachgegangen worden und seitdem habe diesbezüglich Ruhe geherrscht.

Auch Tierschützern ist in jüngerer Zeit nichts Vergleichbares zu Ohren gekommen, erklären unisono Elisabeth Fricker vom Schopfheimer Tierschutzverein und Helga Ell vom Verein SOS Katzenhilfe. Helga Ell ist auch nur der Vorfall mit den Fallen bekannt. Damals musste ein verletztes Tier erschossen werden, einem anderen wurde das Bein amputiert, erinnert sich Helga Ell. Umso erschrockener ist sie nun über Jamis Schicksal. Falls dies das Werk eines Tierquälers war, sei es gut möglich, dass dieser in der Nachbarschaft wohne. Da sollte man mal genauer hinschauen, rät sie. Vielleicht komme ja auch auf Umwegen ans Tageslicht, wer das war.

Autor: André Hönig und Dirk Sattelberger