Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
30. April 2010
Klares Nein-Signal zum Funkmast
Ortschaftsrat lehnt einen Funkmast auf dem Hohe Flum einstimmig ab / Besorgte Bürger melden sich in der Sitzung zu Wort.
WIECHS. Keinen Funken Verständnis hat der Ortschaftsrat für die Idee, auf dem Hohe Flum einen Mast für den umstrittenen Behördenfunk Tetra zu bauen. Das Gremium sendet stattdessen ein eindeutiges Signal nach Schopfheim und Stuttgart: Einhellig ist der Antrag abgelehnt. Begründung: Sorge ums Landschaftsbild und die Gesundheit.
Nicht im mindesten empfänglich ist der Ortschaftsrat für die Pläne, einen rund 40 Meter hohen Funkmast für den neuen Behördenfunk mit Tetra-Technik auf exponierter Lage auf dem Hohe Flum zu bauen. Auch nach der "Informationsveranstaltung" kürzlich in der Stadthalle (wir berichteten) hat das Gremium massive Bedenken. Am Mittwoch lehnten daher die Räte den Bauantrag ab – einstimmig. Allerdings: Dieser Beschluss ist – darauf wies Ortsvorsteher Ino Hodapp hin – lediglich eine Empfehlung. Rechtlich verbindliche Beschlüsse kann nur der Stadtrat treffen, vermutlich wird das Thema kurz vor den Sommerferien im Schopfheimer Rathaus auf der Tagesordnung stehen. Zuvor wird sich auch der Ortschafstrat Gersbach äußern, auch hier ist bekanntlich ein Standort geplant.Werbung
Hodapps Erklärung war vor allem an die rund ein Dutzend Bürger gerichtet, die wegen des Themas zur Sitzung gekommen waren. Vor und auch nach der Debatte meldeten sich diese zu Wort. Die Liste der Ängste ist lang, reicht von der Sorge ums Landschaftsbild und das Naherhohungsgebiet Hohe Flum, über mögliche negative Auswirkungen auf den Wert von Immobilien, bis hin zur ganz konkreten Furcht vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlen. Diese sehen vor allem Vertreter der "Bürgerinitiative für ein funkfreies Wiesental" als bewiesen. Einige waren ebenfalls in der Sitzung zugegen und kritisierten auch nochmals die Ausführungen der Behördenvertreter an der Infoveranstaltung in der Stadthalle. Diese sei nicht ausgewogen gewesen bei einem Verhältnis von sechs Fürsprechern der Technik und nur zwei Skeptikern.
Mikrowellen generell seien gefährlich, die Tetra-Technik aber sende auf einer Frequenz ähnlich der von Herz und Muskulatur. "Die Wiechser Bürger sollten kämpfen, dass so ein Funkturm nicht herkommt", so der eindringliche Appell. Die Menschen würden "extremst bestrahlt", die Belastung sei schon mit Blick auf die vielen Mobilfunkmasten und die Hochspannungsleitungen hoch, Tetra aber sei "das I-Tüpfelchen". Auch ein Bürger aus Fröhnd war zugegen und erzählte, dass die Behördenvertreter in der Fröhnder Gemeinderatssitzung gelogen hätten, da etwa die Aussage fiel, dass Tetra nicht ständig Signale aussenden würde – was aber bekanntlich der Fall ist.
Auch Ortsvorsteher Ino Hodapp fand die Informationsveranstaltung nicht gerade gelungen. Die extrem techniklastigen Ausführungen hätten eher zusätzlich verwirrt. Für Rätin Bärbel Hagist steht der Gesundheitsaspekt im Vordergrund. Sie sagt Nein zu einer "zwangsbestrahlten Bevölkerung". Die Behörden sollten den alten analogen Funk so lange nutzen, "bis etwas Besseres da ist". Ihr Ratskollege Kai Horschig wies allerdings darauf hin, dass der alte Funk durchaus mit Problemen behaftet sei. Er warnte vor genereller "Angstmache" bei neuen Techniken. Allerdings finde er auch, dass ein solcher Turm nicht auf den Hohe Flum passe, zudem vermisse er Alternativüberlegungen. Günther Roschig fühlt sich nach der Debatte in der Stadthalle eher verunsichert als informiert. Aber bei einer Verschandelung der Landschaft mache er auf keinen Fall mit. Tina Kiefer fürchtet wie Hagist eine Gesundheitsgefährdung, so ein Turm in einem Naherholungsgebiet wäre "eine Schande". Schade indes sei, dass sich nur wenige Bürger für dieses Thema interessieren. Ino Hodapp hofft, dass sich der Stadtrat dem Wiechser Nein anschließt. Falls nicht, würde er den Vorschlag machen, zumindest den Standort Richtung Heidegräber zu verlagern.
Autor: André Hönig
