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29. November 2010

"Rheingold-Rausch" erfasst Museum

Minifossi-AG stellt zum letzten Mal im städtischen Museum aus / Eine denkwürdige Zeitreise und wertvolle Exponate.

  1. Ein Blickfang: Goldwäsche-Utensilien in der Ausstellung „Rheingold – Mystik, Macht und Wissenschaft“ im städtischen Museum. Foto: Hans-Jürgen Hege

  2. Schon zur Vernissage kamen viele Besucher, um sich die Ausstellung im Detail anzusehen. Foto: Hans-Jürgen Hege

CHOPFHEIM. 75 Ausstellungen hat er mit den Ergebnissen umfangreicher Forschungsarbeiten bestückt, 30 davon befassten sich mit dem Thema "Rheingold", sechs Mal stand das Museum der Stadt im Mittelpunkt des Rheingold-Rausches. Nummer sieben wurde am Freitag aus der Taufe gehoben: "Rheingold – Mystik, Macht und Wissenschaft" heißt das neueste Projekt von Werner Störk und "seinen" Mini-Fossi, das ab sofort bis Ende Februar 2011 spannende Geschichten aus 2000 Jahren Rheingoldgeschichte erzählt, die eng mit der Geschichte Badens verbunden ist.

SStörks siebte Ausstellung ist wohl die letzte öffentliche Präsentation der Arbeiten eines mehr als nur engagierten Lehrers der Friedrich-Ebert-Schule und von drei Schülergenerationen, die sich vom Forschungsdrang ihres Lehrers berauschen ließen. Schopfheims Bürgermeister Christof Nitz bedauerte Störks Abschied ebenso wie Dr. Ulla Schmid, die Leiterin des Museums. Wehmütig erinnerte sie sich an die ersten Kontakte zu Störk im Jahr 1982. Damals habe Störk die Mini-Fossi-AG gegründet und von da an über viele Jahre hinweg bis heute "außerordentlich kompetent geführt. Vor 17 Jahren organisierte Werner Störk mit seinen Schützlingen die Sonderschau "Goldwaschen in der Wiese", 1999 glänzte im Museum "Platin, Gold und Silber", 2004 ließen es die Mini-Fossi nach Recherchen in Glasbläsereien rund um Gersbach "Klirren im Walde", drei Jahre später präsentierten sie "Türkenlouis und seine Schanzen" und nun steht wie erwähnt "die Macht des Goldes" im Ausstellungskalender.

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"Unkompliziert und professionell" bewies Werner Störk "großen Durchblick in der Museumsarbeit", bewunderte Ulla Schmid die Einsätze des Lehrers, der vor einem Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Die Ausstellungen der Mini-Fossi haben sich schnell als "Besuchergarantie" erwiesen, es seien ganz besondere Events gewesen, die stets viel Leben in die Räume des Museums gebracht haben. "Auch wenn der Abschied schmerzt: Es ist uns eine Ehre, die letzte Ausstellung ausrichten zu dürfen", sagte Ulla Schmid und betonte, dass die Region ohne Zutun der Schüler und ihres Lehrers "so gut wie nichts über Goldwäscherei am Rhein, über Glasbläserei im Schwarzwald oder über den Schanzenbau in der Region" erfahren hätten.

Eine Menge Gäste kamen bei der Vernissage, die Dieter Waibels Bläsergruppe der Friedrich-Ebert-Schule musikalisch umrahmte, in der Roggenbachstube (zumindest vorläufig) ein letztes Mal in den Genuss einer denkwürdigen Zeitreise in die Sagenwelt der Nibelungen, in die Geschichte Badens, des Rhein und seines reinen Goldes und in eine Vergangenheit, in der ganz sicher nicht alles Gold war, was glänzte. Kurz: In eine Zeit, die Goethes "Faust" sagen ließ "Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles, ach, wir Armen." Zusammen mit Werner Störk wandelten die Gäste im Museum multimedial auf den Spuren der Goldwäscher am Oberrhein, entdeckten Mini-Nuggets, Wunder der Natur, "natürlich geschmiedet von den Kieseln im Flussbett", die von den Ärmsten der Armen unter ungemein feindlichen Bedingungen auf Kosten ihrer Gesundheit und oft genug ihres Lebens abgebaut wurden, bis sie 1948 von John Augustus Sutters Goldfund in Kalifornien erfuhren und versuchten, in der neuen Welt ihr Glück zu machen. Es sind spannende Geschichten, die Werner Störk rund ums Thema Gold zu erzählen weiß. Nicht minder spannend dürften die Eindrücke sein, welche die Museumsbesucher in den nächsten Monaten erwarten, wenn sie die Vitrinen ins Visier nehmen, in denen Störks Exponate zu bewundern sind, darunter auch äußerst wertvolle Leihgaben des Landesmuseums Karlsruhe, die kleinste Goldmünze der Welt, Nuggets, Münzen, Dukaten, die Revolutionsführer Hecker und Struve, ein "Vreneli", der legendäre "TE-Express Rheingold", Telefonkarten aus China und Japan, Briefmarken, Hüte, elektrische Bügeleisen, eine amerikanische Biersorte, Zigarren, Krimis, Drachen und Geschichten aus einer sagenhaften Sagenwelt, in der "Siegfried" von Hagen ermordet wurde und Richard Wagner viel Stoff für berühmte Opern wie "Siegfried" oder "Rheingold" lieferte. Und mit all dem haben sich Werner Störks Schüler in den vergangenen drei Jahrzehnten intensiv auseinandergesetzt.

Autor: Hans-Jürgen Hege