Räume gesucht

Schopfheim: Droht dem Technikmuseum das Aus?

Marlies Jung-Knoblich

Von Marlies Jung-Knoblich

Mi, 12. April 2017 um 00:01 Uhr

Schopfheim

Das Technikmuseum in Schopfheim muss die alte Fabrikhalle der ehemaligen Schuhfabrik Krafft bis zum Jahresende räumen. Ohne neue Heimat ist das Museum in Gefahr.

Droht dem Technischen Museum, das in einer Fabrikhalle auf dem ehemaligen Krafft-Areal in Fahrnau seit rund 15 Jahren beheimatet ist, das Aus? Harald Klemm, Vorsitzender der Museumsgesellschaft Schopfheim, die sich um das Museum mit den alten Setzmaschinen kümmert, kann diese Frage weder mit "Ja" noch mit "Nein" beantworten. Klar ist nur, dass dringend neue Räume für die Maschinen gesucht werden. Vom Erfolg oder Misserfolg der Suche hängt das weitere Schicksal des Technischen Museums ab.

Maschinen aus der ehemaligen DDR

"Wir sind im Jahr 2002/03 mit dem Technikmuseum hier eingezogen", erzählt Harald Klemm im Beisein seiner Vorstandskollegen Dieter Gebhardt und Stefan Töpfer. Die Sammlung der alten Setzmaschinen stammte von Klaus Max Trefzer, ehemals Chef der Drückerei Trefzer, heute Faller, berichtet Harald Klemm.

Einige der Linotype-Maschinen stammten auch aus der ehemaligen DDR. Früher standen die rund 40 Maschinen in einer Halle der Hanf-Union. Klaus Max Trefzer habe damals Kontakt zur Museumsgesellschaft aufgenommen, weil er die Setzmaschinen ausstellen und einer breiten Öffentlichkeit zeigen wollte. "Es war meine Idee, sie im ersten Obergeschoss der ehemaligen Schuhfabrik Krafft auszustellen", erinnert sich Harald Klemm noch gut.

"Wir konnten die Halle im ersten Obergeschoss kostenneutral anmieten", erzählt Harald Klemm. Die Vermieterin habe die Museumsgesellschaft sehr großzügig unterstützt.

Zur Einweihung spielte im Jahr 2002/03 der Musikverein Fahrnau, die Akustik sei in der Halle sehr gut. Unter dem Titel "Museumskonzerte" sei eine Konzertreihe eröffnet worden unter Leitung von Thomas Strecker.

Unstimmigkeiten mit der Vermieterin

Der Maschinenpark wuchs, Besucher schauten sich die Sammlung gern an, die von der Geschichte der Drucktechnik zeugt. Der Schwerpunkt liege auf Linotype-Maschinen. Die Museumsgesellschaft freute sich auch darüber, mit Harald Schwab-Strube und Eberhard Steinmetz versierte Mitglieder in ihren Reihen zu haben, die das Druckhandwerk gelernt haben und zeigen können, wie so eine Setzmaschine funktioniert. Allerdings habe es seit 2007 Unstimmigkeiten mit der Vermieterin gegeben, die sich nicht ausräumen ließen. Das Resultat: Ende 2017 laufe der Vertrag aus und werde nicht mehr verlängert.

Was tun?

Gesucht werde jetzt eine Fläche, die etwa 800 Quadratmeter groß und statisch belastbar sei, erklären Stefan Töpfer und Harald Klemm. Eine Maschine wiege etwa eine Tonne, weiß Paul Gebhardt. "Unser Ziel ist es, die Maschinen auch weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und die Pacht für so eine Halle müsste relativ gering sei, da wir mit dem Museum kaum etwas erwirtschaften", verdeutlicht Harald Klemm. "Was wir machen, ist reiner Idealismus", formuliert es Stefan Töpfer. Und doch sei die Sammlung von unschätzbarem Wert, denn sie zeige die gesamte Entwicklung vom Buchdruck, so Harald Klemm. Ein Stockwerk darüber lagere ein größerer Fundus alten Werkstattzubehörs, aus einer Schreinerei, Zimmerei, Metzgerei, so Klemm. Auch die Gegenstände müssten eine neue Heimat finden. Ins Ursprungquartier auf dem Gelände der Hanf-Union könne die Linotype-Sammlung nicht zurück, denn dort seien sämtliche Räumlichkeiten inzwischen anderweitig vergeben. "Wir sind intensiv auf der Suche und haben auch schon mit der Stadt geredet", sagt Dieter Gebhardt.

Der schlimmste Fall

Die Vorstandsmitglieder der Museumsgesellschaft wissen, dass es nicht einfach wird, Ersatz für die Halle zu finden. Noch gebe man die Hoffnung nicht auf, versichert Harald Klemm. Doch wenn alle Stricke reißen, müsse Plan B herhalten. Dann müsste die Museumsgesellschaft versuchen, die Linotype-Sammlung an ein anderes Museum abzugeben, damit sie wenigstens zusammen bleibe. Ganz schlimm wäre es, müsste Plan C greifen. Das würde dann nämlich bedeuten, die Sammlung in einzelnen Teilen abzugeben.

Daher die dringende Bitte der Museumsgesellschaft Schopfheim: Wer eine Bleibe für die Maschinen des Technischen Museums kennt, sollte sich bei Harald Klemm, 07622/666680 oder per E-Mail unter klemm.harald@t-online.de melden. Kontakt könne aber auch über die E-Mail-Adresse der Museumsgesellschaft unter webmaster@museumsgesellschaft-schopfheim.de aufgenommen werden. Die Museumsgesellschaft wäre sehr froh, wenn es klappte.
Termine

Am Sonntag, 7. Mai, wird um 11 Uhr die Saison des Technischen Museums mit einer Bilderausstellung des Künstlers Kurt Trefzer eröffnet.

Generell ist dann das Technikmuseum in Fahrnau bis zum Saisonschluss immer sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Sonderführungen seien jederzeit möglich. Anmeldungen dazu unter 07622/666680.