Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
22. März 2010
Schopfheims enorme "Strahlkraft"
BI gegen Mobilfunk im Wiesental schlägt angesichts der von ihr ermittelten Belastung Alarm / Dienstag Infoveranstaltung.
-
Antennen-Wildwuchs: Die Zahl der Masten und Anlagen in der Stadt und den Ortsteilen steigt scheinbar unaufhörlich. Foto: André Hönig
-
Keine schöne Aussicht: Sollte die Funkanlage in Wiechs kommen, würde sie den Hohe Flum-Turm überragen. Die BI hat versucht, dies grafisch so aufzubereiten, dass man sich von den Größenverhältnissen eine Vorstellung machen kann.
privat Foto: Privat
SCHOPFHEIM. Die "Ausstrahlung" Schopfheims ist größer als angenommen. Waren in einem Kataster der Stadt von Ende 2008 noch 17 Mobilfunkanlagen verzeichnet, hat die "Initiative gegen Mobilfunk im Großen und Kleinen Wiesental" mittlerweile 39 Funkanlagen geortet. Sie funkt Alarm – und hofft auf rege Resonanz aus der Bevölkerung am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Wildwuchs von Mobil- und Behörden-Tetrafunk (BOS).
"Strahlendes Wiesental – Schon wieder neue Funkmasten": Unter dieser Überschrift fordert die Initiative zur Teilnahme an der Informationsveranstaltung auf – und liefert zugleich Informationen, die sie selber recherchiert hat. Mit ein Impuls dafür war der Vorgang im November vergangenen Jahres, als auf dem Dach des Polizeireviers neue Funkmasten installiert und bestehende mit UMTS aufgerüstet wurden. Von hier aus werden drei Kindergärten, vier Schulen, das Krankenhaus und mehrere Altersheime bestrahlt – von der Polizei selbst ganz zu schweigen.Zudem wurden auch schon technische Vorarbeiten für den Tetra-Behördenfunk getroffen, der demnächst in Betrieb gehen soll. Viele Bürger sind seitdem empört, dass dies ohne Genehmigung der Stadtverwaltung möglich war – und ohne die Bürger zuvor zu informieren. Die BI hat sich daraufhin auf die Suche nach strahlenden Quellen gemacht, um sich selbst ein Bild zu verschaffen. Allein im Stadtgebiet und in einigen Teilorten spürten sie mittels Messgeräten 39 Sender auf. Auf einer Karte wurden die Standorte verzeichnen, die Liste reicht von Käppelemattweg über Schwarzwald-, Adolf-Müller-, Hebel- und Bannmattstraße über Kapellenstraße, Lindenweg, Entegast, Hegne-, Johann-Karl-Grether-Straße bis zu Empfenacker (Eichen), Mülldeponie, Inselstraße (Langenau) und Rauschbachstraße (Gersbach).
Werbung
Doch das ist nur ein aktueller Zwischenstand. Noch weitaus stärkere Belastungen drohen durch die gepulste Tetrachtechnik für den Behördenfunk (BOS). Nicht nur das Polizeirevier soll so eine Anlage aufs Dach bekommen, auch für den Hohen Flum und für den Mettlenkopf bei Gersbach sind Masten geplant. Zwar hat der Stadtrat wie berichtet derlei Bauanfragen des Landes vorsorglich abgelehnt, die Behörden machen jedoch keinen Hehl daraus, dass sie die Anlagen installieren wollen.
Die Bürgerinitiative ist in höchstem Maße besorgt. Schon jetzt sei die Strahlenbelastung hoch, warnt sie in einer Broschüre. Bei den Messungen machte sie nicht nur Anlagen ausfindig, sie stellte auch fest, dass sie Strahlenwerte sage und schreibe bis zu einem Zwanzigfachen über dem liegen, was der BUND als Grenzwert empfiehlt.
Die Masten strahlen Tag und Nacht gepulste Mikrowellenstrahlen aus, dies gefährde vor allem die Gesundheit von Kindern und Jugendliche. In ihrer Argumentation stützen sich die besorgten Bürger etwa auf Berichte im Magazin ÖktoTest (siehe dazu auch nebenstehender Artikel). Die Tetratechnik aber sei noch schlimmer, weil sie auch dann sende, wenn es gar nicht nötig ist. Und damit nicht genug: Die Technik sei erwiesenermaßen bereits längst veraltet. Warum also sie jetzt überhaupt einführen? Mit diesen und weiteren Fragen wird sie am Dienstag Vertreter des Landratsamtes und des Regierungspräsidiums konfrontieren.
ZUM THEMA BEHÖRDENFUNK
lädt die Stadtverwaltung auf Anregung der Bürgerinitiative am morgigen Dienstag, 23. März um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in die Stadthalle ein. Vertreter von Landratsamt und Regierungspräsidium, Siegfried Zwerenz von der "Bürgerwelle" und ein Mediziner aus München diskutieren das Thema.
Autor: hö
MOBILFUNK
Die von der BI gemessenen Werte liegen nach eigenen Angaben zum Teil bei 2000 Mikrowatt/m im Außenbereich. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert die Einhaltung einer Höchstgrenze von 100 Mikrowatt/m, bei höheren Werten seien Gesundheitsschäden möglich.
Die Liste der Beschwerden, die von Kritikern mit Strahlung in Zusammenhang gebracht werden, reicht von
A wie Alzheimer bis Z wie Zellstörung. Die BI bezieht sich auf das ÖkoTest Magazin 9/2009, in der "Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, und Migräne, Tinnitus, Hpyeraktivität bei Kindern, Herzrythmusstörungen, Bluthochdruck und Allergien" aufgezählt wurden – Symptome, die nach Abschalten von Strahlenquellen verschwunden seien.
Speziell beim Thema Tetra, dem neuen Behördenfunk, verweist die BI auf Gutachten wie eine Studie der Firma Motorola, die zu dem Schluss gekommen sei, dass Tetra nicht verwendet werden sollte. Bei Tetra handelt es sich um gepulste hochfrequente Strahlung, die dauerhaft ausgesendet wird – auch wenn gar keine Gespräche geführt werden. Zudem liegt die Taktung sehr nahe an den Wellen der Gehirn- und Muskelfrequenzen. Genutzt werden soll Tetra für Behörden wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. In England wird Tetra schon länger benutzt, dort sei laut Informationen der BI eine Zunahme an gesundheitlichen Problemen zu beobachten, inzwischen werde in England auch gegen Tetra geklagt. Bereits 1999 habe eine Studie der Uni Wuppertal Schäden an Nadelbäumen durch Tetra-Strahlen nachgewiesen.
Die Bürgerinitiative fordert deshalb bei Mobilfunkmasten generell eine Sicherheitszone von 400 Metern zu Kindergärten und zu dicht besiedeltem Wohngebiet, keine Inbetriebnahme des umstrittenen und vor allem technisch auch veralteten Tetra-Funks und insgesamt eine Reduzierung der Strahlenbelastung in der Stadt, statt immer größere Belastung. Konkret von den Gemeinderäten und der Stadt Schopfheim fordert die Bürgerinitiative, dass "diese einschreiten und ihren Auftrag der Gesundheitsfürsorge für die Bevölkerung ernst nehmen."
Autor: hö
Autor: André Hönig


