Über den plattgemachten Wall wächst noch kein Gras

André Hönig

Von André Hönig

Do, 24. Oktober 2013

Schopfheim

Der Vorfall zieht über Schopfheim hinaus Kreise – und wird auch Thema bei der 900-Jahr-Raitbach-Exkursion sein.

RAITBACH. Er ist zwar auf 400 Metern Länge buchstäblich unter die Erde gekommen, der eigentlich denkmalgeschützte Wall aus dem Dreißigjährigen Krieg auf dem Schanzbühl bei Raitbach. Doch sieht es nicht so aus, als würde alsbald Gras über den Fauxpas de
s Forstes wachsen, der den Wall plattgemacht hat, um hier einen Maschinen- und Forstweg anzulegen (die BZ berichtete).

So wird zum einen der Wall – oder was davon übrig ist – bei der öffentlichen Exkursion im Rahmen der 900-Jahr-Feier Raitbachs am kommenden Samstag, 26. Oktober, eine Station sein, wie Exkursionsleiter und Heimatforscher Werner Störk auf Nachfrage bestätigt. Quasi als Paradebeispiel dafür, wie wichtig es ist, archäologische Spuren zu sichern.

Der Wall passt recht gut in die historische Raitbach-Exkursion, weil diese ohnehin ganz speziell die großen Verteidigungsanlagen im Osten der Gemarkung im Blick hat, wo unmittelbar am Gleichen mehrere Objekte ein einzigartiges Ensemble bilden: Die Pass-Sicherung an den Sandwürfen, zu dem eben auch der nun teilweise zerstörten Wall gehört.

Allerdings kommt das Thema plattgemachter Wall auch aus anderen Gründen im Moment nicht zur Ruhe. Sorgt der Fall doch über Schopfheim hinaus für Aufsehen. So erhielt Werner Störk – der mit der Minifossi-AG vieles zum Thema Schanzen hier in der Region überhaupt erst erforscht hat und den der Vorfall daher tief getroffen hat – nun eine Mitteilung in dieser Sache vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg (Oberste Denkmalschutzbehörde). Demnach war der Fall bereits Thema einer Veranstaltung "Archäologie – Land - und Forstwirtschaft" Mitte Oktober in Stuttgart und wurde dort von der Forstverwaltung als "Negativbeispiel" angeführt. "So sollte beziehungsweise darf es nicht laufen", schreibt die Behörde an Störk.

Das Ministerium habe das Regierungspräsidium Freiburg auch um Stellungnahme gebeten. In einem SWR-Fernsehbeitrag äußerte sich außerdem in dieser Woche auch Meinrad Joos, der Forstpräsident des Regierungspräsidiums Freiburg. Er bedauert den Vorgang ausdrücklich. Bei der umstrittenen Frage allerdings, ob der Forst vorsätzlich gehandelt habe oder nicht, äußert sich Joos wie schon vor zwei Wochen Bertram Jenisch vom Referat Denkmalpflege auf BZ-Anfrage. Demnach sei kein Vorsatz erkennbar.