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08. Dezember 2016

Vom Bauerndorf zum Brückenkopf

Historiker Werner Störk präsentiert am Sonntag neue Erkenntnisse.

  1. Der „Eck“-Pass war einst gut geschützt. Foto: privat

NEUENWEG. Die Kultur des Kleinen Wiesentals wurde von vielen Kräften geprägt, sei es durch die Glashütten, den Bergbau oder in Zeiten kriegerischer Bedrohung auch durch den Bau von Wehranlagen, den Schanzen aus Stein, Erde und Holz. Am Sonntagmorgen wird Historiker Werner Störk in Tegernau über die neuesten archäologischen Funde sprechen.

Dass das Kleine Wiesental als kulturhistorische Schatzkammer immer wieder für eine echte Überraschung gut ist, belegen eindrücklich die aktuellen archäologischen Neufunde bei Neuenweg. So gibt es hier eine einzigartige Kombination von gleich mehreren historischen Schanzanlagen, wobei die Sternschanze auf dem Hau-Pass sowie die benachbarte südliche Viereckschanze schon lange bekannt sind. Hinzugekommen ist die sehr große Holderschanze (wir berichteten), deren historische Bedeutung im Zusammenspiel mit der Sicherung am Hau-Pass erst im Frühjahr 2016 erkannt wurde.

Bei den Forschungsarbeiten an der Holderschanze kam es aber im Laufe des Jahres überraschend zu völlig neuen, auch archäologisch erstaunlichen Neufunden auf dem "Eck", der im Westen – dem Hau gegenüberliegenden – Passhöhe. Die Gesamtfläche der nun erstmals auch wissenschaftlich untersuchten vier neuen Anlagen beeindruckt mit rund 186 000 Quadratmetern. Auch die Gesamtlänge der Wall- und Kommunikationsanlagen ist mit über 4100 Metern im gesamten regionalen Bereich einzigartig. Mit diesen Neuentdeckungen verschiebt sich nun erstmals auch der einstige strategischen Dreh- und Angelpunkt vom Hau-Pass in Richtung Westen auf den Bergsattel vom "Eck" mit alleine drei Schanzwerken sowie auf den benachbarten Schlossboden, der sogar über mehrere Epochen hinweg – vermutlich schon seit dem 14. Jahrhundert – herrschaftlich und militärisch, also multifunktional genutzt wurde.

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Zum ersten Mal in der langen Geschichte kann die gesamte Festungssicherung von Neuenweg mit ihren acht Schanzen komplett vorgestellt und damit auch deren historische Bedeutung für die ganze Region beleuchtet werden. Die komplexen Zusammenhänge der Geschichte des hinteren Kleinen Wiesentals werden neu bewertet werden. Am Sonntagmorgen in der "Krone" in Tegernau werden zum ersten Mal die interdisziplinären Forschungsmethoden vorgestellt, mit denen Störk die archäologischen Neufunde erkundet und begutachtet hat.

Erst jetzt konnten nun endlich auch die erneut aufgenommenen, internationalen Nachforschungen über den mysteriösen Mord an Johann von Markloffski (1648 bis 1691) abgeschlossen werden, dessen Grabdenkmal an der Neuenweger Kirche angebracht ist. Auch darüber wird berichten. In bilderreichen und spannenden Vortrag werden Fakten und Indizien gezeigt, die zu einer Neubewertung der speziellen Rolle Neuenwegs führen: sei es als verkehrstechnischer, geopolitischer sowie konfessioneller Dreh- und Angelpunkt oder auch als militärisch-strategischer Brückenkopf, der über Jahrhunderte hinweg – regional wie international – benutzt wurde.

Präsentation: Die Veranstaltung findet beim Kultur-Frühschoppen im Wirtshausmuseum "Krone" am kommenden Sonntag, 11. Dezember, um 11 Uhr in Tegernau statt.

Autor: Werner Störk