Barockschanze

Warum wird in Gersbach die Verteidigungsanlage ausgebaut?

bry

Von bry

So, 07. September 2014 um 18:52 Uhr

Schopfheim

Der Schopfheimer Ortsteil Gersbach verstärkt seine Verteidigung: Eigens für ein Fernsehteam des SWR wurde mit der Erweiterung der Barockschanze begonnen. Wir waren dabei.

Die Errichtung und Befestigung einer Schanzanlage, die in früheren Zeiten von den Fronbauern geleistet werden mussten, waren harte, schweißtreibende Knochenarbeit. Davon konnten sich Zuschauer überzeugen, die bei den Dreharbeiten des Fernsehteams unter Mike Grünwald zugegen waren. Im Vorfeld der Feier zum 300-jährigen Jubiläum der Barockstadt Karlsruhe 2015 dreht das Team einen Film über den "Barock im Südwesten", bei dem die Gersbacher Schanze nicht fehlen darf.

"Will man die Schanzwerke im Südwesten dokumentieren, dann führt an der Arbeit von Werner Störk und der Barockschanze in Gersbach kein Weg vorbei." Mike Grünwald
Wie muss man sich die Errichtung eines so mächtigen Schanzwerks unter den Bedingungen des 17. Jahrhunderts vorstellen? Das war eine der Fragen, die das Team um Mike Grünwald dokumentieren wollen. Für einen entsprechenden Film, der im kommenden Sommer ausgestrahlt werden soll, wurde ein aussagefähiges Beispiel gesucht. "Will man die Schanzwerke im Südwesten dokumentieren, dann führt an der Arbeit von Werner Störk und der Barockschanze in Gersbach kein Weg vorbei", erklärte Mike Grünwald. Die Anfrage wurde in Gersbach mit offenen Armen aufgenommen. Die Jugendfeuerwehr, der Ortschaftsrat und der Förderverein Gerisbac erklärten sich spontan bereit, das Erweiterungsprojekt an der Schanze zu übernehmen. Und Werner Störk steuerte den Plan für die Anlage einer so genannten "Lunette" am Turm der Barockschanze bei. Für die Arbeiten ließ der SWR originalgetreue alte Spaten, Pickel und Körbe herstellen.

Eine wahre Knochenarbeit

Am Samstagmorgen gingen die Arbeiten los. Unter Anleitung von Werner Störk und unterstützt von den Aktiven des Ortschaftsrats und des Fördervereins machten sich die Jugendlichen an die Arbeit, den Spitzgraben der Lunette auszuheben. Zuerst wurde die Grasnarbe ausgehoben und sorgsam beiseite geschafft, um später wieder verwendet zu werden. Dann wurde mit den Pickeln die Erde gelockert, mit den eisenverstärkten Holzspaten die Erde ausgehoben und in Körben abtransportiert, um vor dem Graben als neuer Wall wieder verwendet zu werden. Die Sonne schien prächtig, und schon nach kurzer Zeit floss der Schweiß der Jugendlichen in Strömen. Eine wahre Knochenarbeit war danach das Feststampfen der aufgeworfenen Erde für den Wall. Aus massivem Holz war ein Stampfer hergestellt worden, mit dem je zwei Jugendliche Runde um Runde die Erde verdichteten, damit der spätere Wall auch Bestand hat.
"Wir legen einen Scherengraben an, eine so genannte Lunette", erklärte Werner Störk. Diese Lunette besteht aus einem Spitzgraben nach altem römischen Vorbild, der Fossa. Der Graben ist so breit, dass er von Angreifern nicht übersprungen werden kann. Die Seitenwände sind so schräg, dass man im Graben nicht laufen kann; außerdem wurden diese Gräben am Boden mit so genannten eisernen Krähenfüßen bestückt, geschmiedeten Eisenstücken, deren Spitzen sich durch Stiefel in die Füße bohrten. An der nach innen liegenden Seite wurde der Graben mit schräg liegenden Palisaden bestückt.

TV-Doku und Beiträge fürs Schulfernsehen

"Diese Palisaden liegen in Abständen, so dass sich keine ebene Fläche an der Oberseite ergibt", erläuterte Werner Störk bei der Platzierung der zugespitzten Holzstämme. Das soll verhindern, dass man sich auf der Oberseite der Palisade fortbewegen kann. Etwa vier dieser Palisaden kommen auf einen Meter. Bei der Arbeit wurde festgestellt, dass man von dem ursprünglichen Plan abweichen musste.

"Wir wären zu nahe an einen vorbei führenden Wirtschaftsweg gekommen", informierte "Schanzenbaumeister" Störk und entwarf flugs einen neuen Plan. Jetzt wird der Wall vor dem Graben nur an einer Seite ausgeführt. Das restliche Erdreich wird für einen Wall hinter der ersten Palisadenreihe verwendet. Dieser wird im Laufe der Woche mit einem senkrecht stehenden Palisadenzaun zusätzlich bewehrt. Alle diese Arbeiten wurden vom Fernsehteam im Film festgehalten. Denn neben dem 90-minütigen Fernsehfilm sollen zusätzlich fünf 15-minütige Dokumentationen für das Schulfernsehen "Planet Schule" entstehen.

"Wir legen einen Scherengraben an, eine so genannte Lunette." Werner Störk
"Wir filmen zusätzlich im Waldglas-Zentrum in Gersbach, in dem die originalen Schanzanleitungen aus der Barockzeit ausgestellt sind, die Werner Störk der Stadt geschenkt hat", berichtete Mike Grünwald. So können durch Überblendungen die gezeichneten Anleitungen mit den tatsächlichen Schanzarbeiten gezeigt und Absicht und Wirkung einer Schanzanlage gezeigt werden. Als die Jugendlichen leidlich erschöpft eine Mittagspause einlegen mussten, zeigte Baggerführer Herbert Kiefer von der Schönauer Baufirma Engesser, wie schnell und effektiv solche Schanzanlagen mit heutigen Mitteln angelegt werden können. "Wir sind gottfroh, dass uns die Firma Engesser wieder Herrn Kiefer zur Verfügung gestellt hat", freute sich Werner Störk. Denn Herbert Kiefer war schon maßgeblich am Bau der großen Schanze beteiligt und ist zu einem echten Schanzenexperten der Praxis geworden, der bei den Planungen wichtige Aspekte beisteuert.

Schweißnass saßen auch Vize-Ortsvorsteher Manfred Deiss und der früher Ortsvorsteher Ralf Ühlin bei den Jungfeuerwehrleuten. "Das geht schon in die Knochen", bestätigten sie. "Aber es macht Spaß und man lernt noch etwas dabei", ergänzten die Buben und ein Mädchen. Und durch die Erweiterung der Schanze mit filmischer Unterstützung darf Gersbach auf eine weitere Verstärkung in der Werbung für das Dorf hoffen.
Wie geht es weiter?

In der laufenden Woche werden die Arbeiten an der Schanzerweiterung fortgesetzt. Am kommenden Samstag, 13. September, soll die Lunette fertig sein. Dann finden die Abschlussdreharbeiten statt, an denen auch Filmemacher und Regisseur Peter Prestel teilnehmen wird.

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