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16. Mai 2014

Moment – eben noch schnell ein Selfie schießen

Zischup-Reporterin Amelie Behrends über den Trend, immer und überall Selbstporträts mit dem Handy aufnehmen zu wollen.

  1. Bitte lächeln! Foto: dpa

"But first – let me take a selfie!" – "Lass mich zuerst noch ein Selfie machen!" Selfies sind der Trend der vergangenen Jahre: Fast jeder hat schon mal eines gemacht, mit Freunden, vor dem Eiffelturm, zu Hause oder auf einer Party. Wann immer man auf etwas Besonderes trifft, das man später anderen zeigen will oder etwas in Erinnerung behalten möchte, macht man ein schnelles Selbstporträt – ein Selfie.

Als Erinnerungs- und Beweisfotos erfüllen sie so die Funktion eines Tagebuchs und zeigen auch, wie es einem geht und in welcher Stimmung man sich befindet. Besonders seit Smartphones eine Frontkamera haben, mit der man sich während der Fotoaufnahme selbst sehen kann, werden Selfies immer beliebter. Meistens werden sie nach dem Aufnehmen sofort auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Snapchat hochgeladen. Aber woher kommt der Begriff Selfie?

Das Wort Selfie wurde zum ersten Mal am 13. September im Jahr 2002 in einem australischen Internetforum verwendet. Obwohl es den Begriff Selfie also schon seit Jahren gibt, wurde er erst rund zehn Jahre später massenhaft verwendet: Im Jahr 2012 listete das Time Magazine das Selfie erstmals unter den zehn häufigsten Schlagwörtern. 2013 wurde es vom Oxford English Dictionary zum Wort des Jahres gemacht.

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Dass die schnellen Selbstporträts in den vergangenen Jahren so enorm populär geworden sind, hat mehrere Gründe. Zum einen bieten die neuen Smartphones die technischen Voraussetzungen dafür, sich in jeder beliebigen Situation zu fotografieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fotoapparaten haben Digitalkameras oder Handys einen fast unbegrenzten Speicherplatz – und was einem nicht gefällt, kann man ohnehin sofort wieder löschen. So geben die Selfies dem Fotografen die Möglichkeit, sich selbst genau so zu präsentieren, wie er von anderen gesehen werden möchte.

Und gesehen werden möchten die meisten. Einer amerikanischen Studie des Pew Research Centers zufolge haben schon mehr als 90 Prozent der amerikanischen Jugendlichen Fotos von sich selbst im Internet veröffentlicht. Aber auch viele Erwachsene geben zu, schon Selfies gemacht zu haben. In einer Umfrage der Internetseite picmonkey.com sagten Dreiviertel der 18- bis 34-Jährigen, sie machten zumindest gelegentlich ein Selfie, ebenso rund ein Viertel der 55- bis 64-Jährigen und sogar 14 Prozent der Über-64-Jährigen.

Selfies werden allgemein als Ausdruck von Selbstverliebtheit gesehen – aber es gibt auch andere Meinungen. Wie zum Beispiel die der amerikanischen Psychologin Sarah Gervais. Sie findet, dass die vielen Selbstporträts in den sozialen Medien einen "stillen Widerstand gegen die Flut an perfekten Bildern" bieten, die wir in Medien wie Modezeitschriften oder dem Fernsehen sehen. Immerhin seien Selfies meistens nicht mit Fotoshop perfektioniert, sondern seien "Bilder echter Menschen in ihrer ganzen Vielfalt". Also: abgedrückt!

Autor: Amelie Behrends,