Interview mit Kunstsammler Jürgen A. Messmer

"Wenn mich ein Bild bewegt, ist es auch nicht mehr weit, dass ich es kaufe"

Hannah Ritter, Klasse 8c, Kolleg St. Sebastian Stegen

Von Hannah Ritter, Klasse 8c & Kolleg St. Sebastian Stegen

Mi, 29. Mai 2013 um 09:45 Uhr

Schülertexte

Das Werbeplakat der Marc Chagall Ausstellung in der Kunsthalle Messmer in Riegel stach mir sofort ins Auge. Wie kommen Bilder dieses großen Künstlers dorthin und wer ist der Jürgen A. Messmer, der Initiator der Kunsthalle? Da ich bereits einige Werke von Chagall kenne und mir seine Zirkusbilder besonders gefallen, wollte ich mir diese Ausstellung unbedingt ansehen.

In Erinnerung an seine verstorbene Tochter Petra gründete der Unternehmer und Kunstsammler Jürgen A. Messmer 2005 die messmer foundation, die Trägerin der Kunsthalle in Riegel ist. Messmer persönlich führte durch die Chagall-Ausstellung. Er entpuppt sich als sehr sympathischer und zugänglicher Menschen, der das Gespräch mit den Besuchern sucht und auch sofort bereit ist, mit mir zu sprechen.

Zischup: Herr Messmer, seit wann sammeln Sie Kunst?
Messmer: Ich sammle Kunst seit meiner Studienzeit, in kleinem Umfang, weil ich da natürlich nicht viel Geld hatte. Ende der 70er-Jahre hat es angefangen.

Zischup: Wie viele Werke besitzen Sie?
Messmer: Die Stiftung und ich persönlich haben circa 1000 Werke, das heißt Skulpturen und Bilder.

Zischup: Wer ist Ihr Lieblingsmaler und welches ist Ihr Lieblingsbild?
Messmer: Das ist eine gute Frage. Zu meinen Lieblingsmalern gehört in vorderster Front Andre Evard, dessen Nachlass ich gekauft habe. Trotz all den vielen anderen Malern, die ich kennengelernt habe. Ich persönlich sammle konkret-konstruktive Maler, aber da habe ich keinen, den ich vorziehen würde. Beim Lieblingsbild – da muss ich überlegen – das ist eines von Vasarely, das gehört nach wie vor zum Besten. Ich habe es auch schon ausgestellt und würde es nie weggeben.

Zischup: Malen Sie auch selbst?
Messmer: Nein, ich male nicht selber, das kann man nicht malen nennen. Ich kenne aber auch keinen Kunstsammler, der selbst malt.

Zischup: Zur Zeit stellen Sie Marc Chagall aus. Wie kamen Sie darauf?
Messmer: Chagall gehört zu den Publikumsmagneten. Es war klar, dass wir ihn irgendwann ausstellen würden. Dass wir es dieses Jahr machen, hängt damit zusammen, dass einer der Leihgeber auf uns zukam und uns 25 bis 30 Arbeiten Chagalls anbot. Darum herum haben wir dann alles andere gepackt.

Zischup: Es gibt auch Ausstellungen, die in verschiedenen Städten zu sehen sind?
Messmer: Ja, das sind praktisch Dauer- oder Wanderausstellungen. Da habe ich bis jetzt nie mitgemacht und habe es auch nicht vor.

Zischup: Sie haben diese Ausstellung selbst zusammengestellt. Wie viele Werke umfasst die Ausstellung?
Messmer: Die Ausstellung umfasst 143 Werke und eine Vitrine mit ein paar speziellen Arbeiten. Wir hatten wesentlich mehr, 21 Arbeiten haben wir nicht gehängt, das wäre zu eng geworden.

Zischup: Wie lange dauert die Vorbereitungszeit?
Messmer: Normalerweise ein bis zwei Jahre, bei dieser Ausstellung war es ein gutes Jahr, damit muss man rechnen.

Zischup: Wie organisiert man solch eine Ausstellung?
Messmer: Man muss gut recherchieren und ein gutes Netzwerk haben. Recherche nutzt nichts, wenn man keine Kontakte hat, denn man muss die Leihgaben auch bekommen. Einfach wäre es, wenn man Ausstellungen immer aus dem eigenen Bestand macht. Es ist aber spannender, andere Ausstellungen zu machen.

Zischup: Kennen Sie alle Besitzer dieser Gemälde persönlich?
Messmer: Ja, ich kenne alle persönlich.

Zischup: Wie wählen Sie aus?
Messmer: Ich wähle nach den Themen aus. Wir haben hier in der Kunsthalle zwölf offene Räume, die wir mit dem Künstler gestalten wollen. Bei Chagall bot es sich an, dass wir die Räume mit Zyklen, die er geschaffen hat, gestalten. Also zum Beispiel Zirkus, Daphnis und Chloe oder Bibel.

Zischup: Wer berät Sie?
Messmer: Wir haben zwei bis drei Kunsthistoriker bei uns, deren Meinung ich höre. Ich entscheide mit den Mitarbeitern oder auch allein.

Zischup: Welches ist das teuerste Bild von Chagall und wie viel würde es kosten, wenn ich fragen darf?
Messmer: Das würde ich lieber nicht beantworten!

Zischup: Wie ist die Ausstellung gesichert zum Beispiel gegen Einbruch, Diebstahl und Beschädigung?
Messmer: Wir haben Aufsichtspersonen drinnen und im Eingangsbereich. Von Anfang an haben wir Sicherheitssysteme in die Außenhaut mit eingeplant. Man soll nie nie sagen, aber ich glaube, wir sind ganz gut aufgestellt.

Zischup: Was bedeutet Kunst für Sie? Können Sie mir ein Bild dazu geben?
Messmer: Wenn ich in Ausstellungen, Galerien oder Messen gehe und ich sehe etwas, was ich haben will, spüre ich ein Kribbeln. Wenn mich ein Bild bewegt, ist es auch nicht mehr weit, dass ich es kaufe. Allerdings muss es im finanziellen Rahmen liegen. Es gibt auch Bilder, die vom Preis her wegfallen, zum Beispiel Fontana. Ich hätte sehr gerne ein Bild von ihm, aber er ist zu teuer geworden, dann springe ich auch nicht hinterher.